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Wachstumsschub Kleinkind

Was ist ein Wachstumsschub beim Kleinkind?

Als Wachstumsschub (auch Wachstumsspurt genannt) bezeichnet man eine kurze Phase, in der Kleinkinder besonders schnell an Körpergröße und Gewicht zunehmen und gleichzeitig wichtige geistige sowie motorische Fähigkeiten entwickeln. Solche Schübe treten nicht gleichmäßig auf, sondern in bestimmten Phasen der Kindheit, in denen der Körper besonders viel Energie und Nährstoffe benötigt. Wachstumssschübe gehören zur normalen kindlichen Entwicklung und sind ein Zeichen dafür, dass das Kind gesund heranwächst.

Wann treten Wachstumssschübe bei Kleinkindern auf?

Im Kleinkindalter (etwa 1 bis 3 Jahre) verläuft das Wachstum insgesamt langsamer als im Säuglingsalter, jedoch treten weiterhin regelmäßige Schübe auf. Typische Phasen, in denen Kleinkinder einen Wachstumsschub erleben, sind:

  • Rund um den 12. Lebensmonat (1. Geburtstag)
  • Zwischen dem 15. und 18. Lebensmonat
  • Um den 2. Geburtstag herum
  • Zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr, oft verbunden mit einem Sprachentwicklungsschub

Diese Zeitangaben sind Richtwerte. Jedes Kind ist individuell und kann Wachstumssschübe zu leicht unterschiedlichen Zeitpunkten erleben.

Anzeichen und Symptome eines Wachstumsschubs

Eltern bemerken einen Wachstumsschub oft an typischen Veränderungen im Verhalten und im Befinden des Kindes. Häufige Anzeichen sind:

  • Erhöhter Hunger und Appetit: Das Kind möchte häufiger oder größere Mahlzeiten essen, da der Körper mehr Energie und Baustoffe für das Wachstum benötigt.
  • Verändertes Schlafverhalten: Kleinkinder schlafen während eines Wachstumsschubs oft mehr als sonst, da im Schlaf wichtige Wachstumshormone ausgeschüttet werden. Manche Kinder schlafen jedoch auch unruhiger.
  • Quengeligkeit und Weinerlichkeit: Das Kind wirkt gereizter, klammert sich stärker an Bezugspersonen und zeigt mehr Bedürfnis nach Nähe und Trost.
  • Veränderter Entwicklungsstand: Nach einem Wachstumsschub können Kinder plötzlich neue Fähigkeiten zeigen, etwa neue Wörter sprechen, besser laufen oder neue motorische Fertigkeiten beherrschen.
  • Müdigkeit und erhöhtes Ruhebedarf: Der Körper investiert viel Energie in das Wachstum, was zu allgemeiner Müdigkeit führen kann.

Ursachen und biologische Hintergründe

Wachstumssschübe werden durch ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen, genetischen Faktoren und äußeren Einflüssen gesteuert. Das Wachstumshormon (Somatotropin), das hauptsächlich im Tiefschlaf ausgeschüttet wird, spielt dabei eine zentrale Rolle. Auch Schilddrüsenhormone und, später in der Pubertät, Sexualhormone tragen zum Wachstum bei. Die genetische Veranlagung der Eltern beeinflusst maßgeblich, wie groß ein Kind wird und in welchem Tempo es wächst.

Ernährung während eines Wachstumsschubs

Während eines Wachstumsschubs hat das Kind einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen. Eltern sollten auf eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung achten:

  • Protein: Wichtig für den Aufbau von Muskulatur und Gewebe. Gute Quellen sind Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte, Milchprodukte und Eier.
  • Kalzium und Vitamin D: Unentbehrlich für den Knochenaufbau. Kalzium ist in Milch, Käse und grünem Gemüse enthalten; Vitamin D wird über Sonnenlicht und angereicherte Lebensmittel aufgenommen.
  • Eisen: Für die Blutbildung und kognitive Entwicklung essenziell. Quellen sind rotes Fleisch, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte.
  • Gesunde Kohlenhydrate und Fette: Liefern die nötige Energie für das Wachstum und die Gehirnentwicklung.

Es ist normal, wenn das Kind in dieser Phase mehr essen möchte. Eltern sollten dem Kind auf seinen Hunger hören und gesunde Zwischenmahlzeiten anbieten, ohne Druck auszuuüben.

Wie lange dauert ein Wachstumsschub?

Ein einzelner Wachstumsschub dauert in der Regel nur wenige Tage bis maximal zwei Wochen. Danach normalisiert sich das Verhalten des Kindes meist wieder. Eltern müssen also keine langen Phasen der Unruhe befürchten. Die intensive Phase des Wachstums klingt in der Regel von selbst ab.

Wann sollten Eltern einen Arzt aufsuchen?

Wachstumssschübe sind natürliche und gesunde Entwicklungsphasen. In folgenden Fällen ist jedoch ärztlicher Rat empfehlenswert:

  • Das Kind wächst über längere Zeit deutlich langsamer als Gleichaltrige.
  • Das Kind nimmt trotz gutem Appetit nicht zu oder verliert sogar Gewicht.
  • Es bestehen zusätzliche Symptome wie Fieber, anhaltende Schmerzen oder Entwicklungsrückstände.
  • Die Eltern machen sich grundsätzlich Sorgen um die körperliche oder geistige Entwicklung des Kindes.

Der Kinderarzt kann die Wachstumskurve des Kindes beurteilen und bei Bedarf weitere Untersuchungen einleiten.

Tipps für Eltern während eines Wachstumsschubs

  • Geduld zeigen: Die Phase ist vorübergehend. Das erhöhte Bedürfnis nach Nähe und Trost ist normal.
  • Ausreichend Schlaf ermöglichen: Gute Schlafbedingungen unterstützen die Ausschüttung von Wachstumshormonen.
  • Gesunde Ernährung anbieten: Regelmäßige, nährstoffreiche Mahlzeiten und gesunde Snacks helfen dem Körper beim Wachsen.
  • Bewegung fördern: Aktives Spielen und Bewegung unterstützen die motorische Entwicklung und Knochengesundheit.
  • Routinen beibehalten: Feste Strukturen im Tagesablauf geben dem Kind Sicherheit während der oft unruhigen Wachstumsphasen.

Quellen

  1. Largo, R. H. - Babyjahre: Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren. Piper Verlag, München, 2019.
  2. World Health Organization (WHO) - Child Growth Standards. Verfügbar unter: https://www.who.int/tools/child-growth-standards (abgerufen 2024).
  3. Koletzko, B. et al. - Ernährung und Wachstum im Kindesalter. Monatsschrift Kinderheilkunde, Springer Medizin, 2020.
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