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Toxoplasmose in der Schwangerschaft

Was ist Toxoplasmose in der Schwangerschaft?

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch den einzelligen Parasiten Toxoplasma gondii verursacht wird. Während eine Infektion bei gesunden Erwachsenen meist harmlos verläuft, kann sie in der Schwangerschaft schwerwiegende Folgen für das ungeborene Kind haben. Der Parasit kann die Plazentaschranke überwinden und eine sogenannte konnatale Toxoplasmose beim Fetus verursachen. Das Infektionsrisiko und die Schwere der Schäden hängen stark vom Zeitpunkt der Erstinfektion während der Schwangerschaft ab.

Ursachen und Übertragungswege

Der Erreger Toxoplasma gondii wird auf verschiedenen Wegen übertragen. Zu den häufigsten Infektionsquellen gehören:

  • Rohes oder unzureichend gegartes Fleisch, das Zysten des Parasiten enthält (insbesondere Schweine-, Lamm- und Wildfleisch)
  • Katzenkot, da Katzen als Endwirt des Parasiten gelten und infektiöse Oozysten ausscheiden
  • Kontaminierte Erde, z. B. beim Gartenarbeiten ohne Handschuhe
  • Ungewäschenes Obst und Gemüse, das mit dem Boden in Kontakt gekommen ist
  • Kontaminiertes Wasser in seltenen Fällen

Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich, außer von der Mutter auf das ungeborene Kind über die Plazenta.

Risiken für das ungeborene Kind

Das Risiko einer Übertragung auf das ungeborene Kind steigt mit fortschreitender Schwangerschaft. Gleichzeitig sind die Folgen einer Infektion im frühen Stadium der Schwangerschaft schwerwiegender:

  • Erstes Trimester: Übertragungsrisiko ca. 15 %, aber hohes Risiko für Fehlgeburt oder schwere Schäden
  • Zweites Trimester: Übertragungsrisiko ca. 30–40 %, mäßige Schädigungsgefahr
  • Drittes Trimester: Übertragungsrisiko ca. 60–70 %, meist leichtere Verläufe beim Kind

Mögliche Folgen für das Kind umfassen Hydrozephalus (Wasserkopf), Augenentzündungen (Chorioretinitis), Verkalkungen im Gehirn, geistige Behinderungen sowie in schweren Fällen eine Totgeburt.

Symptome bei der Mutter

Die meisten Schwangeren, die sich mit Toxoplasma gondii infizieren, bemerken keine oder nur sehr unspezifische Symptome. Wenn Beschwerden auftreten, können diese sein:

  • Leichte Lymphknotenschwellung, insbesondere am Hals
  • Leichtes Fieber
  • Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein
  • Grippeartigen Symptome

Aufgrund der häufig symptomlosen Infektion ist ein gezieltes Screening in der Schwangerschaft besonders wichtig.

Diagnose

Die Diagnose einer Toxoplasmose in der Schwangerschaft erfolgt hauptsächlich über Blutuntersuchungen:

  • Antikörpertests (IgM und IgG): IgM-Antikörper weisen auf eine frische Infektion hin, IgG-Antikörper auf eine frühere, abgelaufene Infektion
  • Aviditätstest: Bestimmt, wie stark die Antikörper an den Erreger binden, und hilft so, den Zeitpunkt der Infektion einzugrenzen
  • Pränataldiagnostik: Bei Verdacht auf eine fetale Infektion kann eine Amniozentese (Fruchtwasserpunktion) mit anschließender PCR-Untersuchung durchgeführt werden
  • Ultraschalluntersuchung: Zur Erkennung von kindlichen Veränderungen wie Hirnverkalkungen oder Hydrozephalus

In Deutschland ist ein Toxoplasmose-Screening nicht standardmäßig in den Mutterschaftsrichtlinien vorgeschrieben, wird aber von vielen Ärztinnen und Ärzten empfohlen und auf Wunsch durchgeführt.

Behandlung

Wenn eine aktive Toxoplasmose-Infektion in der Schwangerschaft festgestellt wird, ist eine antiparasitäre Behandlung möglich, um das Risiko einer Übertragung auf das Kind zu reduzieren und mögliche Schäden zu minimieren:

Vor der 16. Schwangerschaftswoche

Das Antibiotikum Spiramycin wird eingesetzt, um die Übertragung des Parasiten auf den Fetus zu verhindern. Spiramycin reichert sich in der Plazenta an und reduziert das Übertragungsrisiko, wirkt jedoch nicht direkt gegen eine bereits bestehende fetale Infektion.

Nach der 16. Schwangerschaftswoche oder bei bestätigter fetaler Infektion

Die Kombination aus Pyrimethamin, Sulfadiazin und Folinsäure (zum Schutz des Knochenmarks) wird eingesetzt. Diese Kombination wirkt direkt gegen den Parasiten und kann auch eine bereits bestehende Infektion beim Fetus behandeln. Die Therapie muss ärztlich engmaschig überwacht werden.

Prävention: So schützen sich Schwangere

Da es keine zugelassene Schutzimpfung gegen Toxoplasmose gibt, sind hygienische Maßnahmen die wichtigste Vorbeugung:

  • Kein Verzehr von rohem oder unzureichend gegartem Fleisch
  • Händewaschen nach dem Umgang mit rohem Fleisch, Erde oder Katzen
  • Katzenstreu sollte von einer anderen Person gewechselt werden; wenn nicht möglich, Einweghandschuhe tragen
  • Obst und Gemüse gründlich waschen und schälen
  • Gartenarbeiten nur mit Handschuhen durchführen
  • Rohkäse und nicht pasteurisierte Milchprodukte meiden

Quellen

  1. Robert Koch-Institut (RKI): Toxoplasmose – RKI-Ratgeber. Verfügbar unter: www.rki.de (Stand: 2023)
  2. Montoya JG, Liesenfeld O. Toxoplasmosis. Lancet. 2004;363(9425):1965–1976. doi:10.1016/S0140-6736(04)16412-X
  3. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Leitlinien zur pränatalen Diagnostik und Therapie infektiöser Erkrankungen in der Schwangerschaft (2022)
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