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Mundfäule Baby

Was ist Mundfäule beim Baby?

Mundfäule, medizinisch als Gingivostomatitis herpetica bezeichnet, ist eine Erstinfektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1). Sie tritt besonders häufig bei Säuglingen und Kleinkindern zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 5. Lebensjahr auf. Die Erkrankung verläuft bei Babys oft intensiver als bei älteren Kindern und kann sehr schmerzhaft sein, was das Trinken und Essen stark beeinträchtigt.

Ursachen und Übertragung

Auslöser der Mundfäule ist das Herpes-simplex-Virus Typ 1. Die Übertragung erfolgt über direkten Kontakt mit infiziertem Speichel, beispielsweise durch:

  • Küsse von Erwachsenen oder Geschwistern, die das Virus in sich tragen
  • gemeinsam benutzte Schnuller, Löffel oder Trinkbecher
  • Berühren des Mundes mit kontaminierten Händen

Viele Erwachsene tragen HSV-1 in sich, ohne es zu wissen, da die Erstinfektion häufig unbemerkt verläuft. Das Virus ist hochansteckend, solange Bläschen vorhanden sind.

Symptome

Die Symptome der Mundfäule beim Baby entwickeln sich meist innerhalb weniger Tage und können sehr ausgeprägt sein:

  • Hohes Fieber (oft 38,5 bis 40 °C), das plötzlich auftritt
  • Schmerzhafte Bläschen und Aphthen an Zahnfleisch, Zunge, Gaumen und Mundschleimhaut
  • Geschwollenes, gerötetes Zahnfleisch, das leicht blutet
  • Starker Speichelfluss und unangenehmer Mundgeruch
  • Trinkschwierigkeiten und Nahrungsverweigerung aufgrund der Schmerzen
  • Reizbarkeit und Unruhe beim Baby
  • Geschwollene Lymphknoten am Hals

Die akute Phase dauert in der Regel 7 bis 14 Tage. In dieser Zeit besteht das Risiko einer Austrocknungszeit (Dehydration), insbesondere wenn das Baby zu wenig trinkt.

Diagnose

Die Diagnose wird in der Regel durch den Kinderarzt anhand des typischen klinischen Bildes gestellt. Charakteristisch sind die schmerzhaften Bläschen im gesamten Mundbereich in Kombination mit hohem Fieber. In unklaren Fällen kann ein Abstrich aus den Bläschen entnommen und auf HSV-1 untersucht werden. Eine Blutuntersuchung auf Antikörper ist ebenfalls möglich, in der Praxis aber selten notwendig.

Behandlung

Allgemeine Maßnahmen

Eine kausale Behandlung, die das Virus direkt bekämpft, ist bei Babys nur in schweren Fällen notwendig. Im Vordergrund steht die unterstützende Therapie:

  • Ausreichend Flüssigkeit zugeben: Kühle oder lauwarme Getränke wie Wasser, Tee oder Muttermilch können helfen. Kalte Flüssigkeiten können die Schmerzen lindern.
  • Schmerzmittel: Ibuprofen oder Paracetamol (in kindgerechter Dosierung) helfen gegen Fieber und Schmerzen. Bitte immer Rücksprache mit dem Kinderarzt halten.
  • Lokale Schmerzmittel: Spezielle Gele für die Mundschleimhaut können die Schmerzen örtlich lindern.
  • Sanfte Ernährung: Breiartige, weiche und nicht zu säurehaltige Speisen bevorzugen.

Medikamentöse Therapie

In schweren Fällen oder bei immungeschwächten Säuglingen kann der Kinderarzt das antivirale Medikament Aciclovir verschreiben. Es hemmt die Vermehrung des Herpesvirus und verkürzt den Krankheitsverlauf, wenn es frühzeitig eingesetzt wird.

Wann zum Arzt?

Eltern sollten umgehend einen Kinderarzt aufsuchen oder die Notaufnahme aufsuchen, wenn:

  • das Baby weniger als 6 Monate alt ist
  • das Kind sehr wenig oder gar nicht mehr trinkt (Dehydrationsgefahr)
  • das Fieber über 39 °C steigt oder mehr als 3 Tage anhält
  • das Baby sehr teilnahmslos oder nicht ansprechbar wirkt
  • eine Verschlechterung des Allgemeinzustands eintritt

Vorbeugung und Hygiene

Da HSV-1 sehr ansteckend ist, sind hygienische Maßnahmen wichtig:

  • Keine Küsse auf den Mund des Babys, wenn Herpesblasen vorhanden sind
  • Händewaschen vor dem Kontakt mit dem Baby
  • Keine gemeinsamen Utensilien wie Löffel oder Schnuller benutzen
  • Erkrankte Geschwister oder Erwachsene vom Baby fernhalten

Das Herpesvirus verbleibt nach der Erstinfektion lebenslang im Körper und kann später als Lippenherpess reaktiviert werden, meist ausgelöst durch Stress, Sonneneinstrahlung oder eine Schwächung des Immunsystems.

Quellen

  1. Robert Koch-Institut (RKI): Herpes simplex - Ratgeber für Ärzte. Online verfügbar unter: rki.de (Stand: 2023)
  2. Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI): Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, 7. Auflage, 2018.
  3. Stomatitis herpetica - UpToDate: Gnann JW Jr. Genital herpes: epidemiology and pathogenesis. PubMed, National Library of Medicine. PMID: 12918742.
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