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TSH Wert Schwangerschaft

Was ist der TSH-Wert in der Schwangerschaft?

Der TSH-Wert (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) ist ein Laborwert, der die Funktion der Schilddrüse widerspiegelt. TSH wird von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) ausgeschüttet und steuert, wie viel Schilddrüsenhormon produziert wird. Während der Schwangerschaft verändert sich der TSH-Wert aufgrund hormoneller Umstellungen erheblich – eine regelmäßige Überwachung ist daher besonders wichtig.

Warum ist der TSH-Wert in der Schwangerschaft so bedeutsam?

Schilddrüsenhormone sind für die Gehirnentwicklung und das Wachstum des ungeborenen Kindes unentbehrlich. In den ersten zwölf Schwangerschaftswochen ist das Baby noch nicht in der Lage, eigene Schilddrüsenhormone zu produzieren und ist vollständig auf die Versorgung durch die Mutter angewiesen. Eine gestörte Schilddrüsenfunktion kann daher sowohl die Mutter als auch das Kind belasten.

Normwerte des TSH in der Schwangerschaft

Die Referenzwerte für TSH unterscheiden sich in der Schwangerschaft von den allgemeinen Normalwerten. Während außerhalb der Schwangerschaft ein TSH-Wert von etwa 0,4 bis 4,0 mIU/l als normal gilt, empfehlen Fachgesellschaften während der Schwangerschaft folgende trimesterspezifische Richtwerte:

  • 1. Trimester (Wochen 1–12): 0,1 – 2,5 mIU/l
  • 2. Trimester (Wochen 13–24): 0,2 – 3,0 mIU/l
  • 3. Trimester (Wochen 25–40): 0,3 – 3,0 mIU/l

Bitte beachten Sie, dass diese Werte je nach Labor und angewandten Richtlinien leicht variieren können. Die genaue Beurteilung sollte immer durch eine Ärztin oder einen Arzt erfolgen.

Ursachen für veränderte TSH-Werte in der Schwangerschaft

Im ersten Trimester führt das Schwangerschaftshormon hCG (humanes Choriongonadotropin) dazu, dass die Schilddrüse stärker angeregt wird, was den TSH-Wert natürlicherweise absenkt. Weitere Ursachen für abweichende TSH-Werte können sein:

  • Hashimoto-Thyreoiditis: Eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, häufige Ursache einer Unterfunktion
  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): TSH-Wert erhöht, zu wenig Schilddrüsenhormon im Blut
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): TSH-Wert erniedrigt, zu viel Schilddrüsenhormon
  • Jodmangel: Kann die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen
  • Gestationsthyreoiditis: Eine vorübergehende Schilddrüsenstörung, die speziell in der Schwangerschaft auftreten kann

Symptome bei verändertem TSH-Wert

Bei erhöhtem TSH (Unterfunktion)

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Gewichtszunahme
  • Kältegefühl
  • Verstopfung
  • Konzentrationsprobleme
  • Depressive Verstimmung

Bei erniedrigtem TSH (Überfunktion)

  • Herzrasen und Unruhe
  • Gewichtsverlust trotz normaler Ernährung
  • Schweissausbrüche
  • Zittern
  • Schlafstörungen

Viele dieser Symptome können auch typische Schwangerschaftsbeschwerden sein, weshalb ein Bluttest zur Kontrolle des TSH-Wertes besonders wichtig ist.

Diagnose und Kontrolle des TSH-Werts

Der TSH-Wert wird durch eine einfache Blutuntersuchung bestimmt. Bei bekannter Schilddrüsenerkrankung oder auffälligen Werten werden häufig zusätzlich die freien Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 sowie TPO-Antikörper gemessen. Frauen mit Schilddrüsenerkrankungen sollten den TSH-Wert regelmäßig überprüfen lassen – idealerweise alle vier bis sechs Wochen im ersten Trimester.

Behandlung bei auffälligem TSH-Wert in der Schwangerschaft

Die Behandlung richtet sich nach der Art der Schilddrüsenstörung:

  • Bei Unterfunktion (erhöhter TSH): Gabe von Levothyroxin (synthetisches Schilddrüsenhormon), das sicher während der Schwangerschaft eingenommen werden kann. Die Dosis wird regelmäßig angepasst.
  • Bei Überfunktion (erniedrigter TSH): Je nach Ursache können Thyreostatika eingesetzt werden, die die Schilddrüsenhormonproduktion hemmen.
  • Jodsubstitution: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt schwangeren Frauen eine tägliche Jodzufuhr von 230 µg, da Jod für die Schilddrüsenfunktion essenziell ist.

Empfehlungen für Schwangere

  • TSH-Wert frühzeitig in der Schwangerschaft bestimmen lassen
  • Bei bekannter Schilddrüsenerkrankung engmaschige Kontrollen vereinbaren
  • Jodhaltige Lebensmittel (z.B. Seefisch, jodiertes Speisalz) regelmäßig verzehren
  • Medikamente zur Schilddrüsenbehandlung nicht ohne Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt absetzen
  • Bei unklaren Symptomen wie starker Müdigkeit oder Herzrasen ärztlichen Rat einholen

Quellen

  1. Alexander EK et al. - 2017 Guidelines of the American Thyroid Association for the Diagnosis and Management of Thyroid Disease During Pregnancy and the Postpartum. Thyroid. 2017;27(3):315-389.
  2. Bundesministerium für Gesundheit (BMG) - Schilddrüse und Schwangerschaft. Verfügbar unter: www.bundesgesundheitsministerium.de
  3. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) - Leitlinien zur Schilddrüsenfunktion in der Schwangerschaft. 2022.
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