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Der Hb-Wert (Hämoglobinwert) misst die Konzentration des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin im Blut. Hämoglobin ist ein Protein in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten), das für den Sauerstofftransport im Körper zuständig ist. Während der Schwangerschaft verändert sich das Blutbild der werdenden Mutter erheblich, weshalb die regelmäßige Kontrolle des Hb-Werts ein fester Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen ist.
Außerhalb der Schwangerschaft liegt der normale Hb-Wert bei Frauen zwischen 12,0 und 16,0 g/dl. In der Schwangerschaft sinkt dieser Wert durch die sogenannte physiologische Hämodilution (Blutverwässerung), bei der das Blutvolumen zunimmt, ohne dass die Anzahl der roten Blutkörperchen proportional mitwächst. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert eine Anämie in der Schwangerschaft ab einem Hb-Wert unter 11,0 g/dl.
Ein leichter Abfall des Hb-Werts ist in der Schwangerschaft also normal und medizinisch nicht besorgniserregend, solange er die genannten Grenzwerte nicht unterschreitet.
Der häufigste Grund für einen niedrigen Hb-Wert in der Schwangerschaft ist ein Eisenmangel. Der Bedarf an Eisen steigt in der Schwangerschaft stark an, da der wachsende Fötus und die Plazenta ebenfalls Eisen benötigen. Weitere Ursachen können sein:
Ein zu niedriger Hb-Wert kann verschiedene Beschwerden verursachen, die den Alltag der Schwangeren erheblich beeinträchtigen können:
Schwere Anämien können das Risiko für Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht des Kindes und Komplikationen während der Geburt erhöhen.
Der Hb-Wert wird über eine einfache Blutuntersuchung bestimmt. Im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge wird das große Blutbild routinemäßig zu Beginn der Schwangerschaft und erneut um die 24. bis 28. Schwangerschaftswoche kontrolliert. Zusätzlich können Ferritin (Eisenspeicherwert), Serumeisen, Transferrinsättigung sowie Vitamin B12 und Folatsäure bestimmt werden, um die genaue Ursache einer Anämie festzustellen.
Bei einem leichten Eisenmangel kann die gezielte Aufnahme eisenreicher Lebensmittel helfen. Empfehlenswerte Nahrungsquellen sind:
Die gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C (z. B. aus Orangensaft) verbessert die Eisenaufnahme im Darm erheblich. Kaffee, Tee und Calciumreiche Lebensmittel hingegen können die Eisenresorption hemmen und sollten nicht zeitgleich konsumiert werden.
Bei einem diagnostizierten Eisenmangel empfiehlt die Gynäkologin oder der Gynäkologe häufig die Einnahme von Eisenpräparaten. Die empfohlene Tagesdosis variiert je nach Schweregrad der Anämie. Bei schwerer oder therapieresistenter Anämie kann eine intravenöse Eisentherapie notwendig werden.
Liegt ein Folat- oder Vitamin-B12-Mangel vor, werden entsprechende Ergänzungsmittel verordnet. Folsäure wird generell bereits vor und in der frühen Schwangerschaft empfohlen, um Neuralrohrdefekte beim Kind zu vermeiden.
Bei stark erhöhten oder stark erniedrigten Hb-Werten ist eine engmaschige ärztliche Überwachung wichtig. In seltenen Fällen kann eine Bluttransfusion nötig sein, beispielsweise bei schweren Blutungen unter der Geburt.
Ein zu hoher Hb-Wert (über 13,0 g/dl im 2. Trimester) kann ebenfalls ein Warnsignal sein und ist mit einem erhöhten Risiko für Präeklampsie, Wachstumsretardierung des Kindes und Frühgeburt assoziiert. Die physiologische Hämodilution findet in diesen Fällen möglicherweise nicht ausreichend statt. Eine ärztliche Abklärung ist hier ebenso wichtig.
Schwangere sollten umgehend ärztlichen Rat aufsuchen, wenn sie folgende Symptome bemerken:
Die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt oder der Frauärztin gewährleisten, dass Veränderungen des Hb-Werts frühzeitig erkannt und behandelt werden.