Polymorphe Schwangerschaftsdermatose
Was ist die polymorphe Schwangerschaftsdermatose?
Die polymorphe Schwangerschaftsdermatose (englisch: Polymorphic Eruption of Pregnancy, PEP; auch bekannt als PUPPP – Pruritic Urticarial Papules and Plaques of Pregnancy) ist eine der häufigsten schwangerschaftsspezifischen Hauterkrankungen. Sie ist grundsätzlich gutartig und stellt keine Gefahr für Mutter oder Kind dar. Die Erkrankung tritt typischerweise im dritten Trimester oder unmittelbar nach der Geburt auf und ist durch intensiven Juckreiz sowie charakteristische Hautveränderungen gekennzeichnet.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genaue Ursache der polymorphen Schwangerschaftsdermatose ist bislang nicht vollständig geklärt. Es werden verschiedene Faktoren diskutiert:
- Starke Dehnung der Bauchhaut: Die rasche Ausdehnung des Bindegewebes beim Wachstum des Bauches kann Entzündungsreaktionen in der Haut auslösen.
- Erstgeburt: Die Erkrankung tritt häufiger bei Frauen auf, die ihr erstes Kind erwarten.
- Mehrlingsschwangerschaft: Bei Zwillings- oder Drillingsschwan gerschaften ist das Risiko erhöht, da die Bauchhaut stärker gedehnt wird.
- Fetale DNA in der Haut: Einige Studien deuten darauf hin, dass fetale Zellen in der Haut der Mutter eine Immunreaktion auslösen könnten.
- Gewichtszunahme: Eine überdurchschnittliche Gewichtszunahme während der Schwangerschaft scheint ebenfalls ein Risikofaktor zu sein.
Symptome
Die polymorphe Schwangerschaftsdermatose beginnt häufig in den Dehnungsstreifen (Striae) am Bauch und breitet sich danach auf andere Körperbereiche aus. Typische Symptome umfassen:
- Stark juckende, rötliche Papeln (kleine erhabene Hautveränderungen) und Plaques (größere, flächige Veränderungen)
- Auftreten von urtikariellen (nesselsuchtartigen) Effloreszenzen
- Ausbreitung auf Oberschenkel, Gesäß, Brust und Arme möglich
- In der Regel ist der Bauchnabel ausgespart – dies ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu anderen Dermatosen
- Kein Fieber oder Allgemeinbeschwerden
Der Juckreiz kann sehr intensiv sein und den Schlaf erheblich beeinträchtigen, was für die Betroffenen sehr belastend ist.
Diagnose
Die Diagnose der polymorphen Schwangerschaftsdermatose erfolgt in erster Linie klinisch, also durch Beurteilung des typischen Erscheinungsbildes und der Krankengeschichte. Wichtige Schritte im Diagnoseprozess sind:
- Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Verteilung und Morphologie der Hautveränderungen
- Ausschluss anderer Schwangerschaftsdermatosen: Insbesondere die Pemphigoid gestationis (eine blasenbildende Autoimmunerkrankung) muss ausgeschlossen werden, da diese Behandlung erfordert und das Ungeborene gefährden kann.
- Blutuntersuchungen: Laborwerte wie Leberenzyme und Gallensäuren werden bestimmt, um eine intrahepatische Schwangerschaftscholestase auszuschließen.
- Hautbiopsie: In unklaren Fällen kann eine Gewebeprobe entnommen und histologisch sowie immunhistochemisch untersucht werden.
Behandlung
Da die polymorphe Schwangerschaftsdermatose gutartig ist und sich nach der Geburt in der Regel spontan zurückbildet, zielt die Behandlung hauptsächlich auf die Linderung des Juckreizes ab:
Lokale Therapie
- Topische Kortikosteroide (z.B. Hydrocortison-Creme) sind das Mittel der ersten Wahl und reduzieren Entzündung und Juckreiz wirksam.
- Rückfettende und kühlende Lotionen können zusätzlich Erleichterung bringen.
Systemische Therapie
- Bei schwerem Verlauf können orale Antihistaminika oder systemische Kortikosteroide (z.B. Prednisolon) unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden.
Allgemeine Maßnahmen
- Vermeidung von wärmenden Faktoren (z.B. heiße Duschen, enge Kleidung)
- Tragen von locker sitzender, atmungsaktiver Kleidung aus Baumwolle
- Kühle Umschläge zur Linderung des Juckreizes
Verlauf und Prognose
Die polymorphe Schwangerschaftsdermatose klingt in den meisten Fällen innerhalb von wenigen Wochen nach der Geburt vollständig ab. Sie hinterlässt keine bleibenden Schäden an der Haut und stellt keine Gefahr für das ungeborene oder neugeborene Kind dar. Ein erneutes Auftreten in einer folgenden Schwangerschaft ist möglich, aber nicht zwangsläufig zu erwarten.
Quellen
- Ambros-Rudolph C.M. - Dermatoses of Pregnancy. In: Journal of the German Society of Dermatology (JDDG), 2011; 9(1): 15-21.
- Kroumpouzos G., Cohen L.M. - Dermatoses of Pregnancy. In: Journal of the American Academy of Dermatology, 2001; 45(1): 1-19.
- World Health Organization (WHO) - Managing complications in pregnancy and childbirth: A guide for midwives and doctors, 2. Auflage, Genf 2017.