Eröffnungswehen
Was sind Eröffnungswehen?
Eröffnungswehen sind regelmäßige, rhythmische Kontraktionen der Gebärmutter, die in der ersten Phase der Geburt auftreten. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, den Muttermund (lat. Ostium uteri) schrittweise zu öffnen – von wenigen Millimetern bis auf etwa 10 Zentimeter vollständige Eröffnung. Diese Phase wird als Eröffnungsphase oder Dilatationsphase bezeichnet und ist die längste Phase der Geburt.
Ablauf und Dauer
Die Eröffnungsphase gliedert sich in zwei Abschnitte:
- Latenzphase (frühe Eröffnungsphase): Der Muttermund öffnet sich von 0 bis etwa 6 Zentimeter. Diese Phase kann bei Erstgebärenden 6 bis 20 Stunden dauern, bei Mehrfachgebärenden ist sie oft kürzer.
- Aktivphase (späte Eröffnungsphase): Der Muttermund öffnet sich von 6 bis 10 Zentimeter. Die Wehen werden stärker, länger und regelmäßiger.
Zu Beginn dauern Eröffnungswehen etwa 30 bis 45 Sekunden und treten alle 5 bis 20 Minuten auf. Mit fortschreitender Geburt werden sie intensiver, dauern 60 bis 90 Sekunden und kommen alle 2 bis 3 Minuten.
Wie fühlen sich Eröffnungswehen an?
Eröffnungswehen werden häufig als krampfartige Schmerzen im Unterleib beschrieben, die dem Rücken oder den Oberschenkeln ausstrahlen können. Viele Frauen berichten von einem Druck- oder Ziehgefühl, das dem Menstruationsschmerz ähnelt, jedoch intensiver ist. Im Verlauf der Eröffnungsphase nehmen die Schmerzen deutlich zu.
Unterschied zu Vorgebärtswehen und Vorwehen
Eröffnungswehen müssen von anderen Wehtypen unterschieden werden:
- Vorwehen (Braxton-Hicks-Kontraktionen): Unregel—mäßige, meist schmerzlose Übungswehen ohne Einfluss auf den Muttermund. Sie treten schon ab der Mitte der Schwangerschaft auf.
- Senkwehen: Treten in den letzten Schwangerschaftswochen auf und helfen dabei, den Kopf des Kindes ins Becken zu senken.
- Presswehen (Austreibungswehen): Folgen nach vollständiger Eröffnung des Muttermundes und treiben das Kind durch den Geburtskanal.
Diagnose und Beurteilung
Die Beurteilung der Eröffnungswehen erfolgt durch die Hebamme oder das ärztliche Fachpersonal. Dabei werden folgende Methoden eingesetzt:
- Kardiotokographie (CTG): Gleichzeitige Aufzeichnung der Wehentätigkeit und der kindlichen Herzfrequenz. So können Stärke, Häufigkeit und Dauer der Wehen objektiv gemessen werden.
- Vaginale Untersuchung: Tastuntersuchung zur Beurteilung der Muttermundseröffnung, der Konsistenz des Gebärmütterhalses und der Lage des Kindes.
Schmerzbewältigung während der Eröffnungswehen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Schmerzerleichterung während der Eröffnungsphase:
Nicht-medikamentöse Methoden
- Bewegung und aufrechte Körperhaltung (z.B. Gehen, Kreisen auf dem Geburtsball)
- Wärme (Heizkissen, warmes Bad oder Dusche)
- Atemtechniken und Entspannungsübungen
- Massage des Rückens oder Kreuzbereichs
- Wassergeburt oder Badewannennutzung
Medikamentöse Methoden
- Periduralanästhesie (PDA): Die häufigste Form der medikamentösen Schmerzlinderung unter der Geburt; ein Lokalanästhetikum wird in den Epiduralraum der Wirbelsäule gegeben.
- Opioide: Schmerzmittel wie Pethidin können intramusku lär verabreicht werden.
- Lachgas (Distickstoffoxid): Wird in einigen Geburtseinrichtungen als inhalatives Analgetikum eingesetzt.
Wann in die Klinik oder Geburtseinrichtung?
In der Regel wird empfohlen, die Geburtseinrichtung aufzusuchen, wenn die Wehen:
- regelmäßig alle 5 Minuten auftreten,
- jeweils mindestens 60 Sekunden dauern,
- und dieses Muster seit etwa einer Stunde anhält (die sogenannte 5-1-1-Regel).
Bei vorzeitigem Blasensprung, starken Blutungen oder einer deutlichen Abnahme der Kindsbewegungen sollte sofort medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) – Leitlinie zur vaginalen Geburt am Termin (2020). Verfügbar unter: www.dggg.de
- World Health Organization (WHO) – WHO recommendations: intrapartum care for a positive childbirth experience. Geneva: WHO; 2018. Verfügbar unter: www.who.int
- Schneider H, Husslein P, Schneider KTM – Die Geburtshilfe. 5. Auflage. Springer Verlag, Berlin Heidelberg, 2016.