Nabelbruch
Was ist ein Nabelbruch?
Ein Nabelbruch (medizinisch: Nabelhernie oder Umbilikalhernie) ist eine häufige Form eines Eingeweidebruchs. Dabei drängt sich Bauchfell, Fettgewebe oder sogar ein Teil des Darms durch eine nатürliche Schwachstelle in der Bauchwand am Nabel nach außen. Sichtbar wird dies als weiche, oft schmerzlose Vorwölbung im Nabelbereich, die sich beim Husten, Niesen oder Pressen vergrößern kann.
Ursachen
Der Nabelbruch entsteht durch eine Schwäche oder Lücke in der Bauchwandmuskulatur im Bereich des Nabels. Die Ursachen unterscheiden sich je nach Altersgruppe:
Bei Säuglingen und Kindern
- Der Nabelring (die Öffnung in der Bauchwand, durch die die Nabelschnur verlief) schließt sich nach der Geburt nicht vollständig.
- Genetische Veranlagung kann eine Rolle spielen.
- Häufiger bei Frühgeborenen und bei Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht.
Bei Erwachsenen
- Erhöhter Bauchinnendruck durch Übergewicht, Schwangerschaft oder schweres Heben.
- Vorausgegangene Bauchoperationen, die die Bauchwand geschwächt haben.
- Chronischer Husten oder anhaltende Verstopfung.
- Leberzirrhose mit Bauchwasseransammlung (Aszites).
Symptome
Die Symptome eines Nabelbruchs können je nach Größe und Schweregrad variieren:
- Sichtbare, weiche Vorwölbung am Nabel, die sich im Liegen oft zurückdrücken lässt.
- Leichtes Druckgefühl oder ziehende Schmerzen im Nabelbereich, besonders bei körperlicher Belastung.
- Vergrößerung der Ausbuchtung beim Husten, Pressen oder Heben.
- Bei Komplikationen (Einklemmung): plötzliche starke Schmerzen, Schwellung und Ermüdung der Vorwölbung – dies ist ein medizinischer Notfall.
Diagnose
Die Diagnose eines Nabelbruchs wird in der Regel durch eine körperliche Untersuchung gestellt. Der Arzt tastet dabei die Nabelregion ab und prüft, ob sich die Vorwölbung zurückdrücken lässt (reponibel) oder nicht. Zusätzliche bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder in speziellen Fällen eine Computertomographie (CT) können eingesetzt werden, um die Größe des Bruchs und den Inhalt des Bruchsacks genauer zu beurteilen.
Behandlung
Abwarten bei Säuglingen und Kleinkindern
Bei Kindern unter fünf Jahren schließen sich viele Nabelhernie von selbst, da die Bauchwandmuskulatur mit dem Wachstum des Kindes stärker wird. In dieser Zeit wird regelmäßig kontrolliert, ob der Bruch kleiner wird. Eine Operation ist bei Kindern meist nur notwendig, wenn:
- der Bruch sich bis zum fünften Lebensjahr nicht geschlossen hat,
- der Bruch sehr groß ist (mehr als 1,5 cm Durchmesser),
- Beschwerden oder Komplikationen auftreten.
Operative Behandlung bei Erwachsenen
Bei Erwachsenen heilt ein Nabelbruch in der Regel nicht von selbst und wird meist operativ behandelt. Es gibt zwei gängige Operationsmethoden:
- Offene Operation: Über einen kleinen Schnitt am Nabel wird der Bruchinhalt zurückgelagert und die Bauchwandlücke mit Nähten und/oder einem Kunststoffnetz verschlossen.
- Laparoskopische Operation (Schlüssellochchirurgie): Über mehrere kleine Einschnitte wird die Operation mit einer Kamera und feinen Instrumenten durchgeführt. Diese Methode ist schonender und ermöglicht eine kürzere Erholungszeit.
Notfallbehandlung bei eingeklemmtem Bruch
Wenn sich der Bruchinhalt (z. B. ein Teil des Darms) nicht mehr zurückdrücken lässt und eingeklemmt ist, besteht eine ernsthafte Gefahr für die Durchblutung des betroffenen Gewebes. In diesem Fall ist eine sofortige Notfalloperation erforderlich.
Vorbeugung und Lebensführung
Ein Nabelbruch lässt sich nicht immer verhindern, aber das Risiko kann durch folgende Maßnahmen reduziert werden:
- Normales Körpergewicht halten, um den Bauchinnendruck zu senken.
- Schweres Heben vermeiden oder korrekte Hebetechniken anwenden.
- Chronischen Husten und Verstopfung behandeln lassen.
- Nach einer Schwangerschaft den Bauchbereich durch gezielte Übungen stärken.
Quellen
- Schumpelick, V. (Hrsg.) - Hernien. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 5. Auflage (2015).
- European Hernia Society Guidelines on the closure of abdominal wall hernias - Hernia, Band 19 (2015), S. 1-24.
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK) - Hernia: Definition, Causes and Treatment. U.S. Department of Health and Human Services (2023). Verfügbar unter: https://www.niddk.nih.gov