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Biotin

Was ist Biotin?

Biotin (auch Vitamin B7 oder Vitamin H genannt) ist ein wasserlösliches Vitamin aus der Gruppe der B-Vitamine. Es wirkt im Körper als Coenzym, das bedeutet, es unterstützt bestimmte Enzyme bei ihrer Arbeit. Biotin ist für zahlreiche Stoffwechselprozesse unverzichtbar und beeinflusst unter anderem den Abbau von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen. Darüber hinaus ist es bekannt für seine Bedeutung für Haut, Haare und Nägel.

Biologische Funktionen

Biotin erfüllt im menschlichen Körper eine Vielzahl von Aufgaben:

  • Energiestoffwechsel: Biotin ist als Coenzym an der Verstoffwechselung von Glucose, Fettsäuren und Aminosäuren beteiligt.
  • Genregulation: Es beeinflusst die Expression bestimmter Gene und spielt eine Rolle bei der Zellteilung.
  • Nervensystem: Biotin unterstützt die normale Funktion des Nervensystems.
  • Haut, Haare und Nägel: Es trägt zur Erhaltung normaler Haut sowie zur Pflege von Haar- und Nagelstruktur bei.
  • Schwangerschaft: Biotin ist wichtig für eine normale Embryonalentwicklung.

Nahrungsquellen

Biotin kommt in vielen Lebensmitteln vor, teils in größeren, teils in kleineren Mengen:

  • Tierische Quellen: Leber, Nieren, Eier (vor allem Eigelb), Fisch (z. B. Lachs, Sardinen), Milchprodukte
  • Pflanzliche Quellen: Hülsenfrüchte (Sojabohnen, Linsen), Nüsse (Walnüsse, Mandeln, Erdnüsse), Haferflocken, Pilze, Blumenkohl, Avocado, Süßkartoffeln
  • Darmflora: Darmbakterien können Biotin in geringem Maß selbst synthetisieren, jedoch reicht diese Eigensynthese allein nicht aus, um den täglichen Bedarf zu decken.

Empfohlene Tageszufuhr

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene eine tägliche Zufuhr von 30 bis 60 Mikrogramm (µg) Biotin. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) legt einen sogenannten angemessenen Zufuhrwert (Adequate Intake) von 40 µg pro Tag für Erwachsene fest. In der Schwangerschaft und Stillzeit kann der Bedarf leicht erhöht sein.

Biotinmangel

Ursachen

Ein echter Biotinmangel ist in der westlichen Welt selten, kann aber in folgenden Fällen auftreten:

  • Regelmäßiger Verzehr von rohem Ei-Eiweiß: Rohes Eiweiß enthält Avidin, ein Protein, das Biotin im Darm bindet und seine Aufnahme verhindert.
  • Langfristige parenterale Ernährung (Ernährung über eine Vene) ohne Biotinzusatz
  • Seltene genetische Störungen des Biotinstoffwechsels (z. B. Biotinidasemangel)
  • Bestimmte Medikamente (z. B. Antiepileptika wie Valproatsäure)
  • Chronischer Alkoholmissbrauch

Symptome eines Mangels

Typische Anzeichen eines Biotinmangels umfassen:

  • Haarausfall (Alopezie)
  • Brüchige Nägel
  • Hautveränderungen, insbesondere schuppiger Ausschlag um Mund, Nase und Augen
  • Müdigkeit und allgemeine Schwäche
  • Neurologische Symptome wie Kribbeln in den Gliedmaßen, Depressionen oder Verwirrtheit
  • Erhöhte Infektanfälligkeit

Risikogruppen

Besonders gefährdet für einen Biotinmangel sind Menschen mit genetischen Enzymdefekten des Biotinstoffwechsels, Personen mit stark einseitiger Ernährung sowie Schwangere, da der Bedarf in der Schwangerschaft steigt.

Diagnostische Marker

Zur Feststellung eines Biotinmangels kann der Biotinspiegel im Blut oder Urin gemessen werden. Ein weiterer indirekter Marker ist die erhöhte Ausscheidung von 3-Hydroxyisovalerianssäure im Urin, die auf eine gestörte biotinabhängige Enzymfunktion hinweist.

Biotinergänzung und Dosierung

Biotinpräparate sind rezeptfrei als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich, meist in Dosierungen zwischen 150 µg und 10.000 µg (10 mg). Bei einem nachgewiesenen Mangel wird Biotin gezielt in therapeutischen Dosierungen eingesetzt. Hochdosierte Biotinpräparate werden auch zur Behandlung des seltenen Biotinidasemangels eingesetzt, bei dem Dosierungen von bis zu 100 mg täglich notwendig sein können.

Wichtiger Hinweis: Hochdosiertes Biotin (ab 5 mg/Tag) kann bestimmte Laborwerte verfälschen, da es in immunologischen Testverfahren (z. B. Schilddrüsenwerte, Herzmarker) zu falsch-positiven oder falsch-negativen Ergebnissen führen kann. Betroffene sollten ihren Arzt über eine Biotinsupplementierung informieren.

Toxizität und Sicherheit

Biotin gilt als sehr gut verträglich. Da es ein wasserlösliches Vitamin ist, wird ein Überschuss über die Nieren ausgeschieden. Bisher wurde kein oberer tolerierbarer Einnahmewert (Tolerable Upper Intake Level, UL) durch die EFSA festgelegt, da keine toxischen Wirkungen bei hohen Dosen beim Menschen bekannt sind. Dennoch sollte eine Supplementierung in sehr hohen Dosierungen nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.

Wechselwirkungen

Bestimmte Stoffe und Medikamente können die Biotinaufnahme oder den Biotinstoffwechsel beeinflussen:

  • Avidin (rohes Eiweiß): Hemmt die Aufnahme von Biotin im Darm
  • Antiepileptika: Können den Biotinabbau beschleunigen
  • Antibiotika: Langzeitanwendung kann die Darmflora verändern und damit die Biotinsynthese durch Bakterien reduzieren
  • Pantothensäure (Vitamin B5): Beide Vitamine konkurrieren möglicherweise um denselben Aufnahmemechanismus

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr - Biotin. www.dge.de (abgerufen 2024)
  2. European Food Safety Authority (EFSA): Dietary Reference Values for biotin. EFSA Journal 2014;12(2):3580. doi:10.2903/j.efsa.2014.3580
  3. Zempleni J, Wijeratne SSK, Hassan YI: Biotin. BioFactors 2009;35(1):36-46. doi:10.1002/biof.8
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