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Die Gelbsucht bei Neugeborenen, medizinisch als Neugeborenenikterus oder Ikterus neonatorum bezeichnet, ist eine der häufigsten Erkrankungen in den ersten Lebenstagen. Sie äußert sich durch eine gelbliche Verfärbung der Haut, der Augen und teils auch der Schleimhäute. Ursache ist ein erhöhter Spiegel von Bilirubin im Blut – einem gelben Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Schätzungsweise 60 % aller Termingeborenen und bis zu 80 % aller Frühgeborenen entwickeln in den ersten Lebenstagen eine sichtbare Gelbfärbung.
Nach der Geburt baut der Körper des Neugeborenen fetales Hämoglobin ab, wobei große Mengen Bilirubin entstehen. Da die Leber des Neugeborenen noch nicht vollständig ausgereift ist, kann sie dieses Bilirubin zunächst nicht schnell genug verarbeiten und ausscheiden. Man unterscheidet zwischen:
Die typischen Zeichen der Gelbsucht beim Neugeborenen umfassen:
Bei sehr hohen Bilirubinwerten kann unbehandelter Ikterus zu einer Bilirubin-Enzephalopathie (Kernikterus) führen – einer seltenen, aber schwerwiegenden Schädigung des Gehirns. Zeichen hiervon sind extreme Schlappheit, Rückwärtsbeugung des Kopfes (Opisthotonus) oder Krampfanfälle.
Die Diagnose erfolgt in erster Linie klinisch durch die Beobachtung der Hautfarbe. Zur genauen Bestimmung des Bilirubinspiegels stehen folgende Methoden zur Verfügung:
Zusätzlich werden Leberwerte, Blutbild und ggf. weitere Laborparameter bestimmt, wenn ein pathologischer Ikterus vermutet wird.
Die wichtigste und häufigste Behandlung ist die Phototherapie. Dabei wird das Neugeborene unter speziellen blauen Lichtlampen (Wellenlänge ca. 460–490 nm) platziert. Das Licht verwandelt das Bilirubin in der Haut in eine wassereinstliche Form, die über Urin und Stuhl ausgeschieden werden kann. Während der Phototherapie werden die Augen des Babys mit einer Schutzbrille geschützt.
Häufiges Stillen oder Zufüttern unterstützt die Ausscheidung von Bilirubin über den Darm. Muttermilch oder adaptierten Säuglingsmilchnahrung sollte regelmäßig angeboten werden.
Bei sehr hohen Bilirubinwerten, die nicht auf die Phototherapie ansprechen, kann in seltenen Fällen eine Austauschtransfusion erforderlich sein. Dabei wird das Blut des Neugeborenen schrittweise durch Spenderblut ersetzt, um den Bilirubinspiegel schnell zu senken.
Bei pathologischem Ikterus wird zusätzlich die zugrundeliegende Ursache behandelt, z. B. Antibiotika bei Infektionen oder spezifische Therapien bei Stoffwechselerkrankungen.
Eine vollständige Vorbeugung ist nicht möglich, aber regelmäßige Kontrollen des Bilirubinspiegels in den ersten Lebenstagen sind entscheidend, um rechtzeitig einzugreifen. Eltern sollten auf Zeichen einer Gelbfärbung achten und bei Bedenken umgehend ärztlichen Rat einholen. Die U2-Vorsorgeuntersuchung (3.–10. Lebenstag) beinhaltet routinemäßig die Beurteilung auf Ikterus.
Eltern sollten unverzüglich einen Arzt aufsuchen, wenn: