Dammschnitt
Was ist ein Dammschnitt?
Der Dammschnitt, medizinisch als Episiotomie bezeichnet, ist ein gezielter chirurgischer Schnitt im Bereich des Damms – dem Gewebebereich zwischen Scheide und After – der während der Geburt durchgeführt wird. Ziel des Eingriffs ist es, den Geburtskanal zu vergrößern, um dem Kind den Durchtritt zu erleichtern und unkontrollierte, unregelmäßige Dammrisse zu vermeiden, die schwerer zu nähen sind.
In Deutschland und anderen deutschsprachigen Ländern wird der Dammschnitt heute nur noch bei gezielter medizinischer Indikation durchgeführt, da Studien gezeigt haben, dass eine routinemäßige Anwendung keinen Vorteil gegenüber einer abwartenden Haltung bietet.
Arten des Dammschnitts
- Medianer Dammschnitt: Schnitt geradlinig in Richtung After. Heilt leichter, birgt jedoch ein höheres Risiko für Verletzungen des Schließmuskels.
- Mediolateraler Dammschnitt: Schnitt schräg zur Seite. Häufiger angewendet in Europa, da das Risiko einer Sphinkterverletzung geringer ist.
Indikationen – Wann wird ein Dammschnitt durchgeführt?
Ein Dammschnitt wird heute nur bei klar definierten medizinischen Indikationen vorgenommen. Dazu gehören unter anderem:
- Drohender Sauerstoffmangel beim Kind (fetale Hypoxie) und Notwendigkeit einer schnellen Entbindung
- Anwendung von Geburtszange oder Saugglocke (Vakuumextraktion)
- Sehr großes Kind (Makrosomie) oder ungewöhnliche Kindslage
- Drohender schwerer Dammriss (Grad III oder IV) bei ungenügender Gewebsdehnbarkeit
- Frühgeburt, um den Kopf des Kindes zu schützen
Durchführung
Der Dammschnitt wird in der Regel unter lokaler Betäubung oder unter dem Einfluss einer bereits vorhandenen Periduralanästhesie (PDA) vorgenommen. Der Schnitt erfolgt während einer Wehe, wenn das Gewebe maximal gedehnt ist. Nach der Geburt wird der Schnitt mit resorbierbaren Nähten wieder verschlossen.
Heilung und Nachsorge
Die Wundheilung nach einem Dammschnitt dauert in der Regel zwei bis sechs Wochen. Während dieser Zeit können Schmerzen, Schwellungen und ein Spannungsgefühl im Dammbereich auftreten. Folgende Maßnahmen unterstützen die Heilung:
- Regelmäßige Kühlung der Wunde in den ersten Tagen
- Sorgfältige Intime-Hygiene mit lauwarmem Wasser
- Sitzbecken-Übungen (Beckenbodengym nastik) zur Frührehabilitation
- Vermeidung von langem Sitzen auf harten Flächen
- Rücksprache mit der Hebamme oder dem Frauenarzt bei Zeichen einer Infektion (Gerötung, Eiter, starke Schmerzen)
Mögliche Komplikationen
Obwohl der Dammschnitt ein gängiger Eingriff ist, kann es in seltenen Fällen zu Komplikationen kommen:
- Infektionen der Wunde
- Verzögerte Wundheilung oder Wunddefhiszenz (Auseinanderweichen der Wundnaht)
- Verletzung des Schließmuskels (Sphinkterruptur) – besonders beim medianen Schnitt
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) in den Monaten nach der Geburt
- Narbengewebe, das Beschwerden verursachen kann
Dammschnitt vs. Dammriss
Ein Dammriss entsteht spontan während der Geburt und wird in vier Schweregrade eingeteilt. Ein Dammschnitt ist ein kontrollierter, gerader Schnitt, der leichter genäht werden kann als ein ungleichmäßiger Riss. Dennoch zeigen Studien, dass ein gezielter Dammschnitt keinen vollständigen Schutz vor schweren Dammrissen bietet und die Routine-Episiotomie daher nicht empfohlen wird.
Prävention – Kann man einen Dammschnitt vermeiden?
Verschiedene Maßnahmen können dazu beitragen, das Risiko eines Dammschnitts oder Dammrisses zu verringern:
- Dammmassage ab der 34. Schwangerschaftswoche zur Vorbereitung des Gewebes
- Warme Kompressen auf den Damm während der Pressphase
- Gesteuertes, langsames Pressen unter Anleitung der Hebamme
- Geburtspositionen, die den Druck auf den Damm reduzieren (z. B. Vierfüßlerstand, Seitenl age)
Quellen
- Leitlinienprogramm der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin (2020). Verfügbar unter: www.awmf.org
- Carroli G, Mignini L. Episiotomy for vaginal birth. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2009;(1):CD000081. doi:10.1002/14651858.CD000081.pub2
- World Health Organization (WHO). WHO recommendations: intrapartum care for a positive childbirth experience. Geneva: WHO; 2018.