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Schmerzmittel Schwangerschaft

Schmerzmittel in der Schwangerschaft – Überblick

Während der Schwangerschaft leiden viele Frauen unter verschiedenen Schmerzformen wie Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder Zahnschmerzen. Die Wahl des richtigen Schmerzmittels in der Schwangerschaft ist dabei besonders wichtig, da viele Wirkstoffe die Plazentaschranke passieren und das ungeborene Kind beeinflussen können. Eine eigenständige Einnahme ohne ärztlichen Rat sollte unbedingt vermieden werden.

Warum ist Vorsicht bei Schmerzmitteln in der Schwangerschaft geboten?

Der Stoffwechsel einer schwangeren Frau verändert sich erheblich. Viele Wirkstoffe werden anders abgebaut und können in den Blutkreislauf des Kindes übergehen. Je nach Trimester (Schwangerschaftsdrittel) kann die Einnahme bestimmter Schmerzmittel unterschiedliche Risiken mit sich bringen – von Fehlbildungen im ersten Trimester bis hin zu Komplikationen bei der Geburt im dritten Trimester.

Welche Schmerzmittel gelten als relativ sicher?

Paracetamol

Paracetamol gilt traditionell als das Schmerzmittel der ersten Wahl in der Schwangerschaft und wird von vielen Leitlinien als das am besten verträgliche Mittel eingestuft. Es kann in der empfohlenen Dosierung bei kurzfristiger Anwendung eingesetzt werden. Neuere Studien deuten jedoch darauf hin, dass eine häufige oder langfristige Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für Entwicklungsstörungen beim Kind verbunden sein könnte. Daher empfehlen Fachärzte, Paracetamol auch in der Schwangerschaft nur so kurz und niedrig dosiert wie nötig einzunehmen.

Wichtige Hinweise zur Einnahme

  • Paracetamol sollte nur in der niedrigsten wirksamen Dosis und für die kürzest mögliche Zeit eingenommen werden.
  • Die maximale Tagesdosis darf nicht überschritten werden (in der Regel 4 g pro Tag für Erwachsene).
  • Die Einnahme sollte immer mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.

Welche Schmerzmittel sollten in der Schwangerschaft vermieden werden?

NSAR (Nicht-steroidale Antirheumatika)

NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen sind im ersten und dritten Trimester kontraindiziert (nicht empfohlen). Im ersten Trimester erhöhen sie das Risiko von Fehlgeburten und Fehlbildungen. Im dritten Trimester können sie den vorzeitigen Verschluss des Ductus arteriosus (einer wichtigen Blutgefäßverbindung beim Ungeborenen) verursachen sowie die Nierenfunktion des Kindes beeinträchtigen und die Wehen hemmen.

Aspirin (Acetylsalicylsäure)

Aspirin in normaler Schmerzmitteldosis sollte in der Schwangerschaft, besonders im dritten Trimester, nicht eingenommen werden, da es die Blutungsneigung erhöht und den Geburtsprozess verzögern kann. In niedriger Dosierung (z. B. 100 mg) wird Aspirin jedoch unter ärztlicher Aufsicht bei bestimmten Schwangerschaftsrisiken gezielt eingesetzt.

Opioid-Analgetika

Opioide wie Codein, Tramadol oder Morphin sollten in der Schwangerschaft nur in Ausnahmefällen und unter strenger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden. Ihre Einnahme kann beim Neugeborenen zu einem neonatalen Entzugssyndrom führen, das intensivmedizinische Behandlung erfordert.

Schmerzmittel nach Trimester

Erstes Trimester (1.–12. Woche)

Im ersten Trimester werden alle wichtigen Organe des Kindes angelegt. Daher ist die Vorsicht bei der Medikamenteneinnahme besonders hoch. Paracetamol gilt als Option, NSAR und Aspirin sollten jedoch vermieden werden.

Zweites Trimester (13.–26. Woche)

Das zweite Trimester gilt als das relativ sicherste für die gelegentliche Einnahme von Paracetamol. NSAR sollten weiterhin nur nach Rücksprache mit dem Arzt und kurzfristig eingenommen werden.

Drittes Trimester (27. Woche bis Geburt)

Im dritten Trimester sind NSAR streng kontraindiziert. Auch die Einnahme von Aspirin in höherer Dosierung und Opioiden ist mit erhöhten Risiken verbunden. Paracetamol bleibt die einzige Option, sollte aber so selten wie möglich eingesetzt werden.

Nicht-medikamentöse Alternativen bei Schmerzen in der Schwangerschaft

Vor dem Griff zu einem Schmerzmittel empfehlen Gynäkologen und Hebammen häufig nicht-medikamentöse Methoden zur Schmerzlinderung:

  • Wärme: Ein warmes Bad oder eine Wärmflasche kann bei Rückenschmerzen helfen.
  • Physiotherapie und sanfte Bewegung: Gezielte Übungen können muskuloskelettale Schmerzen lindern.
  • Entspannungstechniken: Yoga, Meditation oder Atemtechniken helfen bei stressbedingten Schmerzen.
  • Akupunktur: In einigen Studien zeigte Akupunktur positive Effekte bei Schwangerschaftsschmerzen.
  • Massage: Sanfte pränatale Massagen können Rückenschmerzen und Muskelverspannungen lindern.

Wann sollten Schwangere unbedingt einen Arzt aufsuchen?

Starke oder anhaltende Schmerzen in der Schwangerschaft sind immer ein Grund für einen Arztbesuch. Insbesondere bei folgenden Beschwerden sollte sofort medizinische Hilfe gesucht werden:

  • Plötzliche, starke Bauchschmerzen
  • Kopfschmerzen, die mit Sehstörungen oder Schwellungen einhergehen (mögliche Präeklampsie)
  • Schmerzen beim Wasserlassen (mögliche Harnwegsinfektion)
  • Brustschmerzen oder Atemnot

Quellen

  1. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Informationen zur Arzneimittelsicherheit in der Schwangerschaft. www.bfarm.de
  2. Briggs GG, Freeman RK, Towers CV, Forinash AB: Drugs in Pregnancy and Lactation. 12. Auflage, Wolters Kluwer, 2021.
  3. Europaeische Arzneimittel-Agentur (EMA): Ibuprofen und Schwangerschaft – CHMP-Bewertungsbericht, 2022. www.ema.europa.eu
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