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Herpes bei Babys

Was ist Herpes bei Babys?

Herpes bei Babys, medizinisch als neonataler Herpes oder Herpes neonatorum bezeichnet, ist eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus (HSV) bei Neugeborenen. Es handelt sich um eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, die unbehandelt schwerwiegende Schäden an inneren Organen, dem Gehirn oder dem Nervensystem verursachen kann. Unterschieden wird zwischen HSV Typ 1 (HSV-1) und HSV Typ 2 (HSV-2), wobei beide Typen neonatale Infektionen auslösen können.

Ursachen und Übertragungswege

Neugeborene können sich auf verschiedene Wegen mit dem Herpes-simplex-Virus infizieren:

  • Perinatale Übertragung (häufigste Form): Die Infektion erfolgt während der Geburt beim Durchtritt durch den Geburtskanal, wenn die Mutter an einem aktiven Genitalherpes leidet. Dies ist für etwa 85 % der Fälle verantwortlich.
  • Postnatale Übertragung: Nach der Geburt kann das Virus durch direkten Kontakt mit infizierten Personen übertragen werden, beispielsweise durch Küssen oder Berühren eines Babys mit aktiven Herpesbläschen im Mundbereich.
  • Intrauterine Übertragung (seltenste Form): In sehr seltenen Fällen kann das Virus bereits während der Schwangerschaft über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden, was schwere Folgen für den Fötus haben kann.

Symptome

Die Symptome eines neonatalen Herpes können je nach betroffenen Körperstellen variieren. Medizinisch werden drei Verlaufsformen unterschieden:

1. Lokalinfektionen (Haut, Augen, Mund)

  • Bläschenartiger Hautausschlag
  • Rötungen und Schwellungen an Haut, Augen oder im Mundbereich
  • Augen­entzündung (Konjunktivitis) oder Hornhautentzündung

2. ZNS-Beteiligung (Zentrales Nervensystem)

  • Krampfanfälle
  • Lethargie und ungewohnte Schlafrigheit
  • Gerüstheit oder Schreiattacken
  • Vorwölbung der Fontanelle (der weichen Stelle am Schädel)
  • Fieber oder Untertemperatur

3. Disseminierte (generalisierte) Infektion

  • Befall mehrerer innerer Organe, insbesondere Leber, Lunge und Gehirn
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Atemprobleme
  • Schlechtes Trinken und Gewichtsverlust
  • Schockartiger Zustand

Die Symptome treten meist innerhalb der ersten zwei bis drei Lebenswochen auf. Da die Anzeichen zunächst unspezifisch wirken können, ist eine schnelle medizinische Abklärung bei Verdacht unbedingt erforderlich.

Diagnose

Die Diagnose des neonatalen Herpes erfordert eine sorgfältige medizinische Untersuchung und verschiedene diagnostische Verfahren:

  • Virologische Abstriche: Abstriche von Haut, Mund, Augen oder Genitale des Neugeborenen werden auf das Herpes-simplex-Virus untersucht.
  • PCR-Test (Polymerase-Kettenreaktion): Blut- und Lumbalpunktionsproben (Liquor) werden mittels PCR auf Erbgut des Virus untersucht. Diese Methode gilt als Goldstandard der Diagnostik.
  • Blutuntersuchungen: Entzündungsmarker, Leber- und Nierenwerte werden kontrolliert.
  • Bildgebung: Ein MRT (Magnetresonanztomographie) oder Ultraschall des Schädels kann bei Verdacht auf Gehirnbeteiligung durchgeführt werden.
  • Augenuntersuchung: Prüfung auf Hornhaut- oder Netzhautveränderungen durch einen Augenarzt.

Behandlung

Neonataler Herpes ist ein medizinischer Notfall und muss sofort statinär behandelt werden. Die Therapie umfasst:

  • Antivirale Therapie mit Aciclovir: Das Medikament Aciclovir wird intravenous (direkt in die Vene) verabreicht. Es hemmt die Vermehrung des Herpes-simplex-Virus. Die Behandlungsdauer beträgt je nach Verlaufsform 14 bis 21 Tage.
  • Intensivmedizinische Überwachung: Bei schwerem Verlauf wird das Baby auf der Neugeborenen-Intensivstation (NICU) betreut.
  • Unterstützende Maßnahmen: Atemunterstützung, Flüssigkeitszufuhr und Behandlung von Komplikationen wie Krampfanfällen.
  • Nachbehandlung mit oralen Antiviralia: Nach der intravenous Akuttherapie kann eine länger andauernde orale Suppressionstherapie mit Aciclovir erfolgen, um Rückfälle zu verhindern.

Prävention und Schutz

Verschiedene Maßnahmen können das Risiko einer neonatalen Herpesinfektion reduzieren:

  • Frauen mit bekanntem Genitalherpes sollten ihren Arzt oder ihre Ärztin informieren, damit gegebenenfalls ein Kaiserschnitt (Sectio caesarea) geplant werden kann.
  • Bei aktiven Herpesläsionen kurz vor der Geburt kann die Mutter in den letzten Schwangerschaftswochen mit antiviralen Medikamenten behandelt werden.
  • Personen mit aktivem Lippenherpes (Herpes labialis) sollten Babys nicht küssen und engen Hautkontakt vermeiden.
  • Händehygiene und konsequentes Händewaschen sind essenziell im Umgang mit Neugeborenen.

Prognose

Die Prognose hängt stark vom Verlauf der Infektion und dem Zeitpunkt des Behandlungsbeginns ab. Lokale Infektionen der Haut, Augen und des Mundes haben bei rechtzeitiger Therapie eine gute Prognose. Infektionen mit Beteiligung des Zentralnervensystems oder disseminierte Verläufe können trotz Behandlung zu bleibenden Schäden wie Entwicklungsverzögerungen, Seh- oder Hörschäden führen. Unbehandelt kann neonataler Herpes lebensbedrohlich sein.

Quellen

  1. Kimberlin DW et al. - Neonatal Herpes Simplex Virus Infections. Clinical Infectious Diseases, 2004. Verfügbar auf PubMed.
  2. World Health Organization (WHO) - Herpes simplex virus fact sheet. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/herpes-simplex-virus
  3. Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) - Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, 7. Auflage, Thieme Verlag.
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