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Die Plazenta, auch als Mutterkuchen bekannt, ist ein einzigartiges, vorrübergehendes Organ, das sich während der Schwangerschaft in der Gebärmutter (Uterus) entwickelt. Sie entsteht kurz nach der Einnistung der befruchteten Eizelle und wächst gemeinsam mit dem Embryo bzw. Fötus heran. Die Plazenta ist eng mit der Gebärmutterwand der Mutter verbunden und gleichzeitig über die Nabelschnur mit dem ungeborenen Kind verknüpft. Nach der Geburt des Kindes wird die Plazenta als sogenannte Nachgeburt ausgestoßen.
Die Plazenta ist eine scheibenförmige, schwammige Gewebsstruktur, die bei einer ausgetragenen Schwangerschaft einen Durchmesser von etwa 15 bis 20 Zentimetern und ein Gewicht von ungefähr 500 bis 600 Gramm erreicht. Sie besteht aus zwei Hauptanteilen:
Obwohl die Blutkreisläufe von Mutter und Kind in der Plazenta eng beieinander liegen, vermischen sie sich in der Regel nicht direkt. Der Stoffaustausch erfolgt durch eine dünne Gewebsschicht, die als Plazentaschranke bezeichnet wird.
Die wichtigste Aufgabe der Plazenta besteht darin, das ungeborene Kind mit allem Notwendigen zu versorgen. Über die Nabelschnur und die Plazenta werden folgende Stoffe vom mütterlichen Blut an das Kind übertragen:
Gleichzeitig transportiert die Plazenta Abbauprodukte des kindlichen Stoffwechsels, wie Kohlendioxid und Harnstoff, zurück in den mütterlichen Blutkreislauf, damit diese über Lunge und Nieren der Mutter ausgeschieden werden können.
Die Plazenta ist außerdem ein aktives Hormonorgan. Sie produziert eine Reihe wichtiger Hormone, die für den Erhalt der Schwangerschaft unentbehrlich sind:
Die Plazentaschranke schützt das ungeborene Kind vor vielen schädlichen Substanzen und Krankheitserregern. Allerdings ist diese Barriere nicht vollständig: Bestimmte Viren (z. B. Röteln-Virus, Cytomegalievirus), Medikamente, Alkohol, Nikotin und andere Schadstoffe können die Schranke überwinden und das Kind schädigen.
Die Plazenta beginnt sich bereits kurz nach der Befruchtung zu entwickeln. Schon etwa ab der 4. Schwangerschaftswoche nimmt sie ihre Versorgungsfunktion auf. Bis zur 12. bis 14. Schwangerschaftswoche ist sie vollständig ausgebildet und übernimmt ab diesem Zeitpunkt vollständig die Hormonproduktion vom Gelbkörper. Im Laufe der Schwangerschaft wächst die Plazenta kontinuierlich, um den steigenden Bedürfnissen des Kindes gerecht zu werden.
Bei einer Placenta praevia liegt die Plazenta abnorm tief in der Gebärmutter und bedeckt teilweise oder vollständig den Gebärmutterhals. Dies kann zu gefährlichen Blutungen in der Spätschwangerschaft und zu Komplikationen bei der Geburt führen. Häufig ist ein Kaiserschnitt notwendig.
Bei einer vorzeitigen Plazentablösung löst sich die Plazenta vor der Geburt des Kindes von der Gebärmutterwand. Dies ist ein medizinischer Notfall, der starke Blutungen und eine gefährliche Unterversorgung des Kindes verursachen kann.
Von einer Plazentainsuffizienz spricht man, wenn die Plazenta ihre Versorgungsfunktion nicht ausreichend erfüllen kann. Das Kind erhält dann nicht genügend Nährstoffe und Sauerstoff, was zu einer Wachstumsverzögerung oder in schweren Fällen zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen kann.
Die Präeklampsie ist eine schwere Schwangerschaftserkrankung, die eng mit einer Fehlfunktion der Plazenta zusammenhängt. Sie äußert sich durch Bluthochdruck und Eiweißausscheidung im Urin und kann Mutter und Kind gefährden.
Während der Schwangerschaft wird die Plazenta regelmäßig mittels Ultraschall untersucht. Dabei werden Lage, Größe, Struktur und Blutversorgung beurteilt. Auffälligkeiten können frühzeitig erkannt und behandelt werden. Nach der Geburt wird die Plazenta von medizinischem Fachpersonal auf Vollständigkeit und Gesundheitszustand untersucht, um sicherzustellen, dass keine Gewebeteile in der Gebärmutter verblieben sind.
Kurz nach der Geburt des Kindes wird die Plazenta als Nachgeburt ausgestoßen. Dieser Vorgang dauert in der Regel 15 bis 30 Minuten und kann durch leichtes Drücken auf den Bauch oder das Stillen unterstützt werden, da das Stillen die Ausschüttung von Oxytocin anregt, das Gebärmutterkontraktionen fördert. In manchen Kulturen wird der Plazenta eine besondere Bedeutung beigemessen; einige Eltern entscheiden sich dafür, sie zu begraben oder anderweitig zu ehren.