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Galacto-Oligosaccharide (GOS) sind kurzkettige Kohlenhydrate, die aus Galactose-Einheiten aufgebaut sind und natürlicherweise in geringen Mengen in Kuhmilch sowie in größeren Mengen in Muttermilch vorkommen. Chemisch gesehen bestehen sie aus zwei bis acht miteinander verknüpften Galactose-Molekülen, an die häufig eine Glucose-Einheit gebunden ist. Da sie vom menschlichen Dünndarm nicht verdaut werden können, zählen sie zu den Ballaststoffen und gelten als klassische Präbiotika.
GOS erreichen den Dickdarm unverändert, wo sie von nützlichen Darmbakterien – insbesondere von Bifidobakterien und Laktobazillen – fermentiert werden. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren (SCFA) wie Butyrat, Propionat und Acetat, die folgende Wirkungen entfalten:
Durch die selektive Förderung nützlicher Bakterien tragen GOS zu einer gesunden Darmflora (Mikrobiom) bei und helfen, das mikrobielle Gleichgewicht langfristig aufrechtzuerhalten.
GOS sind ein wichtiger Bestandteil der Muttermilch und gelten als einer der Gründe für das gesunde Mikrobiom gestillter Säuglinge. In Babymilchnahrung werden GOS – häufig in Kombination mit langkettigen Fructo-Oligosacchariden (lcFOS) – eingesetzt, um die präbiotische Wirkung der Muttermilch nachzuahmen. Studien zeigen, dass diese Mischung die Stuhlkonsistenz verbessert und das Immunsystem der Säuglinge unterstützt.
Bei Erwachsenen können GOS die Symptome des Reizdarmsyndroms (IBS) lindern, die Darmpassage normalisieren und Verstopfung reduzieren. Klinische Studien belegen eine signifikante Zunahme nützlicher Bifidobakterien nach regelmäßigem GOS-Konsum.
GOS modulieren das angeborene und das adaptive Immunsystem. Studien zeigen, dass GOS die Anzahl bestimmter Immunzellen (z. B. regulatorische T-Zellen) erhöhen und allergische Reaktionen abschwächen können. Dies ist besonders relevant für die Prävention von Nahrungsmittelallergien und atopischen Erkrankungen.
GOS verbessern nachweislich die Resorption von Calcium und Magnesium im Darm. Dies ist vor allem für Risikogruppen wie ältere Menschen und Frauen nach der Menopause von Bedeutung, da eine optimierte Mineralstoffaufnahme zur Vorbeugung von Osteoporose beitragen kann.
GOS kommen natürlicherweise in Muttermilch (ca. 0,3 g/100 ml) und Kuhmilch (sehr geringe Mengen) vor. Industriell werden GOS durch enzymatische Umwandlung von Lactose mithilfe des Enzyms Beta-Galactosidase hergestellt. Sie werden eingesetzt in:
In klinischen Studien werden häufig Tagesdosen von 3 bis 10 g GOS verwendet. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet GOS als sicher für den Einsatz in Lebensmitteln.
GOS gelten allgemein als sehr gut verträglich. Bei empfindlichen Personen oder bei hoher Dosierung können jedoch folgende Nebenwirkungen auftreten:
Diese Symptome sind in der Regel vorübergehend und klingen nach einer Gewöhnungsphase ab. Personen mit Laktoseintoleranz vertragen GOS meistens gut, da bei der Herstellung der Großteil der Laktose abgebaut wird. Personen mit FODMAP-Unverträglichkeit oder Reizdarmsyndrom sollten jedoch mit niedrigen Dosen beginnen, da GOS zur FODMAP-Gruppe gehören.
Die präbiotischen Eigenschaften von GOS sind gut belegt. Mehrere randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) bestätigen die fördernde Wirkung auf Bifidobakterien und die positive Wirkung auf das Immunsystem. Die Forschung zu GOS bei spezifischen Erkrankungen wie entzündlichen Darmerkrankungen, Typ-2-Diabetes und metabolischem Syndrom ist vielversprechend, jedoch noch nicht abschließend.