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Wehencocktail Rezept

Was ist der Wehencocktail?

Der Wehencocktail ist ein traditionelles Hausmittel, das seit Jahrzehnten von schwangeren Frauen gegen Ende der Schwangerschaft eingesetzt wird, um die Geburtseinleitung anzuregen. Er wird meistens auf Empfehlung von Hebammen oder im Rahmen eines ärztlichen Begleitprogramms verabreicht und ist kein offizielles Medikament. Dennoch ist er weit verbreitet und wird in vielen Gebärkliniken und Geburtsvorbereitungskursen erwähnt.

Der wichtigste Wirkstoff im Wehencocktail ist Rizinusöl (Castoröl), das aus den Samen des Rizinusstrauchs (Ricinus communis) gewonnen wird. Es gilt als wehenfördernd, da es im Darm bestimmte Reaktionen auslöst, die indirekt Gebärmutterkontraktionen stimulieren können.

Das klassische Rezept

Das Rezept des Wehencocktails variiert je nach Region, Hebamme oder Klinik. Ein weit verbreitetes Grundrezept lautet:

  • 40–50 ml Rizinusöl (Castoröl)
  • 250 ml Aprikosensaft (alternativ: Orangensaft oder Mandelsäfte)
  • 1–2 Tesslöffel Mandelöl oder Aprikosenkernöl (optional, zur Geschmacksverbesserung)
  • Ein Schüsschen Champagner oder Sekt (optional, in manchen Versionen)

Alle Zutaten werden gut miteinander vermischt oder mit einem Mixer emulgiert, damit sich das Öl besser mit dem Saft verbindet. Der Cocktail wird meist auf nüchternen Magen oder nach einem leichten Frühstück eingenommen.

Wirkmechanismus

Der Wirkmechanismus des Wehencocktails ist hauptsächlich auf das enthaltene Rizinusöl zurückzuführen:

  • Rizinusöl wird im Dünndarm durch Enzyme in Rizinolsäure umgewandelt.
  • Rizinolsäure stimuliert Rezeptoren im Darm (EP3-Prostaglandin-Rezeptoren), was zu verstärkter Darmtätigkeit und Durchfall führt.
  • Diese gesteigerte Darmtätigkeit kann reflektorisch Kontraktionen der Gebärmutter auslösen, da Darm und Gebärmutter in enger anatomischer Nähe liegen und über gemeinsame Nervenbahnen miteinander verbunden sind.
  • Zusätzlich wird angenommen, dass Prostaglandine dabei eine Rolle spielen, die auch beim natürlichen Geburtsvorgang wichtig sind.

Anwendung und Zeitpunkt

Der Wehencocktail wird in der Regel erst ab der 40. Schwangerschaftswoche (SSW) und nach ärztlicher oder hebammenkundlicher Rücksprache eingesetzt. Er sollte niemals ohne professionelle Begleitung eingenommen werden. Häufig wird er im Rahmen einer ambulanten oder stationären Geburtseinleitung in der Klinik oder Geburtsstation verabreicht.

Die Wirkung tritt meist innerhalb von 1–3 Stunden ein, zunächst in Form von Darmbewegungen, und kann dann zur Einleitung oder Verstärkung von Wehen führen.

Wer sollte den Wehencocktail nicht einnehmen?

Der Wehencocktail ist nicht für jede Schwangere geeignet. Er sollte nicht angewendet werden bei:

  • Schwangerschaften unter der 40. SSW (ohne ärztliche Anweisung)
  • Beckenendlage des Kindes
  • vorherigen Kaiserschnitten oder Uterusoperationen
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • Plazenta prävia oder anderen Risikofaktoren
  • bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Rizinusöl

Mögliche Nebenwirkungen

Der Wehencocktail kann verschiedene Nebenwirkungen auslösen, die in den meisten Fällen temporär sind:

  • Durchfall und Magenkrämpfe (sehr häufig)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Dehydration bei anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden
  • In seltenen Fällen: zu starke oder zu häufige Wehen (Uterushyperstädie)
  • Stress für das ungeborene Kind durch zu intensive Wehen

Es ist daher wichtig, den Wehencocktail nur unter medizinischer Aufsicht einzunehmen und während der Anwendung das Wohlbefinden des Kindes zu überwachen (z. B. durch CTG – Cardiotokographie).

Wissenschaftliche Evidenz

Die wissenschaftliche Datenlage zum Wehencocktail ist begrenzt, aber es gibt einige klinische Studien, die eine gewisse Wirksamkeit bei der Einleitung oder Verstärkung von Wehen belegen. Eine häufig zitierte Studie aus dem Journal of Obstetrics zeigte, dass Rizinusöl bei ausgereifter Zervix die Geburtseinleitungsrate erhöhen kann. Die Wirksamkeit gilt jedoch als deutlich schwächer im Vergleich zu medikamentösen Methoden wie der Gabe von Prostaglandinen (Dinoproston) oder Oxytocin.

Medizinische Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) empfehlen den Wehencocktail nicht als Standardmethode zur Geburtseinleitung, schließen ihn aber auch nicht grundlegend aus, wenn er unter ärztlicher Begleitung erfolgt.

Quellen

  1. Tenore, J.L. (2003): Methods for Cervical Ripening and Induction of Labor. American Family Physician, 67(10), 2123–2128.
  2. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Leitlinie zur Geburtseinleitung (S1-Leitlinie), 2020. Verfügbar unter: www.dggg.de
  3. Kelly, A.J., Kavanagh, J., Thomas, J. (2013): Castor oil, bath and/or enema for cervical priming and induction of labour. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 7. DOI: 10.1002/14651858.CD003099.pub2
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