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Als wehenfördernde Lebensmittel bezeichnet man Nahrungsmittel, denen traditionell oder wissenschaftlich eine Wirkung auf die Anregung oder Verstärkung von Geburtswehen zugeschrieben wird. Viele Schwangere, die ihren errechneten Geburtstermin überschritten haben, greifen auf solche Hausmittel zurück. Medizinisch gesehen ist die Evidenz für die meisten dieser Lebensmittel begrenzt, einige wenige sind jedoch wissenschaftlich näher untersucht worden.
Datteln gehören zu den am besten untersuchten Lebensmitteln im Zusammenhang mit der Geburtsvorbereitung. Studien deuten darauf hin, dass der regelmäßige Verzehr von Datteln in den letzten Schwangerschaftswochen den Geburtsbeginn begünstigen, den Muttermund weicher machen und die Geburtseinleitung seltener notwendig machen kann. Datteln enthalten natürliche Verbindungen, die ähnlich wie Oxytocin – das wichtigste wehenauslösende Hormon – wirken können. Eine häufig empfohlene Menge sind 70–80 Gramm (etwa 6 Datteln) täglich ab der 36. Schwangerschaftswoche.
Ananas enthält das Enzym Bromelain, dem gewebeweichende Eigenschaften zugeschrieben werden. Theoretisch könnte Bromelain den Geburtskörper weicher machen und so zur Geburtseinleitung beitragen. Die Konzentration an Bromelain in frischer Ananas ist jedoch vergleichsweise gering, sodass sehr große Mengen nötig wären, um einen messbaren Effekt zu erzielen. Wissenschaftliche Belege für eine tatsächliche Wehenstimulation beim Menschen fehlen bislang.
Ingwer wird in der Volksmedizin vieler Länder als Mittel zur Unterstützung des Geburtsbeginns eingesetzt. Die bioaktiven Verbindungen im Ingwer, sogenannte Gingerole und Shogaole, können muskelstimulierend wirken. Belastbare klinische Studien zur wehenstimulierenden Wirkung bei Schwangeren liegen jedoch kaum vor. In kleinen Mengen gilt Ingwer während der Schwangerschaft als sicher, in großen Mengen sollte er jedoch mit Vorsicht eingesetzt werden.
Himbeerblatttee wird traditionell zur Geburtsvorbereitung empfohlen. Er soll die Gebärmuttermuskulatur stärken und so die Wehentätigkeit unterstützen. Einige kleinere Studien deuten auf eine leichte Schwächung der Geburtseinleitungsrate und eine verkürzte zweite Geburtsphase hin, die wissenschaftliche Grundlage ist jedoch noch nicht ausreichend für offizielle Empfehlungen. Er sollte erst ab der 32.–36. Schwangerschaftswoche und nach Rücksprache mit einer Hebamme eingenommen werden.
Scharfe Lebensmittel wie Chili oder Curry werden häufig als Wehenmittel erwähnt. Der Wirkstoff Capsaicin in Chili reizt die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts und kann Darmkontraktionen auslösen, die theoretisch auf die Gebärmutter übertragen werden. Wissenschaftliche Nachweise fehlen jedoch, und scharfe Speisen können bei Schwangeren Sodbrennen und Magenprobleme verursachen.
Lakritze enthält Glycyrrhizäure, die Einfluss auf den Hormonstoffwechsel nehmen kann. Einige Untersuchungen legen nahe, dass ein hoher Lakritzkonsum in der Schwangerschaft mit einem früheren Geburtsbeginn assoziiert sein könnte. Jedoch ist Lakritze in großen Mengen während der Schwangerschaft aus gesundheitlichen Gründen nicht zu empfehlen, da Glycyrrhizäure den Blutdruck erhöhen und die kindliche Entwicklung negativ beeinflussen kann.
Alle Maßnahmen zur Wehenförderung – auch mit Lebensmitteln – sollten nur nach dem errechneten Geburtstermin oder nach Rücksprache mit einer Hebamme oder einem Arzt bzw. einer Ärztin angewandt werden. Vor dem Geburtstermin könnte eine frühzeitige Wehenauslösung Risiken für das Kind bergen. Bei Risikoschwangerschaften ist besondere Vorsicht geboten.
Wenn eine Schwangerschaft über den errechneten Geburtstermin hinausgeht und medizinische Gründe vorliegen, ist eine ärztliche Geburtseinleitung die sicherste Methode. Dabei kommen medikamentöse Mittel wie Prostaglandine oder Oxytocin zum Einsatz, die unter klinischer Überwachung angewendet werden.