Temperaturkurve Zyklus
Was ist die Temperaturkurve im Zyklus?
Die Temperaturkurve im Zyklus beschreibt den typischen Verlauf der Basalkörpertemperatur (BBT) über den weiblichen Menstruationszyklus. Die Basalkörpertemperatur ist die Körpertemperatur in vollständiger körperlicher Ruhe, also direkt nach dem Aufwachen, bevor irgendeine körperliche Aktivität stattfindet. Das systematische Messen und Aufzeichnen dieser Temperatur ermöglicht Rückschlüsse auf den Hormonstatus und die fruchtbaren Tage im Zyklus.
Grundlagen des weiblichen Zyklus
Der weibliche Menstruationszyklus dauert im Durchschnitt 28 Tage, kann jedoch individuell zwischen 21 und 35 Tagen variieren. Er wird in zwei Hauptphasen unterteilt:
- Follikelphase (erste Zyklusphäse): Sie beginnt mit dem ersten Tag der Menstruation und endet mit dem Eisprung (Ovulation). In dieser Phase reifen Eiblasen (Follikel) im Eierstock heran, und der Körper produziert verstärkt das Hormon Östrogen.
- Lutealphase (zweite Zyklusphäse): Sie beginnt nach dem Eisprung und endet mit dem Einsetzen der nächsten Menstruation. Nach dem Eisprung bildet sich der sogenannte Gelbkörper (Corpus luteum), der das Hormon Progesteron ausschüttet.
Wie verändert sich die Temperatur im Zyklusverlauf?
Progesteron erhöht die Basalkörpertemperatur messbar. Dies ist die Grundlage der Temperaturmethode:
- Vor dem Eisprung (Follikelphase): Die Basalkörpertemperatur liegt typischerweise zwischen 36,2 und 36,6 °C. Die Werte sind relativ niedrig und können leicht schwanken.
- Um den Eisprung: Kurz vor oder während der Ovulation kann ein kurzer Temperaturabfall beobachtet werden, der jedoch nicht bei allen Frauen deutlich sichtbar ist.
- Nach dem Eisprung (Lutealphase): Die Basalkörpertemperatur steigt aufgrund des erhöhten Progesteronspiegels um etwa 0,2 bis 0,5 °C an und bleibt erhöht bis zur nächsten Menstruation. Dieser Anstieg wird als Temperaturshift bezeichnet.
- Beginn der Menstruation: Fällt keine Befruchtung statt, sinkt die Temperatur wieder ab, und die Menstruation setzt ein.
- Bei Schwangerschaft: Bleibt die Temperatur dauerhaft erhöht (länger als 18 Tage nach dem Eisprung), kann dies ein Hinweis auf eine Schwangerschaft sein.
Wie wird die Temperaturkurve gemessen?
Für eine aussagekräftige Temperaturkurve sind einige wichtige Punkte zu beachten:
- Die Messung erfolgt täglich zur selben Uhrzeit, morgens direkt nach dem Aufwachen, noch vor dem Aufstehen.
- Als Messstellen eignen sich Mund (sublingual), Scheide (vaginal) oder After (rektal). Die rektale und vaginale Messung gelten als besonders genau. Die gewählte Methode sollte konsistent beibehalten werden.
- Es sollte ein digitales Basalthermometer mit mindestens zwei Nachkommastellen verwendet werden.
- Faktoren wie Krankheit, Alkoholkonsum, Stress, veränderte Schlafzeiten oder Reisen können die Messung verfälschen und sollten im Kurvenblatt notiert werden.
- Die täglichen Werte werden in ein spezielles Zyklusblatt oder in eine Zyklus-App eingetragen und als Kurve visualisiert.
Wofür wird die Temperaturkurve verwendet?
Natürliche Familienplanung (NFP)
Die Temperaturmethode ist ein zentraler Bestandteil der natürlichen Familienplanung. In Kombination mit der Zervixschleimmethode (Billingsmethode) bildet sie die sogenannte symptothermale Methode, die als zuverlässigste natürliche Verhütungsmethode gilt. Sie hilft dabei, die fruchtbaren Tage im Zyklus zu identifizieren – sowohl zur Verhütung als auch zur Erfüllung eines Kinderwunsches.
Kinderwunsch und Fruchtbarkeitsdiagnostik
Für Frauen mit Kinderwunsch ist die Temperaturkurve ein wertvolles Werkzeug, um den Zeitpunkt des Eisprungs zu bestimmen und gezielt in der fruchtbaren Phase Geschlechtsverkehr zu haben. Darüber hinaus kann die Kurve dem Arzt oder der Ärztin wichtige diagnostische Hinweise liefern, beispielsweise:
- Ob ein Eisprung stattgefunden hat (Ovulationsnachweis)
- Ob die Lutealphase ausreichend lang ist (Lutealphasendefekt als mögliche Ursache für unerfullten Kinderwunsch)
- Ob Hinweise auf eine Schilddrüsenfehlfunktion oder andere hormonelle Störungen vorliegen
Zyklusbeobachtung und Gesundheitsmonitoring
Die regelmäßige Aufzeichnung der Temperaturkurve gibt Frauen einen detaillierten Einblick in ihren eigenen Zyklus. Unregelmäßigkeiten oder Abweichungen vom typischen Muster können frühzeitig erkannt und mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden.
Grenzen und Einschränkungen der Methode
Die Temperaturmethode allein gilt nicht als ausreichend sichere Verhütungsmethode. Folgende Faktoren können die Zuverlässigkeit beeinträchtigen:
- Unregelmäßige Schlafzeiten oder Schichtarbeit
- Infektionen mit Fieber
- Alkohol- oder Medikamentenkonsum
- Stress und Reisen mit Zeitzonenunterschieden
- Unreglemäßige Zyklen, z.B. in der Stillzeit oder in den Wechseljahren
Für eine zuverlässige Anwendung im Rahmen der natürlichen Familienplanung wird eine fachkundige Einführung empfohlen, beispielsweise durch eine NFP-Beraterin oder eine gynäkologische Praxis.
Quellen
- Frank-Herrmann P. et al. - The effectiveness of a fertility awareness based method to avoid pregnancy in relation to a couple's sexual behaviour during the fertile time. Human Reproduction, 22(5):1310-1319, 2007. Oxford University Press.
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) - Verhütung: Natürliche Familienplanung. BZgA, Köln. Verfügbar unter: www.bzga.de
- World Health Organization (WHO) - Medical eligibility criteria for contraceptive use. 5th edition, WHO Press, Genf, 2015.