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Folsäure vor Schwangerschaft

Was ist Folsäure und warum ist sie vor der Schwangerschaft so wichtig?

Folsäure (auch: Folat oder Vitamin B9) ist ein wasserlösliches B-Vitamin, das eine zentrale Rolle bei der Zellteilung und der Bildung genetischen Materials (DNA) spielt. Gerade in den ersten Wochen einer Schwangerschaft – oft noch bevor die Schwangerschaft überhaupt bekannt ist – ist eine ausreichende Versorgung mit Folsäure entscheidend für die fehlerfreie Entwicklung des Embryos. Aus diesem Grund empfehlen medizinische Fachgesellschaften weltweit, bereits mindestens vier Wochen vor der geplanten Empfängnis mit der Einnahme von Folsäure zu beginnen.

Warum ist Folsäure vor der Schwangerschaft so wichtig?

In den ersten vier Wochen nach der Befruchtung bildet sich das sogenannte Neuralrohr des Embryos – die Grundstruktur von Gehirn und Rückenmark. Ist in dieser kritischen Phase nicht genügend Folsäure vorhanden, kann sich das Neuralrohr nicht vollständig schließen. Die Folge sind Neuralrohrdefekte wie:

  • Spina bifida (offener Rücken): Das Rückenmark ist nicht vollständig von Wirbeln und Haut geschützt.
  • Anenzephalie: Teile des Gehirns oder des Schädels fehlen, was in der Regel nicht mit dem Leben vereinbar ist.

Studien zeigen, dass eine ausreichende Folsäureversorgung das Risiko von Neuralrohrdefekten um bis zu 70 Prozent senken kann. Da das Neuralrohr sich bereits schließt, bevor viele Frauen wissen, dass sie schwanger sind, ist eine vorausschauende Supplementierung essenziell.

Empfohlene Dosierung

Die offiziellen Empfehlungen für Frauen mit Kinderwunsch sind klar:

  • 400 Mikrogramm (mcg) Folsäure pro Tag als Nahrungsergänzungsmittel – mindestens 4 Wochen vor der Empfängnis bis zum Ende des ersten Schwangerschaftstrimesters (12. Schwangerschaftswoche).
  • Frauen mit erhöhtem Risiko (z. B. nach einer vorangegangenen Schwangerschaft mit Neuralrohrdefekt, bei Einnahme von Antiepileptika oder bei Diabetes mellitus) benötigen eine höhere Dosis von 4 bis 5 Milligramm pro Tag – nur nach ärztlicher Rücksprache.

Diese Empfehlungen stammen unter anderem von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie der European Food Safety Authority (EFSA).

Folsäure aus der Nahrung

Natürliches Folat findet sich in vielen Lebensmitteln, ist jedoch hitze- und lichtempfindlich und geht beim Kochen leicht verloren. Folat-reiche Lebensmittel sind:

  • Grünes Blattgemüse (Spinat, Feldsalat, Brokkoli)
  • Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen, Bohnen)
  • Vollkornprodukte
  • Leber (in der Schwangerschaft jedoch nur in kleinen Mengen empfohlen wegen des hohen Vitamin-A-Gehalts)
  • Eier und Milchprodukte

Allein über die Nahrung ist es für die meisten Frauen schwierig, den erhöhten Bedarf in der Schwangerschaftsplanung zu decken. Deshalb ist eine zusätzliche Supplementierung unbedingt empfohlen.

Synthetische Folsäure vs. natürliches Folat

Es gibt einen Unterschied zwischen natürlichem Folat (aus Lebensmitteln) und synthetischer Folsäure (in Tabletten und angereicherten Lebensmitteln). Synthetische Folsäure wird vom Körper etwas besser aufgenommen als natürliches Folat. Eine neuere Form ist Methylfolat (5-MTHF), die direkt verwertbar ist und besonders für Frauen mit einer bestimmten genetischen Variante im MTHFR-Gen (verminderte Folsäureverwertung) vorteilhaft sein kann. Die Wahl des geeigneten Präparats kann mit einem Arzt oder einer Ärztin besprochen werden.

Mögliche Wechselwirkungen und Sicherheitshinweise

  • Bestimmte Medikamente wie Antiepileptika, Methotrexat oder Metformin können den Folsäurespiegel senken.
  • Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder Zöliakie kann die Aufnahme von Folat beeinträchtigt sein.
  • Eine Überdosierung mit herkömmlichen Folsäurepräparaten gilt bei den empfohlenen Mengen als sicher. Sehr hohe Dosen (ab 1 mg täglich) sollten nur nach ärztlicher Absprache eingenommen werden, da sie möglicherweise einen Vitamin-B12-Mangel verschleiern können.

Wann mit der Einnahme beginnen?

Idealerweise sollte die Folsäureeinnahme mindestens vier Wochen, besser aber drei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft begonnen werden. So können im Körper ausreichende Reserven aufgebaut werden. Da viele Schwangerschaften ungeplant eintreten, empfehlen einige Experten, dass alle Frauen im gebärfähigen Alter vorsorglich Folsäure einnehmen sollten.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): Guideline: Optimal serum and red blood cell folate concentrations in women of reproductive age for prevention of neural tube defects. WHO, Genf, 2015.
  2. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Empfehlungen zur Folsäuresupplementierung in der Schwangerschaft. DGGG, 2020.
  3. Blencowe H. et al.: Folic acid to reduce neonatal mortality from neural tube disorders. International Journal of Epidemiology, 2010; 39 (Suppl 1): i110–i121.
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