Was sind Wehen?
Wehen sind unwillkürliche, rhythmische Muskelkontraktionen der Gebärmutter (Uterus), die während der Geburt auftreten. Sie dienen dazu, den Muttermund zu öffnen und das Kind durch den Geburtskanal zu befördern. Wehen sind ein natürlicher, physiologischer Vorgang und ein zentrales Merkmal des Geburtsprozesses. Sie können jedoch auch außerhalb der Geburt in verschiedenen Formen auftreten.
Arten von Wehen
Vorwehen (Braxton-Hicks-Kontraktionen)
Vorwehen, auch als Braxton-Hicks-Kontraktionen bekannt, treten bereits ab der Mitte der Schwangerschaft auf. Sie sind unregelmäßig, meist schmerzlos und dienen der Vorbereitung der Gebärmutter auf die Geburt. Sie führen nicht zu einer Öffnung des Muttermundes.
Senkwehen
Senkwehen treten einige Wochen vor der Geburt auf. Durch sie senkt sich der Kopf des Kindes tiefer ins Becken der Mutter ab. Schwangere bemerken oft eine Erleichterung beim Atmen, aber verstärkten Druck nach unten.
Eroöffnungswehen
Eröffnungswehen leiten die aktive Geburtsphase ein. Sie treten regelmäßig auf, werden stärker, länger und häufiger und führen zur vollständigen Öffnung des Muttermundes auf etwa 10 cm.
Presswehen
Presswehen treten in der Austreibungsphase auf, wenn der Muttermund vollständig eröffnet ist. Sie sind besonders stark und helfen dabei, das Kind durch den Geburtskanal zu drücken.
Nachgeburtswehen
Nachgeburtswehen folgen nach der Geburt des Kindes und dienen der Ausstoung der Plazenta sowie der Rückbildung der Gebärmutter.
Ursachen und Auslöser von Wehen
Die genauen Mechanismen, die Wehen auslösen, sind komplex und noch nicht vollständig erforscht. Folgende Faktoren spielen eine wichtige Rolle:
- Hormonelle Veränderungen: Ein Anstieg des Hormons Oxytocin sowie eine Veränderung des Verhältnisses von Östrogen zu Progesteron gegen Ende der Schwangerschaft fördern die Wehentätigkeit.
- Prostaglandine: Diese gewebshormonähnlichen Substanzen werden in der Gebärmutterschleimhaut und den Eihäuten gebildet und stimulieren Kontraktionen.
- Reifung des Kindes: Signale des kindlichen Gehirns und der kindlichen Lunge gelten als Auslöser für den Geburtsbeginn.
- Dehnung der Gebärmutter: Die zunehmende Größe des Kindes dehnt den Uterus und begünstigt die Kontraktionsbereitschaft.
Symptome und Merkmale echter Wehen
Echte Geburtswehen unterscheiden sich von Vorwehen durch folgende Merkmale:
- Regelmäßige Abstände zwischen den Kontraktionen, die im Verlauf kürzer werden
- Zunehmende Intensität und Dauer der Schmerzen
- Schmerzen, die oft im Rücken beginnen und in den Unterleib ausstrahlen
- Keine Linderung durch Positionswechsel oder Ruhe
- Möglicher Abgang von Fruchtwasser oder dem Schleimpfropf
Diagnose und Beurteilung der Wehentätigkeit
Die Beurteilung der Wehen erfolgt durch verschiedene Methoden:
- Kardiotokografie (CTG): Ein Gerät, das gleichzeitig die Herzfrequenz des Kindes und die Wehentätigkeit der Mutter aufzeichnet. So können Regelmäßigkeit, Dauer und Stärke der Wehen überwacht werden.
- Tastuntersuchung (Palpation): Die Hebamme oder der Arzt bzw. die Ärztin tastet die Gebärmutter ab, um die Kontraktion zu beurteilen.
- Vaginale Untersuchung: Überprüfung des Muttermundes auf Öffnung, Verstreichen und Stellung des kindlichen Kopfes.
Umgang mit Wehenschmerzen und Behandlungsmöglichkeiten
Es gibt verschiedene Methoden zur Schmerzlinderung während der Wehen:
Nicht-medikamentöse Methoden
- Atemtechniken und Entspannungsübungen aus dem Geburtsvorbereitungskurs
- Bewegung, Positionswechsel und Nutzung eines Geburtsballs
- Wärme (z. B. warmes Bad, Wärmflasche im Rücken)
- Massage und Akupressur
- Unterwassergeburt (Wassergeburt)
Medikamentöse Methoden
- Periduralanästhesie (PDA): Eine lokale Betäubung im Bereich der Wirbelsäule, die sehr wirksam Wehenschmerzen lindert, ohne das Bewusstsein zu beeinflußen.
- Lachgas (Distickstoffmonoxid): Wird eingeatmet und wirkt schmerzlindernd und entspannend.
- Opioidhaltige Schmerzmittel: Zum Beispiel Pethidin, werden intravenös oder intramuskulär verabreicht.
Wann sollte man ins Krankenhaus?
Folgende Anzeichen sind ein Signal, umgehend die Klinik aufzusuchen:
- Regelmäßige Wehen alle 5 Minuten oder kürzer
- Blasensprung oder Abgang von Fruchtwasser
- Starke vaginale Blutungen
- Deutliche Abnahme der Kindsbewegungen
- Starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Schwellungen (mögliche Zeichen einer Präeklampsie)
- Wehen vor der 37. Schwangerschaftswoche (Zeichen frühzeitiger Wehentätigkeit)
Frühzeitige Wehentätigkeit
Treten Wehen vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche auf, spricht man von Frühgeburtswehen. Diese können mit wehenhemmenden Medikamenten (Tokolytika) behandelt werden, um die Schwangerschaft zu verlängern und dem Kind mehr Zeit zur Entwicklung zu geben. Eine sofortige ärztliche Beurteilung ist in diesem Fall notwendig.
Quellen
- Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K.T.M. (Hrsg.): Die Geburtshilfe. 5. Auflage, Springer Medizin Verlag, Berlin 2016.
- World Health Organization (WHO): WHO recommendations: intrapartum care for a positive childbirth experience. Geneva: WHO, 2018. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241550215
- Cunningham, F.G. et al.: Williams Obstetrics. 26th Edition, McGraw-Hill Education, New York 2022.