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Fieber bei Säuglingen

Was ist Fieber bei Säuglingen?

Fieber bezeichnet eine erhöhte Körpertemperatur, die beim Körper als Abwehrreaktion auf Krankheitserreger oder andere Reize auftritt. Bei Säuglingen (Kinder im ersten Lebensjahr) gilt eine rektal gemessene Temperatur ab 38,0 °C als Fieber. Temperaturen zwischen 37,5 °C und 38,0 °C werden als erhöhte Temperatur bezeichnet. Da das Immunsystem von Babys noch nicht vollständig ausgereift ist, kann Fieber in diesem Alter rasch ernst werden und bedärf besonderer Aufmerksamkeit.

Ursachen von Fieber bei Säuglingen

Die häufigsten Ursachen für Fieber im Säuglingsalter sind Infektionen. Weitere Auslöser können jedoch ebenfalls eine Rolle spielen:

  • Virale Infektionen: z. B. Erkältung, Grippe (Influenza), RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus)
  • Bakterielle Infektionen: z. B. Harnwegsinfektion, Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, in seltenen Fällen Meningitis
  • Impfreaktionen: Leichtes Fieber nach Schutzimpfungen ist normal und klingt in der Regel nach 1-2 Tagen ab
  • Überhitzung: Zu warme Kleidung oder heiße Umgebungstemperaturen können die Körpertemperatur erhöhen
  • Zahnen: Kann leicht erhöhte Temperaturen verursachen, gilt jedoch nicht als echte Fieberursache

Symptome und Begleitzeichen

Neben der erhöhten Temperatur zeigen Säuglinge mit Fieber häufig weitere Zeichen, die auf ihren Zustand hinweisen:

  • Unruhe, Weinen oder im Gegenteil ungewohnte Teilnahmslosigkeit
  • Schlechtes Trinken oder Appetitlosigkeit
  • Geringe Urinmenge (wenige nasse Windeln)
  • Gerötetes, heißes oder blasses Gesicht
  • Erbrechen oder Durchfall
  • Schwäche und Schlafbedürfnis

Alarmzeichen – sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme

  • Fieber bei Säuglingen unter 3 Monaten ab 38,0 °C (immer Notfall)
  • Fieber über 39,0 °C bei Säuglingen zwischen 3 und 6 Monaten
  • Fieber, das länger als 48 Stunden anhält
  • Krampfanfälle (Fieberkrämpfe)
  • Hautausschlag mit roten Punkten oder Flecken (mögliches Zeichen einer Sepsis)
  • Steifer Nacken, Lichtempfindlichkeit (Hinweis auf Meningitis)
  • Starke Atemnot oder blaue Lippen
  • Bewusstlosigkeit oder extremes Unwohlsein

Diagnose

Die zuverlässigste Methode zur Temperaturmessung bei Säuglingen ist die rektale Messung mit einem digitalen Thermometer. Sie liefert die genauesten Werte. Alternative Methoden wie Ohr- oder Stirnthermometer sind weniger präzise, können aber als erste Orientierung dienen.

Beim Arztbesuch wird die Ursache des Fiebers durch eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls weiterführende Tests ermittelt, darunter:

  • Blutbild und Blutuntersuchungen (Entzündungsparameter wie CRP)
  • Urinuntersuchung (zum Ausschluss einer Harnwegsinfektion)
  • Abstriche (z. B. aus Rachen oder Nase)
  • In ausgewählten Fällen Lumbalpunktion (Rückenmarkspunktion) zum Ausschluss einer Meningitis

Behandlung und Pflege bei Fieber

Allgemeine Maßnahmen

  • Ausreichend Flüssigkeit: Häufiges Anlegen (Stillen) oder Anbieten von Flaschenmilch bzw. Wasser ab dem 6. Monat ist entscheidend, um einer Austrocknung vorzubeugen.
  • Angepasste Kleidung: Leichte, atmungsaktive Kleidung verwenden; keine Überdeckung mit Decken.
  • Kühle Umgebung: Das Zimmer auf angenehme Temperaturen (ca. 18–20 °C) temperieren.
  • Ruhe: Den Säugling schonen und ausreichend schlafen lassen.

Medikamentöse Behandlung

Fiebersenkende Medikamente können eingesetzt werden, wenn das Kind sichtlich leidet oder die Temperatur stark erhöht ist. Für Säuglinge sind folgende Wirkstoffe zugelassen:

  • Paracetamol (z. B. als Zäpfchen): geeignet ab der Geburt, dosiert nach Körpergewicht
  • Ibuprofen: geeignet ab einem Alter von 3 Monaten und einem Körpergewicht von mindestens 5 kg, ebenfalls nach Gewicht dosiert

Wichtig: Acetylsalicylsäure (Aspirin) darf bei Säuglingen und Kindern unter 12 Jahren nicht eingesetzt werden, da es das Risiko des gefährlichen Reye-Syndroms erhöht. Fieber allein muss nicht immer medikamentös gesenkt werden – es ist ein natürlicher Abwehrmechanismus des Körpers. Die Behandlung richtet sich nach dem Wohlbefinden des Kindes.

Behandlung der Grunderkrankung

Liegt eine bakterielle Infektion vor, kann der Arzt eine antibiotische Therapie verordnen. Virale Infektionen werden symptomatisch behandelt; Antibiotika sind hier nicht wirksam.

Wann zum Arzt?

Eltern sollten bei folgenden Situationen unverzüglich medizinische Hilfe suchen:

  • Jedes Fieber bei einem Neugeborenen oder Säugling unter 3 Monaten
  • Fieber über 38,0 °C, das nicht auf Fiebermittel anspricht
  • Fieber, das nach kurzer Besserung wieder ansteigt
  • Jedes der oben genannten Alarmzeichen

Im Zweifelsfall gilt: Lieber einmal zu viel zum Arzt als einmal zu wenig. Säuglinge können sich sehr schnell verschlechtern.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): Pocket Book of Hospital Care for Children – Guidelines for the Management of Common Childhood Illnesses. 2. Auflage, 2013. Verfügbar unter: https://www.who.int
  2. Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI): S2k-Leitlinie – Fieber im Kindesalter. AWMF-Registernummer 048-001. 2023.
  3. National Institute for Health and Care Excellence (NICE): Fever in under 5s: assessment and initial management. NICE Guideline NG143. 2021. Verfügbar unter: https://www.nice.org.uk
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