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Wadenwickel Kleinkind

Was sind Wadenwickel?

Wadenwickel sind eine traditionelle Hausmethode, bei der feuchte Tücher um die Waden eines Kindes gewickelt werden, um Fieber zu senken. Die Verdunstungswärme, die dabei entsteht, entzieht dem Körper Wärme und kann die Körpertemperatur des Kleinkindes sanft und natürlich reduzieren. Sie werden seit Generationen in der Kinderpflege eingesetzt und gelten als schonendes Hausmittel bei erhöhter Temperatur.

Wann sind Wadenwickel bei Kleinkindern geeignet?

Wadenwickel können bei Kleinkindern angewendet werden, wenn die folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Das Kind hat Fieber ab etwa 38,5 °C, ist aber ansonsten in einem stabilen Zustand.
  • Die Hände und Füße des Kindes sind warm – ein Zeichen, dass der Körper Hitze abgibt und die Gefäße geöffnet sind.
  • Das Kind friert nicht und zittert nicht.
  • Das Kind ist wach und kooperativ genug für die Anwendung.

Wichtig: Wadenwickel sind nur geeignet, wenn das Kind keine kalten Füße oder Hände hat. Bei kalten Extremitäten wäre der Körper noch in der Phase der Fieberentstehung (Anstiegsphase), in der Wadenwickel kontraindiziert sind, da sie den Körper weiter abkühlen und das Krampfrisiko erhöhen können.

Ab welchem Alter können Wadenwickel angewendet werden?

Wadenwickel sind grundsätzlich ab dem Säuglingsalter möglich, jedoch sollten bei Säuglingen unter 6 Monaten keine Wadenwickel ohne Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt angewendet werden. Bei sehr jungen Säuglingen ist Fieber immer ein medizinischer Notfall, der ärztlich abgeklärt werden muss. Für Kleinkinder ab dem ersten Lebensjahr können Wadenwickel unter Beachtung der Voraussetzungen sicher eingesetzt werden.

Durchführung: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Die korrekte Anwendung von Wadenwickeln ist entscheidend für deren Wirksamkeit und die Sicherheit des Kindes:

  • Schritt 1 – Material vorbereiten: Zwei bis drei Baumwolltücher oder Waschlappen in lauwarmem Wasser (nicht kalt – etwa 20–25 °C, ca. 5 Grad unter der Körpertemperatur des Kindes) anfeuchten und leicht ausringen.
  • Schritt 2 – Inneres Tuch anlegen: Das feuchte Tuch fest, aber bequem um die nackten Waden des Kindes wickeln.
  • Schritt 3 – Äußeres Tuch anlegen: Ein trockenes Tuch darüber wickeln, um ein zu schnelles Auskühlen zu verhindern.
  • Schritt 4 – Einwirkzeit: Den Wickel 10–15 Minuten einwirken lassen. Sobald das Tuch die Körperwärme angenommen hat, kann der Vorgang wiederholt werden.
  • Schritt 5 – Beobachten: Während der Anwendung das Kind sorgfältig beobachten. Bei Frieren, Zittern oder Verschlechterung des Zustands den Wickel sofort entfernen.

Die Prozedur kann 2–3 Mal wiederholt werden, bis eine Fiebersenkung von ca. 0,5–1 °C erreicht wird. Wadenwickel ersetzen jedoch keine fiebersenkenden Medikamente bei sehr hohem Fieber.

Wann sind Wadenwickel nicht geeignet?

In folgenden Situationen sollten Wadenwickel nicht angewendet werden:

  • Bei kalten Händen und Füßen des Kindes (Fieberanstiegsphase)
  • Bei Schüttelfrost oder Zittern
  • Bei Säuglingen unter 3 Monaten mit Fieber – immer sofort zum Arzt
  • Bei bekannten Fieberkrämpfen in der Vorgeschichte – ärztlichen Rat einholen
  • Bei offenen Wunden, Hauterkrankungen oder Durchblutungsstörungen an den Beinen
  • Bei sehr hohem Fieber über 40 °C – hier ist ärztliche Behandlung notwendig

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Eltern sollten bei Kleinkindern mit Fieber unbedingt einen Arzt aufsuchen, wenn:

  • Das Fieber über 40 °C steigt oder trotz Behandlung nicht sinkt
  • Das Kind unter 3 Monate alt ist und eine Temperatur über 38 °C hat
  • Das Kind Krampfanfälle bekommt
  • Das Kind sehr schläfrig, teilnahmslos oder schwer weckbar ist
  • Das Fieber länger als 3 Tage andauert
  • Weitere Symptome wie Hautausschlag, Atemprobleme oder starke Nackensteife auftreten

Wissenschaftliche Evidenz und Empfehlungen

Die Wirksamkeit von Wadenwickeln zur unterstützenden Fiebersenkung ist in Studien belegt. Sie können die Körpertemperatur bei Kindern um 0,5 bis 1 °C senken und werden von pädiatrischen Fachgesellschaften als sinnvolle ergänzende Maßnahme anerkannt – insbesondere dann, wenn antipyretische Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen allein nicht ausreichen oder als Unterstützung eingesetzt werden sollen. Sie ersetzen jedoch keine medikamentöse Therapie bei sehr hohem oder lang anhaltendem Fieber.

Quellen

  1. Kinderkrankenpflege und Gesundheitsförderung – Flemming, D. et al. (2022). Hausmittel und Pflegemaßnahmen in der Pädiatrie. Stuttgart: Thieme Verlag.
  2. Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ) – Empfehlungen zum Umgang mit Fieber bei Kindern. Verfügbar unter: https://www.dgkj.de
  3. World Health Organization (WHO) – Pocket Book of Hospital Care for Children, 2. Auflage (2013). Geneva: WHO Press.
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