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Mehrlingsschwangerschaft

Was ist eine Mehrlingsschwangerschaft?

Eine Mehrlingsschwangerschaft bezeichnet eine Schwangerschaft, bei der sich gleichzeitig zwei oder mehr Embryonen bzw. Föten im Gebärmutter befinden. Am häufigsten handelt es sich um Zwillingsschwangerschaften, seltener um Drillinge, Vierlinge oder höhergradige Mehrlinge. Grundsätzlich wird zwischen eineiigen (monozygoten) und zweieiigen (dizygoten) Mehrlingen unterschieden.

Eineiige Mehrlinge entstehen, wenn sich eine einzige befruchtete Eizelle in der frühen Entwicklungsphase teilt. Sie sind genetisch identisch und immer gleichen Geschlechts. Zweieiige Mehrlinge hingegen entstehen aus zwei oder mehr unabhängig befruchteten Eizellen und können sich genetisch und im Geschlecht unterscheiden.

Häufigkeit und Ursachen

Die Häufigkeit von Mehrlingsschwangerschaften hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen, was vor allem auf den verbreiteten Einsatz von assistierten Reproduktionstechnologien (ART) wie der In-vitro-Fertilisation (IVF) zurückzuführen ist. Natürliche Zwillingsschwangerschaften treten bei etwa 1 von 80 Schwangerschaften auf.

  • Natürliche Faktoren: Genetische Veranlagung, höheres mütterliches Alter, bereits bestehende Mehrlingsschwangerschaften in der Familie
  • Medizinisch assistierte Reproduktion: Hormonbehandlung zur Stimulation des Eisprungs (Ovulationsinduktion), IVF mit Transfer mehrerer Embryonen
  • Ethnische Faktoren: Zweieiige Zwillinge treten bei Frauen afrikanischer Abstammung häufiger auf

Symptome und Besonderheiten

Eine Mehrlingsschwangerschaft kann sich durch stärker ausgeprägte Schwangerschaftssymptome bemerkbar machen, da der Körper auf einen erhöhten Hormonspiegel reagiert. Typische Anzeichen sind:

  • Starke Übelkeit und Erbrechen (Hyperemesis gravidarum)
  • Schnelleres Wachstum des Bauchumfangs als bei einer Einlingsschwangerschaft
  • Frühzeitigeres Spüren von Kindsbewegungen
  • Erhöhte Müdigkeit und Erschöpfung
  • Häufigere Rückenschmerzen und Beckendruckgefühl

Diagnose

Die Diagnose einer Mehrlingsschwangerschaft wird in der Regel durch eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) gestellt, die bereits ab der 6. Schwangerschaftswoche eine zuverlässige Beurteilung ermöglicht. Dabei werden Anzahl der Embryonen, Lage der Plazenta sowie die Chorionizität (Anzahl der Mutterkuchen) und Amnionizität (Anzahl der Fruchtwasserkammern) bestimmt. Diese Informationen sind entscheidend für die Einschätzung möglicher Risiken und die Planung der Schwangerschaftsvorsorge.

Risiken für Mutter und Kinder

Mehrlingsschwangerschaften gelten medizinisch als Risikoschwangerschaften, da sie mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Komplikationen verbunden sind:

Risiken für die Mutter

  • Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)
  • Präeklampsie (Bluthochdruck und Eiweißausscheidung im Urin)
  • Anämie (Blutarmut) durch höheren Nährstoffbedarf
  • Frühzeitige Wehen und vorzeitiger Blasensprung
  • Erhöhtes Risiko für Kaiserschnitt
  • Nachgeburtliche Blutungen (postpartale Hämorrhagie)

Risiken für die Kinder

  • Frühgeburt: Bei Zwillingen liegt die mittlere Schwangerschaftsdauer bei etwa 36 Wochen, bei Drillingen bei etwa 33 Wochen
  • Niedriges Geburtsgewicht
  • Fetofetales Transfusionssyndrom (FFTS): Ungleichmäßige Blutversorgung bei eineiigen Zwillingen mit gemeinsamer Plazenta
  • Erhöhtes Risiko für Fehlbildungen und Wachstumsretardierung
  • Höhere perinatale Sterblichkeitsrate im Vergleich zu Einlingsschwangerschaften

Vorsorge und Betreuung

Aufgrund der erhöhten Risiken benötigen Frauen mit einer Mehrlingsschwangerschaft eine intensivierte Schwangerschaftsvorsorge. Die Betreuung sollte durch erfahrene Gebürtsmediziner (Perinatologen) erfolgen und umfasst:

  • Häufigere Ultraschallkontrollen (alle 2-4 Wochen, bei eineiigen Zwillingen noch häufiger)
  • Regelmäßige Blutdruckmessungen und Blutuntersuchungen
  • Ernährungsberatung und ggf. Supplementierung (z. B. Eisen, Folsäure, Vitamin D)
  • Frühzeitige Einschätzung des Geburtsmodus (vaginale Geburt oder Kaiserschnitt)
  • Engmaschige Überwachung des kindlichen Wachstums und Wohlbefindens

Behandlung von Komplikationen

Je nach aufgetretener Komplikation stehen verschiedene therapeutische Maßnahmen zur Verfügung:

  • Tokolyse: Medikamentöse Hemmung frühzeitiger Wehen zur Verlängerung der Schwangerschaft
  • Fetoskopische Laserkoagulation: Behandlung des fetofetalen Transfusionssyndroms durch gezielte Versch­ließung verbindender Blutgefäße in der Plazenta
  • Cerclage: Operativer Verschluss des Gebärmutterhalses bei drohender Frühgeburt
  • Stationäre Überwachung bei schweren Verläufen wie Präeklampsie

Geburt bei Mehrlingsschwangerschaft

Die Geburtsplanung bei Mehrlingen hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Lage der Kinder, Gestationsalter, Plazentaverhältnisse und mütterliche Gesundheit. Ein geplanter Kaiserschnitt wird häufig empfohlen, wenn das führende Kind nicht in Schädellage liegt oder bei höhergradigen Mehrlingen. Eine vaginale Entbindung ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich und sicher.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): Reproductive health. Multiple pregnancies. Verfügbar unter: https://www.who.int
  2. AWMF-Leitlinie: Betreuung von Mehrlingsschwangerschaften. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), 2023.
  3. Chauhan SP et al. - Perinatal outcomes associated with multiple gestations. Obstetrics & Gynecology, 2022. PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
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