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PCOS Ernährung

Was ist PCOS und warum spielt die Ernährung eine wichtige Rolle?

Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine der häufigsten hormonellen Erkrankungen bei Frauen im gebarfähigen Alter. Es ist durch einen erhöhten Androgenspiegel (männliche Hormone), unregelmäßige Menstruationszyklen und zystenförmige Veränderungen an den Eierstocken gekennzeichnet. Eine zentrale Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf von PCOS spielt die Insulinresistenz – ein Zustand, bei dem die Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin reagieren. Die Ernährung kann diesen Mechanismus direkt beeinflussen und ist daher ein wesentlicher Bestandteil der PCOS-Therapie.

Insulinresistenz und PCOS: Der Zusammenhang

Bei etwa 50–70 % der Frauen mit PCOS liegt eine Insulinresistenz vor. Ein erhöhter Insulinspiegel stimuliert die Eierstocke zur vermehrten Produktion von Androgenen, was Symptome wie Akne, Haarausfall, Hirsutismus (unerwünschter Haarwuchs) und Zyklusstörungen verstärkt. Eine gezielte Ernährung, die den Blutzucker stabil hält, kann den Insulinspiegel senken und so das hormonelle Gleichgewicht verbessern.

Empfohlene Lebensmittel bei PCOS

Lebensmittel mit niedrigem glykaemischen Index (GI)

Lebensmittel mit einem niedrigen glykaemischen Index lassen den Blutzucker langsam ansteigen und verhindern starke Insulinausschüttungen. Besonders empfehlenswert sind:

  • Vollkornprodukte (Haferflocken, Vollkornbrot, Quinoa)
  • Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen, Bohnen)
  • Gemüse (Brokkoli, Spinat, Zucchini, Paprika)
  • Beeren (Heidelbeeren, Erdbeeren, Himbeeren)
  • Nüsse und Samen (Mandeln, Leinsamen, Chia-Samen)

Gesunde Fette

Einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren wirken entzündungshemmend und unterstützen die Insulinsensitivität. Empfehlenswerte Quellen sind:

  • Avocado
  • Olivenöl (natives Olivenöl extra)
  • Fetter Fisch (Lachs, Makrele, Hering) – reich an Omega-3-Fettsäuren
  • Walnusse und Leinsamen

Hochwertige Proteinquellen

Proteine sättigen langanhaltend und helfen, den Blutzucker zu stabilisieren. Geeignete Quellen umfassen:

  • Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen)
  • Mageres Geflügel (Hühnchen, Pute)
  • Eier
  • Griechischer Joghurt (ungünktet, Naturjoghurt)
  • Tofu und Tempeh

Ballaststoffreiche Lebensmittel

Ballaststoffe verlangsamen die Verdauung und die Aufnahme von Zucker ins Blut. Sie fördern zudem eine gesunde Darmflora, die bei PCOS eine Rolle spielen kann. Empfehlenswert sind:

  • Gemüse und Hülsenfrüchte
  • Vollkorngetreide
  • Leinsamen und Chiasamen
  • Hafer (Haferflocken)

Lebensmittel, die bei PCOS gemieden werden sollten

Bestimmte Lebensmittel können die Insulinresistenz verstärken, Entzündungen fördern und das Hormonungleichgewicht verschlechtern. Dazu zählen:

  • Raffinierter Zucker und Süßigkeiten (Softdrinks, Kuchen, Süßigkeiten)
  • Weißmehlprodukte (Weißbrot, weißer Reis, Pasta aus Weißmehl)
  • Verarbeitete Lebensmittel und Fast Food (reich an Transfettsäuren und Additiven)
  • Stark verarbeitete Pflanzenöle (reich an Omega-6-Fettsäuren, z. B. Sonnenblumenöl in großen Mengen)
  • Alkohol (beeinflusst den Hormonstoffwechsel und die Leber negativ)

Ernährungsformen, die bei PCOS untersucht wurden

Mediterrane Ernährung

Die mediterrane Ernährung gilt als eine der am besten untersuchten Ernährungsformen bei PCOS. Sie betont Gemüse, Hülsenfrüchte, Fisch, Olivenöl und Vollkornprodukte. Studien zeigen, dass sie Entzündungsmarker senken, die Insulinsensitivität verbessern und das Gewicht regulieren kann.

Low-Carb-Ernährung

Eine kohlenhydratreduzierte Ernährung kann bei PCOS effektiv sein, um den Insulinspiegel zu senken und das Gewicht zu reduzieren. Dabei werden vor allem verarbeitete Kohlenhydrate und Zucker stark eingeschränkt, während gesunde Fette und Proteine im Vordergrund stehen.

Entzündungshemmende Ernährung

Da PCOS mit chronischen Entzündungen assoziiert ist, kann eine anti-inflammatorische Ernährung hilfreich sein. Sie umfasst reichlich Antioxidantien aus buntem Gemüse und Obst, Omega-3-reiche Lebensmittel sowie Gewürze wie Kurkuma und Ingwer.

Mikronährstoffe und Nahrungsergänzungsmittel bei PCOS

Bestimmte Mikronährstoffe sind bei PCOS besonders relevant:

  • Inositol (Myo-Inositol und D-Chiro-Inositol): Kann die Insulinsensitivität verbessern und den Hormonspiegel regulieren. Gut untersucht und häufig empfohlen.
  • Magnesium: Unterstützt die Insulinfunktion und wirkt entzündungshemmend. Viele Frauen mit PCOS haben einen niedrigen Magnesiumspiegel.
  • Vitamin D: Ein Mangel ist bei PCOS weit verbreitet und kann Insulinresistenz und Entzündungen verstärken.
  • Omega-3-Fettsäuren: Wirken entzündungshemmend und können Androgenspiegel senken.
  • Zink: Spielt eine Rolle bei der Regulierung von Androgenen und kann Akne und Haarausfall bei PCOS reduzieren.

Vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte immer eine ärztliche Rücksprache erfolgen.

Gewichtsmanagement und PCOS

Bei übergewichtigen Frauen mit PCOS kann bereits eine moderate Gewichtsreduktion von 5–10 % des Körpergewichts die Insulinsensitivität deutlich verbessern, den Menstruationszyklus regulieren und die Fruchtbarkeit fördern. Gleichzeitig ist es wichtig zu betonen, dass PCOS auch normalgewichtige Frauen betrifft und eine gesunde Ernährung unabhängig vom Gewicht von Vorteil ist.

Praktische Ernährungstipps für den Alltag mit PCOS

  • Regelmäßige Mahlzeiten einhalten, um Blutzuckerschwankungen zu vermeiden
  • Jede Mahlzeit mit einer Proteinquelle und gesunden Fetten kombinieren
  • Ausreichend Wasser trinken (mindestens 1,5–2 Liter pro Tag)
  • Ballaststoffreiche Lebensmittel priorisieren
  • Zuckerhaltige Getränke durch Wasser, Kräutertee oder ungüsßten Tee ersetzen
  • Regelmäßige körperliche Bewegung kombinieren (z. B. Spazierengänge nach den Mahlzeiten)
  • Individuelle Beratung durch eine Ernährungsfachkraft oder ärztliche Begleitung suchen

Quellen

  1. Teede, H. J. et al. (2023): International Evidence-Based Guideline for the Assessment and Management of Polycystic Ovary Syndrome. Monash University. Verfügbar unter: https://www.monash.edu/medicine/sphpm/mchri/pcos
  2. Barrea, L. et al. (2021): Dietary Patterns and Polycystic Ovary Syndrome: Is There a Relationship? In: Nutrients, 13(4), 1073. PubMed PMID: 33807400.
  3. Unfer, V. et al. (2012): Effects of Myo-Inositol in Women with PCOS: A Systematic Review of Randomized Controlled Trials. In: Gynecological Endocrinology, 28(7), 509–515. PubMed PMID: 22296306.
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