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Wassereinlagerung nach Geburt

Was sind Wassereinlagerungen nach der Geburt?

Wassereinlagerungen nach der Geburt, medizinisch als postpartale Ödeme bezeichnet, sind eine häufige Erscheinung bei jungen Müttern. Während der Schwangerschaft speichert der Körper deutlich mehr Flüssigkeit als normal, um die wachsende Gebärmutter, die Plazenta und das ungeborene Kind zu versorgen. Nach der Geburt muss der Organismus diese überschüssige Flüssigkeit erst nach und nach abbauen, was einige Tage bis Wochen in Anspruch nehmen kann.

Besonders häufig betroffen sind die Beine, Knöchel, Füße und Hände. In manchen Fällen kann auch das Gesicht geschwollen wirken. Obwohl diese Schwellungen unangenehm sein können, sind sie in der Regel harmlos und temporär.

Ursachen

Die Wassereinlagerungen nach der Geburt haben verschiedene Ursachen, die häufig zusammenwirken:

  • Hormonelle Veränderungen: Das Hormon Östrogen förert während der Schwangerschaft die Flüssigkeitsspeicherung im Gewebe. Nach der Geburt sinkt der Östrogenspiegel schrittweise, was den Rückgang der Ödeme einleitet.
  • Erhöhtes Blutvolumen: Während der Schwangerschaft steigt das Blutvolumen um bis zu 50 Prozent an. Dieser überschüssige Anteil wird nach der Geburt über den Urin und Schweiß ausgeschieden.
  • Geburtsvorgang: Besonders bei langen oder schwierigen Geburten können große Mengen intraventöser Flüssigkeiten verabreicht worden sein, die das Ödem verstärken.
  • Kaiserschnitt: Nach einem Kaiserschnitt sind Wassereinlagerungen oft ausgeprägter, da der Körper zusätzlich auf den operativen Eingriff reagiert.
  • Bewegungsmangel: Eingeschränkte Mobilität nach der Geburt kann den Lymphabfluss verlangsamen und Ödeme begünstigen.
  • Erhöhter Salzkonsum: Eine natriumreiche Ernährung kann die Flüssigkeitsspeicherung im Gewebe zusätzlich verstärken.

Symptome

Typische Zeichen für Wassereinlagerungen nach der Geburt sind:

  • Sichtbare Schwellungen an den Beinen, Knöcheln, Füßen und Händen
  • Spannungsgefühl oder Drückgefühl in den betroffenen Körperregionen
  • Eindrückbare Schwellung (sogenanntes Pitting-Ödem): Beim Eindrücken mit dem Finger bleibt eine Delle sichtbar
  • Allgemeines Schwere- und Müdigkeitsgefühl
  • Enge in Schuhen oder Ringen, die zuvor gut passten

Wann zum Arzt?

In den meisten Fällen sind postpartale Wassereinlagerungen harmlos. Dennoch sollten Betroffene ärztlichen Rat einholen, wenn:

  • die Schwellungen einseitig auftreten oder mit starken Schmerzen verbunden sind (mögliche Thrombose)
  • zusätzlich starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder ein sehr hoher Blutdruck auftreten (Hinweis auf Präeklampsie oder Eklampsie im Wochenbett)
  • die Schwellungen nach zwei bis vier Wochen nicht deutlich zurückgegangen sind
  • Atemnot oder Brustschmerzen begleitend auftreten

Diagnose

Der Arzt oder die Ärztin erhebt zunächst eine ausführliche Anamnese (Krankengeschichte) und führt eine körperliche Untersuchung durch. Dabei werden unter anderem der Blutdruck gemessen und die Schwellungen beurteilt. Je nach Befund können zusätzliche Untersuchungen wie Bluttests (z. B. Nieren- und Leberwerte, Entzündungsparameter), eine Urinanalyse oder ein Ultraschall der Beinvenen zum Ausschluss einer Thrombose angeordnet werden.

Behandlung und Selbsthilfemaßnahmen

Bei harmlosen postpartalen Wassereinlagerungen stehen einfache Selbsthilfemaßnahmen im Vordergrund:

Bewegung und Hochlagern

  • Regelmäßige, leichte Bewegung wie Spazierengänge fördert den Lymphfluss und den venous Rücktransport.
  • Beine mehrmals täglich hochlagern (idealerweise oberhalb des Herzens) unterstützt den Abfluss der Gewebeflüssigkeit.

Ernährung und Trinken

  • Ausreichend trinken (mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag) hilft dem Körper, überschüssige Flüssigkeit über die Nieren auszuscheiden.
  • Salzarme Ernährung kann Wassereinlagerungen reduzieren.
  • Kaliumreiche Lebensmittel wie Bananen, Kartoffeln und Hülsenfrüchte unterstützen den Flüssigkeitshaushalt.

Kompression

  • Das Tragen von Kompressionsstrümpfen kann die Schwellungen an den Beinen deutlich lindern und den venos Rückfluss verbessern.

Manuelle Lymphdrainage

  • Eine professionelle manuelle Lymphdrainage durch einen Physiotherapeuten oder eine Physiotherapeutin kann bei ausgeprägten Ödemen verordnet werden und den Abtransport der Gewebeflüssigkeit beschleunigen.

Medikamentöse Behandlung

In der Regel sind keine Medikamente notwendig. Nur bei sehr ausgeprägten oder anhältenden Ödemen kann der Arzt oder die Ärztin gezielt Diuretika (harntreibende Mittel) verschreiben. Dies ist jedoch besonders bei stillenden Müttern sorgfältig abzuwägen.

Verlauf und Prognose

Bei den meisten Frauen klingen die Wassereinlagerungen nach der Geburt innerhalb von einer bis zwei Wochen deutlich ab. Der vollständige Rückgang kann jedoch bis zu vier bis sechs Wochen dauern. Stillende Mütter scheiden überschüssige Flüssigkeit häufig schneller aus, da der Stillprozess den Hormonhaushalt positiv beeinflusst. Persistierende oder sich verschlechternde Schwellungen sollten immer ärztlich abgeklärt werden.

Quellen

  1. Stiefel, A., Geist, C., Harder, U. (Hrsg.) (2020). Hebammenkunde. Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. 6. Auflage. Hippokrates Verlag, Stuttgart.
  2. World Health Organization (WHO) (2015). WHO Recommendations on Postnatal Care of the Mother and Newborn. WHO Press, Geneva. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241549585
  3. Saftlas, A.F., Logsden-Sackett, N., Wang, W., Woolson, R., Bracken, M.B. (2003). Work, leisure-time physical activity, and risk of preeclampsia and gestational hypertension. American Journal of Epidemiology, 160(8), 758-765. PubMed PMID: 14561664.
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