Fieber bei Kleinkindern
Was ist Fieber bei Kleinkindern?
Fieber ist keine Krankheit, sondern eine natürliche Schutzreaktion des Körpers. Bei Kleinkindern (Kinder im Alter von etwa 1 bis 6 Jahren) spricht man von Fieber, wenn die Körpertemperatur 38 °C oder höher beträgt. Eine Temperatur zwischen 37,5 °C und 38 °C gilt als erhöhte Temperatur, aber noch nicht als echtes Fieber. Das Fieber selbst ist ein wichtiges Signal des Immunsystems und hilft dem Körper, Krankheitserreger zu bekämpfen.
Ursachen von Fieber bei Kleinkindern
Fieber bei Kleinkindern kann viele Ursachen haben. Die häufigsten sind:
- Virale Infektionen: Erkältungen, Grippe, Mittelohrentzündung, Masern, Röteln oder das Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum) gehören zu den typischen Auslosern.
- Bakterielle Infektionen: Mandelentzündung, Harnwegsinfektion oder Lungenentzündung können ebenfalls Fieber verursachen.
- Zahnen: Leicht erhöhte Temperaturen können beim Zahnen auftreten, echtes Fieber wird durch Zahnen allein jedoch selten ausgelöst.
- Impfreaktionen: Nach bestimmten Schutzimpfungen kann es zu leichtem Fieber als normale Immunreaktion kommen.
- Überhitzung: Zu warme Kleidung oder ein heisser Raum kann besonders bei Säuglingen zu erhöhter Körpertemperatur führen.
Symptome und Begleiterscheinungen
Neben der erhöhten Körpertemperatur zeigen Kleinkinder mit Fieber häufig folgende Begleiterscheinungen:
- Glänzende oder gerötete Augen
- Gereiztheit, Weinen oder Unruhe
- Müdigkeit und Appetitlosigkeit
- Erhöhte Herzfrequenz und schnellere Atmung
- Zittern oder Schüttelfrost beim Anstieg des Fiebers
- Warme, gerötete Haut oder gelegentlich blasses Aussehen
Fiebermessen bei Kleinkindern
Die genaueste Methode zur Temperaturmessung bei Kleinkindern ist die rektale Messung (im After) mit einem digitalen Thermometer. Alternativ sind Ohrthermometer und Stirnthermometer verbreitet, jedoch etwas ungenauer. Die axilläre Messung (unter der Achsel) gibt ebenfalls Anhaltswerte, ist aber weniger zuverlässig.
Temperaturwerte im Überblick
- Normal: 36,5 °C bis 37,4 °C (rektal)
- Erhöhte Temperatur: 37,5 °C bis 37,9 °C
- Fieber: ab 38,0 °C
- Hohes Fieber: ab 39,0 °C
- Sehr hohes Fieber: ab 40,0 °C (sofort ärztliche Hilfe erforderlich)
Wann zum Arzt?
Eltern sollten bei folgenden Warnzeichen umgehend ärztlichen Rat suchen oder den Notarzt rufen:
- Fieber bei einem Kleinkind unter 3 Monaten ab 38 °C
- Fieber über 40 °C oder Fieber, das nicht auf fiebersenkende Mittel anspricht
- Fieberkrampf: Zuckungen oder Bewusstlosigkeit während des Fiebers
- Hautausschlag, besonders rote oder lila Flecken, die nicht verblassen (mögliches Zeichen einer Hirnhautentzündung)
- Steifer Nacken, Lichtscheu oder starke Kopfschmerzen
- Fieber, das länger als 3 Tage andauert oder immer wieder zurückkehrt
- Starke Trinkunlust, Zeichen von Austrocknungserscheinungen (trockene Windeln, trockener Mund)
- Das Kind wirkt schwerkrank, ist schwer zu wecken oder extrem blass
Behandlung von Fieber bei Kleinkindern
Allgemeine Massnahmen
Bei leichtem bis mässigem Fieber sind folgende Massnahmen hilfreich:
- Viel trinken: Für ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen (Wasser, Tee, Saftschorle), um Austrocknung zu vermeiden.
- Ruhe: Das Kind sollte sich ausruhen können, aber nicht zum Schlafen gezwungen werden.
- Leichte Kleidung: Nicht zu warm anziehen, damit Warmee abgegeben werden kann.
- Wadenwickel: Lauwarme (nicht kalte) Wadenwickel können helfen, die Temperatur leicht zu senken, sollten aber nur bei warmem Kind (nicht bei Kälte oder Schüttelfrost) angewendet werden.
Fiebersenkende Medikamente
Bei starkem Unwohlsein oder sehr hohem Fieber können fiebersenkende Medikamente eingesetzt werden. Für Kleinkinder geeignete Wirkstoffe sind:
- Paracetamol: Geeignet für Kinder ab der Geburt, als Suppositorium (Zäpfchen) oder Saft. Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht des Kindes.
- Ibuprofen: Geeignet für Kinder ab 3 Monaten und einem Gewicht von mindestens 5 kg, ebenfalls als Saft oder Zäpfchen erhältlich.
Wichtig: Aspirin (Acetylsalicylsäure) darf Kindern unter 12 Jahren nicht gegeben werden, da es das Risiko des gefährlichen Reye-Syndroms erhöht. Dosierungen immer nach Packungsbeilage und nach Gewicht des Kindes berechnen.
Fieberkrampf bei Kleinkindern
Ein Fieberkrampf ist eine der häufigsten neurologischen Komplikationen bei Kindern zwischen 6 Monaten und 5 Jahren und tritt meist bei schnell ansteigendem Fieber auf. Der Krampf dauert meist weniger als 5 Minuten. Eltern sollten das Kind sicher auf den Boden legen, es nicht festhalten und sicherstellen, dass es nicht verletzt wird. Nach dem Krampf muss ein Arzt aufgesucht werden, auch wenn das Kind danach scheinbar wohlauf ist. Die meisten Fieberkrämpfe sind harmlos und hinterlassen keine Schäden.
Prävention
Da Fieber bei Kleinkindern meist durch Infektionen verursacht wird, können folgende Massnahmen das Infektionsrisiko verringern:
- Händehygiene: regelmässiges und gründliches Händewaschen
- Einhaltung des empfohlenen Impfplans (z.B. gegen Masern, Grippe, Pneumokokken)
- Gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf zur Stärkung des Immunsystems
- Vermeidung von engem Kontakt mit erkrankten Personen
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Pädiatrie und Jugendmedizin (DGKJ): Leitlinie Fieber bei Kindern, 2023.
- World Health Organization (WHO): Pocket Book of Hospital Care for Children, 2. Auflage, Genf 2013.
- Kinderheilkunde - Grundlagen und Praxis, Hrsg. Koletzko B., Springer Medizin Verlag, 2022.