Was ist Verstopfung nach der Geburt?
Verstopfung nach der Geburt, auch postpartale Obstipation genannt, bezeichnet eine gestörte Darmfunktion in den ersten Tagen und Wochen nach der Entbindung. Viele Frauen haben nach der Geburt Schwierigkeiten, normal Stuhlgang zu haben – der Stuhl ist hart, der Stuhlgang schmerzhaft oder bleibt gänzlich aus. Dieses Phänomen ist im Wochenbett weit verbreitet und betrifft sowohl Frauen nach einer vaginalen Geburt als auch nach einem Kaiserschnitt.
Ursachen
Die postpartale Verstopfung kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst oder verstärkt werden:
- Hormonelle Veränderungen: Nach der Geburt sinkt der Progesteronspiegel abrupt ab. Während der Schwangerschaft verlangsamt Progesteron die Darmbewegung, und dieser Effekt kann noch kurzzeitig anhalten.
- Schmerzmittel (Opioide): Opioidhaltige Schmerzmittel wie Codein oder Tramadol, die häufig nach der Geburt oder einem Kaiserschnitt eingesetzt werden, verlangsamen die Darmperistaltik erheblich.
- Schwache Beckenbodenmuskulatur: Durch die Belastung während der Geburt kann die Beckenbodenmuskulatur geschwächt sein, was das Pressen beim Stuhlgang erschwert.
- Angst vor Schmerzen: Viele Wöchnerinnen möchten nach einer Dammnaht oder einem Kaiserschnitt das Pressen vermeiden, da sie Schmerzen oder das Platzen der Nähte befürchten.
- Flüssigkeitsmangel: Durch Schwitzen, Stillen und den erhöhten Flüssigkeitsbedarf kann es zu Dehydrierung kommen, die den Stuhl verhärtet.
- Ballaststoffarme Ernährung: Im Wochenbett wird die Ernährung manchmal vernachlässigt, was die Darmfunktion zusätzlich beeinträchtigt.
- Kaiserschnitt: Nach einem Kaiserschnitt kann die Darmperistaltik durch die Narkose und den operativen Eingriff für mehrere Tage eingeschränkt sein.
- Hämorrhoiden: Schwangerschafts- und geburtsbedingte Hämorrhoiden können den Stuhlgang schmerzhaft machen und so zu einem bewussten Zurückhalten führen.
Symptome
Die Symptome der postpartalen Verstopfung können je nach Schweregrad variieren und umfassen:
- Seltener Stuhlgang (weniger als dreimal pro Woche)
- Harter, trockener oder klumpiger Stuhl
- Schmerzen oder starkes Pressen beim Stuhlgang
- Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
- Blähungen und Bauchkrämpfe
- Druckgefühl im Unterbauch
Wann zum Arzt?
In den meisten Fällen ist postpartale Verstopfung harmlos und klingt nach einigen Tagen von selbst ab. Dennoch sollte ärztlicher Rat gesucht werden, wenn:
- der erste Stuhlgang nach der Geburt länger als drei bis vier Tage ausbleibt,
- starke Bauchschmerzen oder Fieber auftreten,
- Blut im Stuhl festgestellt wird,
- der Zustand trotz Hausmitteln und Lebensstiländerungen nicht besser wird.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt üblicherweise auf Basis der klinischen Anamnese und der Beschreibung der Symptome durch die Patientin. Eine körperliche Untersuchung, bei der der Bauch abgetastet wird, kann zusätzliche Hinweise liefern. In seltenen Fällen sind weiterführende Untersuchungen wie eine Ultraschalluntersuchung oder eine Blutabnahme notwendig, um andere Ursachen auszuschließen.
Behandlung und Tipps
Ernährungsmaßnahmen
Eine ballaststoffreiche Ernährung ist eine der wichtigsten Maßnahmen gegen postpartale Verstopfung. Empfehlenswerte Lebensmittel sind:
- Vollkornprodukte (Vollkornbrot, Haferflocken)
- Früchte wie Pflaumen, Feigen und Birnen
- Gemüse wie Brokkoli, Karotten und Spinat
- Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen
Ausreichend trinken
Mindestens 2–3 Liter Flüssigkeit pro Tag, vorzugsweise Wasser oder ungezuckerte Kräutertees, helfen dabei, den Stuhl weich zu halten. Stillende Frauen haben einen noch höheren Flüssigkeitsbedarf.
Bewegung
Sanfte Bewegung wie kurze Spaziergänge fördert die Darmperistaltik und kann die Verdauung anregen. Überbelastung sollte jedoch vermieden werden, insbesondere nach einem Kaiserschnitt.
Abführmittel und Medikamente
Falls Ernährungsänderungen nicht ausreichen, können Lactulose oder Macrogol (osmotisch wirkende Abführmittel) eingesetzt werden, die auch für stillende Mütter als sicher gelten. Glycerin-Zäpfchen können zur kurzzeitigen lokalen Anwendung eingesetzt werden. Mineralien wie Magnesium können ebenfalls die Darmfunktion unterstützen. Stimulierende Abführmittel wie Bisacodyl sollten nur nach Rücksprache mit dem Arzt oder der Hebamme eingenommen werden.
Beckenbodentraining
Gezielte Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur können helfen, die normale Darmfunktion wiederherzustellen und auch langfristig Beschwerden vorzubeugen.
Prävention
Schon während der Schwangerschaft und direkt nach der Geburt können vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden:
- Ballaststoffreiche Ernährung bereits in der Schwangerschaft beibehalten
- Ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen
- Sanfte körperliche Aktivität aufrechterhalten
- Bei der Einnahme von opioidhaltigen Schmerzmitteln prophylaktisch Abführmittel mit dem Arzt besprechen
Quellen
- Schaefer, C., Spielmann, H., Vetter, K.: Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit. 9. Auflage. Elsevier, München 2023.
- Turawa, E. B., Musekiwa, A., Rohwer, A. C.: Interventions for treating postpartum constipation. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2014. DOI: 10.1002/14651858.CD010273.pub2.
- World Health Organization (WHO): Postnatal Care for Mothers and Newborns – Highlights from the World Health Organization 2013 Guidelines. WHO Press, Genf 2015.