Was ist eine Thrombose in der Schwangerschaft?
Eine Thrombose in der Schwangerschaft bezeichnet die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) in einem Blutgefäß, meist in den tiefen Venen der Beine oder des Beckens. Dieses Krankheitsbild wird auch als tiefe Venenthrombose (TVT) bezeichnet. Während der Schwangerschaft ist das Risiko, eine Thrombose zu entwickeln, im Vergleich zu nicht schwangeren Frauen etwa fünfmal erhöht. Eine Thrombose ist eine ernsthafte Komplikation, da das Gerinnsel in die Lunge wandern und eine lebensbedrohliche Lungenembolie verursachen kann.
Ursachen und Risikofaktoren
Während der Schwangerschaft verändert sich der Körper der Frau auf vielfältige Weise, was das Thromboserisiko erhöht. Die drei Hauptfaktoren, die zur Entstehung einer Thrombose beitragen, werden als Virchow-Trias bezeichnet:
- Veränderte Blutgerinnung: Hormone der Schwangerschaft erhöhen die Gerinnungsbereitschaft des Blutes, um Blutverluste bei der Geburt zu reduzieren.
- Verlangsamter Blutfluss: Der wachsende Gebärmutter druck auf die Beckenvenen verlangsamt den Rückfluss des Blutes aus den Beinen.
- Schädigung der Gefäßwände: Durch die Geburt oder operative Eingriffe können Gefäßwände verletzt werden.
Zusätzliche Risikofaktoren, die das Thromboserisiko weiter erhöhen, sind:
- Frühere Thrombose oder Lungenembolie
- Erbliche Gerinnungsstörungen (z. B. Faktor-V-Leiden-Mutation oder Protein-C/S-Mangel)
- Adipositas (starkes Übergewicht)
- Mehrlingsschwangerschaft
- Längere Bettruhe oder Bewegungsmangel
- Rauchen
- Alter über 35 Jahre
- Kaiserschnitt
Symptome
Die Symptome einer Thrombose in der Schwangerschaft können denen außerhalb der Schwangerschaft ähneln, werden jedoch häufig als typische Schwangerschaftsbeschwerden fehlgedeutet. Typische Anzeichen einer tiefen Venenthrombose sind:
- Schwellung, Rötung und Wärme in einem Bein, meist einseitig
- Schmerzen oder Druckgefühl im Bein, besonders in der Wade
- Spannungsgefühl in der betroffenen Extremität
Zeichen einer möglichen Lungenembolie, die einen sofortigen Notruf erfordert:
- Plötzliche Atemnot
- Brustschmerzen
- Herzrasen
- Schwindel oder Ohnmacht
- Bluthusten
Diagnose
Die Diagnose einer Thrombose in der Schwangerschaft erfordert besondere Sorgfalt, da einige Standardtests angepasst werden müssen. Folgende diagnostische Methoden werden eingesetzt:
- Ultraschall (Duplexsonographie): Die bevorzugte Methode in der Schwangerschaft, da sie keine Strahlung verwendet und das Gerinnsel in den Venen sichtbar machen kann.
- D-Dimer-Test: Ein Bluttest, der Abbauprodukte von Blutgerinnseln misst. In der Schwangerschaft sind die Werte jedoch natürlicherweise erhöht, was die Aussagekraft einschränkt.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Kann bei Verdacht auf Beckenthrombosen eingesetzt werden, wenn der Ultraschall keine eindeutigen Ergebnisse liefert.
- CT-Pulmonalisangiographie: Bei Verdacht auf Lungenembolie, wobei die Strahlenbelastung für das ungeborene Kind sorgfältig abgewogen wird.
Behandlung
Die Behandlung einer Thrombose in der Schwangerschaft zielt darauf ab, das Gerinnsel aufzulösen, ein weiteres Wachstum zu verhindern und eine Lungenembolie zu vermeiden. Da Marcumar (Warfarin) in der Schwangerschaft nicht angewendet werden darf, da es die Plazenta passiert und das Kind schädigen kann, ist das Mittel der Wahl:
- Niedermolekulares Heparin (NMH): Wird als Injektion unter die Haut verabreicht, passiert die Plazenta nicht und gilt als sicher für Mutter und Kind. Es wird in der Regel über die gesamte Schwangerschaft und mindestens sechs Wochen nach der Geburt fortgeführt.
- Kompressionsstrümpfe: Unterstützen den Blutfluss in den Beinen und lindern Schwellungen.
- Bewegung: Regelmäßige, leichte körperliche Aktivität fördert die Durchblutung.
Behandlung nach der Geburt
Nach der Entbindung wird die Heparintherapie fortgesetzt. In manchen Fällen kann nach der Geburt auf orale Antikoagulanzien umgestellt werden, die auch beim Stillen als sicher gelten, wie z. B. Warfarin (unter ärztlicher Aufsicht) oder bestimmte neuere Gerinnungshemmer.
Prävention
Frauen mit erhöhtem Thromboserisiko können vorbeugende Maßnahmen ergreifen:
- Prophylaktische Gabe von niedermolekularem Heparin bei hohem Risiko
- Tragen von Kompressionsstrümpfen
- Ausreichend Bewegung und Vermeidung langer Ruhephasen
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Gewichtskontrolle vor und während der Schwangerschaft
- Rauchverzicht
Wann zum Arzt?
Schwangere Frauen sollten bei einseitiger Beinschwellung, Rötung oder Schmerzen unverzüglich ärztliche Hilfe aufsuchen. Bei Atemnot, Brustschmerzen oder plötzlichem Schwindel ist sofort der Notruf 112 zu rufen, da dies auf eine Lungenembolie hinweisen kann.
Quellen
- Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (RCOG): Thrombosis and Embolism during Pregnancy and the Puerperium, Green-top Guideline No. 37a (2015).
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Leitlinie zur Prophylaxe venöser Thromboembolien in der Schwangerschaft und im Wochenbett (2020).
- Bates SM et al. - VTE, Thrombophilia, Antithrombotic Therapy, and Pregnancy. Chest. 2012;141(2 Suppl):e691S-e736S. PubMed PMID: 22315276.