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Louwen Diät

Was ist die Louwen Diät?

Die Louwen Diät ist ein Ernährungskonzept, das von dem deutschen Gynäkologen und Geburtsmediziner Prof. Dr. Frank Louwen von der Goethe-Universität Frankfurt entwickelt wurde. Das Konzept basiert auf der Annahme, dass bestimmte Lebensmittel den Geburtsprozess beeinflussen können – insbesondere die Wehentätigkeit und die Weichheit des Muttermunds. Die Diät wird in der Regel ab der 36. bis 37. Schwangerschaftswoche empfohlen und soll die Geburt vorbereiten sowie verkürzen.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die theoretische Grundlage der Louwen Diät liegt im Arachidonsäure-Stoffwechsel. Arachidonsäure ist eine mehrfach ungesättigte Fettsäure, die im Körper zu sogenannten Prostaglandinen umgewandelt wird. Prostaglandine spielen eine wichtige Rolle bei der Einleitung und Aufrechterhaltung von Wehen sowie bei der Reifung des Muttermunds. Prof. Louwen und sein Team untersuchten, ob eine Ernährung, die arm an Arachidonsäure ist, den Gehalt dieser Substanz im Körper senken und damit den Geburtsverlauf positiv beeinflussen kann. Erste klinische Untersuchungen lieferten vielversprechende Hinweise, jedoch ist die wissenschaftliche Evidenz noch begrenzt und weitere große Studien sind notwendig.

Grundprinzipien der Louwen Diät

Die Louwen Diät beruht auf zwei zentralen Säulen: dem Meiden von Lebensmitteln mit hohem Arachidonsäuregehalt und dem vermehrten Konsum von Lebensmitteln, die Arachidonsäure hemmen oder alternative Fettsäuren liefern.

Lebensmittel, die gemieden werden sollten

  • Fleisch, insbesondere Schweinefleisch, Wurstwaren und Geflügel (außer bestimmten Sorten)
  • Eigelb und Produkte mit hohem Eigehalt
  • Arachidonsäure-reiche Fette und tierische Fette
  • Schmalz und fettreiche Milchprodukte in großen Mengen

Empfohlene Lebensmittel

  • Fettreiche Seefische wie Lachs, Makrele und Hering (reich an Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA und DHA)
  • Datteln: Studien zeigen, dass der regelmäßige Konsum von Datteln in den letzten Schwangerschaftswochen den Muttermund weicher machen und die Einleitungsrate senken kann
  • Ananas: enthält Bromelain, ein Enzym mit möglicher wehenbegünstigender Wirkung
  • Himbeerblatttee: traditionell zur Gebärmuttervorbereitung eingesetzt
  • Hirse, Haferflocken, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen
  • Gemüse und Obst in großer Vielfalt
  • Pflanzliche Öle wie Leinöl, Rapsoöl und Walnußöl

Datteln als besonderer Bestandteil

Datteln nehmen in der Louwen Diät eine besondere Rolle ein. Mehrere kleinere klinische Studien, darunter eine Untersuchung aus Jordanien (Al-Kuran et al., 2011), zeigten, dass Frauen, die in den letzten vier Wochen der Schwangerschaft täglich ca. 60–70 Gramm Datteln (etwa 6 Datteln) konsumierten, einen höheren Bishop-Score (Reifegrad des Muttermunds) bei der Aufnahme zur Geburt aufwiesen, seltener eine künstliche Geburtseinleitung benötigten und kürzere Latenzphasen der Geburt hatten. Die genauen Wirkmechanismen sind noch nicht vollständig geklärt, werden jedoch mit den in Datteln enthaltenen Oxytocin-ähnlichen Verbindungen sowie dem hohen Gehalt an Ballaststoffen, Mineralstoffen und natürlichem Zucker in Verbindung gebracht.

Anwendung und Empfehlungen

Die Louwen Diät richtet sich speziell an Schwangere im letzten Schwangerschaftsdrittel, typischerweise ab der 36. Schwangerschaftswoche (SSW). Sie stellt keine strenge therapeutische Diät dar, sondern eher eine ernährungsbewusste Anpassung des Speiseplans. Wichtige Hinweise für die Anwendung:

  • Die Diät sollte immer in Absprache mit der betreuenden Hebamme oder dem Frauenarzt bzw. der Frauärztin begonnen werden.
  • Schwangere mit Gestationsdiabetes sollten den hohen Zuckergehalt von Datteln berücksichtigen und Rücksprache mit ihrem Behandlungsteam halten.
  • Die Diät ersetzt keine medizinische Geburtseinleitung bei vorliegenden klinischen Indikationen.
  • Eine ausgewogene Versorgung mit allen nötigen Nährstoffen muss sichergestellt bleiben.

Sicherheit und mögliche Risiken

Generell gilt die Louwen Diät als sicher, da sie hauptsächlich auf einer ausgewogenen, pflanzlich betonten Ernährung mit Fisch basiert. Dennoch sind folgende Aspekte zu beachten:

  • Rohfischkonsum sollte in der Schwangerschaft vermieden werden (Infektionsrisiko durch Listerien und andere Keime).
  • Eine zu starke Einschränkung von tierischen Produkten kann zu einem Mangel an Vitamin B12, Eisen oder Zink führen, wenn nicht gezielt gegengesteuert wird.
  • Himbeerblatttee sollte erst ab der 37. SSW und nur in Absprache mit einer Hebamme getrunken werden.
  • Die wissenschaftliche Evidenz ist noch nicht ausreichend, um generelle klinische Empfehlungen auszusprechen.

Aktuelle Studienlage

Prof. Louwen und sein Team an der Goethe-Universität Frankfurt führten mehrere Beobachtungsstudien und kleinere kontrollierte Studien durch. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Louwen Diät den Geburtsverlauf positiv beeinflussen kann, jedoch fehlen bislang großangelegte, randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), die eine eindeutige klinische Empfehlung rechtfertigen würden. Die Forschung in diesem Bereich ist weiterhin aktiv.

Quellen

  1. Al-Kuran O, Al-Mehaisen L, Bawadi H, Beitawi S, Amarin Z. The effect of late pregnancy consumption of date fruit on labour and delivery. Journal of Obstetrics and Gynaecology. 2011;31(1):29–31.
  2. Louwen F, Ritter A. Geburtsvorbereitung durch Ernährung – Arachidonsäure und der Einfluss auf den Geburtsverlauf. Goethe-Universität Frankfurt, Klinik für Gebürtshilfe und Pränatalmedizin, 2018.
  3. Razali N, Mohd Nahwari SH, Sulaiman S, Hassan J. Date fruit consumption at term: Effect on length of gestation, labour and delivery. Journal of Obstetrics and Gynaecology. 2017;37(5):595–600.
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