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Hb Wert Schwangerschaft

Was ist der Hb-Wert in der Schwangerschaft?

Der Hb-Wert (Hämoglobinwert) misst die Konzentration des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin im Blut. Hämoglobin ist ein Protein in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten), das für den Sauerstofftransport im Körper zuständig ist. Während der Schwangerschaft verändert sich das Blutbild der werdenden Mutter erheblich, weshalb die regelmäßige Kontrolle des Hb-Werts ein fester Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen ist.

Normwerte des Hb-Werts in der Schwangerschaft

Außerhalb der Schwangerschaft liegt der normale Hb-Wert bei Frauen zwischen 12,0 und 16,0 g/dl. In der Schwangerschaft sinkt dieser Wert durch die sogenannte physiologische Hämodilution (Blutverwässerung), bei der das Blutvolumen zunimmt, ohne dass die Anzahl der roten Blutkörperchen proportional mitwächst. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert eine Anämie in der Schwangerschaft ab einem Hb-Wert unter 11,0 g/dl.

  • 1. Trimester (Wochen 1–12): Normwert ≥ 11,0 g/dl
  • 2. Trimester (Wochen 13–28): Normwert ≥ 10,5 g/dl
  • 3. Trimester (Wochen 29–40): Normwert ≥ 11,0 g/dl

Ein leichter Abfall des Hb-Werts ist in der Schwangerschaft also normal und medizinisch nicht besorgniserregend, solange er die genannten Grenzwerte nicht unterschreitet.

Ursachen eines erniedrigten Hb-Werts in der Schwangerschaft

Der häufigste Grund für einen niedrigen Hb-Wert in der Schwangerschaft ist ein Eisenmangel. Der Bedarf an Eisen steigt in der Schwangerschaft stark an, da der wachsende Fötus und die Plazenta ebenfalls Eisen benötigen. Weitere Ursachen können sein:

  • Folatmangel (Mangel an Folat/Foltersäure)
  • Vitamin-B12-Mangel
  • Chronische Erkrankungen (z. B. Nierenerkrankungen, Infektionskrankheiten)
  • Mehrlingsschwangerschaft (erhöhter Bedarf)
  • Kurzfristige Schwangerschaften (geringes Zeitfenster für die Erholung des Körpers)
  • Erbliche Bluterkrankungen (z. B. Sichelzellanämie, Thalassanämie)

Symptome eines niedrigen Hb-Werts

Ein zu niedriger Hb-Wert kann verschiedene Beschwerden verursachen, die den Alltag der Schwangeren erheblich beeinträchtigen können:

  • Ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung
  • Blässe der Haut und Schleimhäute
  • Schwindel und Kopfschmerzen
  • Kurzatmigkeit und Herzrasen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Kalte Hände und Füße

Schwere Anämien können das Risiko für Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht des Kindes und Komplikationen während der Geburt erhöhen.

Diagnose

Der Hb-Wert wird über eine einfache Blutuntersuchung bestimmt. Im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge wird das große Blutbild routinemäßig zu Beginn der Schwangerschaft und erneut um die 24. bis 28. Schwangerschaftswoche kontrolliert. Zusätzlich können Ferritin (Eisenspeicherwert), Serumeisen, Transferrinsättigung sowie Vitamin B12 und Folatsäure bestimmt werden, um die genaue Ursache einer Anämie festzustellen.

Behandlung und Prävention

Ernährungsanpassung

Bei einem leichten Eisenmangel kann die gezielte Aufnahme eisenreicher Lebensmittel helfen. Empfehlenswerte Nahrungsquellen sind:

  • Rotes Fleisch (z. B. Rind, Lamm)
  • Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kichererbsen)
  • Blattgemüse (Spinat, Grünkohl)
  • Vollkornprodukte und Haferflocken
  • Nüsse und Samen

Die gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C (z. B. aus Orangensaft) verbessert die Eisenaufnahme im Darm erheblich. Kaffee, Tee und Calciumreiche Lebensmittel hingegen können die Eisenresorption hemmen und sollten nicht zeitgleich konsumiert werden.

Eisensupplementierung

Bei einem diagnostizierten Eisenmangel empfiehlt die Gynäkologin oder der Gynäkologe häufig die Einnahme von Eisenpräparaten. Die empfohlene Tagesdosis variiert je nach Schweregrad der Anämie. Bei schwerer oder therapieresistenter Anämie kann eine intravenöse Eisentherapie notwendig werden.

Folat- und Vitamin-B12-Substitution

Liegt ein Folat- oder Vitamin-B12-Mangel vor, werden entsprechende Ergänzungsmittel verordnet. Folsäure wird generell bereits vor und in der frühen Schwangerschaft empfohlen, um Neuralrohrdefekte beim Kind zu vermeiden.

Medizinische Nachsorge

Bei stark erhöhten oder stark erniedrigten Hb-Werten ist eine engmaschige ärztliche Überwachung wichtig. In seltenen Fällen kann eine Bluttransfusion nötig sein, beispielsweise bei schweren Blutungen unter der Geburt.

Erhöhter Hb-Wert in der Schwangerschaft

Ein zu hoher Hb-Wert (über 13,0 g/dl im 2. Trimester) kann ebenfalls ein Warnsignal sein und ist mit einem erhöhten Risiko für Präeklampsie, Wachstumsretardierung des Kindes und Frühgeburt assoziiert. Die physiologische Hämodilution findet in diesen Fällen möglicherweise nicht ausreichend statt. Eine ärztliche Abklärung ist hier ebenso wichtig.

Wann sollte ärztlicher Rat gesucht werden?

Schwangere sollten umgehend ärztlichen Rat aufsuchen, wenn sie folgende Symptome bemerken:

  • Starke, anhaltende Erschöpfung trotz ausreichend Schlaf
  • Herzrasen oder Atemnot in Ruhe
  • Ausgeprägte Blässe
  • Ohnmacht oder starker Schwindel

Die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt oder der Frauärztin gewährleisten, dass Veränderungen des Hb-Werts frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): Haemoglobin concentrations for the diagnosis of anaemia and assessment of severity. Vitamin and Mineral Nutrition Information System. Geneva, 2011. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/WHO-NMH-NHD-MNM-11.1
  2. Breymann C. et al.: Diagnosis and treatment of iron-deficiency anaemia in pregnancy and postpartum. Archives of Gynecology and Obstetrics, 2017; 296(6): 1229–1234.
  3. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Mutterschafts-Richtlinien – Richtlinien über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung. 2023. Verfügbar unter: https://www.g-ba.de
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