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Windpocken Schwangerschaft

Was sind Windpocken in der Schwangerschaft?

Windpocken (medizinisch: Varizellen) sind eine hochansteckende Viruserkrankung, die durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht wird. Während Windpocken im Kindesalter meist harmlos verlaufen, stellen sie in der Schwangerschaft ein erhöhtes gesundheitliches Risiko dar – sowohl für die werdende Mutter als auch für das ungeborene Kind. Schwangere Frauen, die noch keine Windpocken hatten und nicht geimpft sind, sind besonders gefährdet.

Ursachen und Übertragung

Das Varizella-Zoster-Virus überträgt sich sehr leicht von Mensch zu Mensch. Die wichtigsten Übertragungswege sind:

  • Tröpfcheninfektion: Über die Atemluft beim Husten, Niesen oder Sprechen einer infizierten Person
  • Kontaktinfektion: Direkter Kontakt mit dem Inhalt der Bläschen einer erkrankten Person
  • Schmierinfektion: Indirekt über kontaminierte Gegenstände (seltener)

Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit) beträgt 10 bis 21 Tage. Erkrankte Personen sind bereits ein bis zwei Tage vor dem Auftreten des Hautausschlags ansteckend und bleiben es, bis alle Bläschen verkrustet sind.

Risiken für die Mutter

In der Schwangerschaft verläuft eine Windpockeninfektion häufig schwerer als bei nicht schwangeren Frauen. Das Immunsystem ist in der Schwangerschaft natürlich verändert, was das Risiko für Komplikationen erhöht. Zu den möglichen Komplikationen gehören:

  • Varizellen-Pneumonie (Lungenentzündung durch das Virus) – eine der gefährlichsten Komplikationen, die im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein kann
  • Entzündung des Gehirns (Enzephalitis)
  • Sekundäre bakterielle Hautinfektionen
  • Frühgeburt oder Fehlgeburt in seltenen Fällen

Risiken für das ungeborene Kind

Je nach Zeitpunkt der Infektion während der Schwangerschaft sind unterschiedliche Risiken für das Kind zu befürchten:

Erstes und zweites Schwangerschaftsdrittel (bis zur 20. Schwangerschaftswoche)

Eine Infektion in den ersten 20 Schwangerschaftswochen kann in seltenen Fällen (etwa 1–2 % der Fälle) zum sogenannten konnatalen Varizellensyndrom führen. Dabei kann es zu schwerwiegenden Fehlbildungen beim Kind kommen, darunter:

  • Hautnarben (charakteristische narbige Hautveränderungen)
  • Augenschäden (z. B. Katarakt)
  • Gliedmaßenfehlbildungen
  • Neurologische Schäden (z. B. Hirnatrophie)
  • Wachstumsverzögerung

Kurz vor der Geburt (letzten 5 Tage vor bis 2 Tage nach der Geburt)

Erkrankt die Mutter kurz vor oder nach der Geburt an Windpocken, kann das Neugeborene eine Neugeborenenvarizelleninfektion entwickeln. Da das Neugeborene noch keine schützenden Antikörper von der Mutter erhalten hat, kann diese Infektion sehr schwer und potenziell lebensbedrohlich verlaufen.

Symptome der Windpocken

Die typischen Symptome einer Windpockeninfektion umfassen:

  • Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
  • Charakteristischer, stark juckender Hautausschlag mit roten Flecken, die sich zu Bläschen und dann zu Krusten entwickeln
  • Kopfschmerzen und Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit

Bei schwangeren Frauen können zusätzlich Zeichen einer Lungenbeteiligung auftreten, wie Husten und Atemnot, die sofortige ärztliche Behandlung erfordern.

Diagnose

Die Diagnose von Windpocken wird in der Regel klinisch gestellt, das heißt anhand des typischen Hautausschlags und der Krankengeschichte. In unklaren Fällen oder bei schwangeren Frauen können zusätzliche Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Bluttest: Nachweis von Varizella-Zoster-Antikörpern (IgM und IgG) im Blut, um eine akute Infektion oder einen bestehenden Immunschutz zu bestätigen
  • PCR-Test: Nachweis von Virus-Erbgut aus Bläscheninhalt oder Blut
  • Pren atale Diagnostik: Bei einer Infektion während der Schwangerschaft kann eine Ultraschalluntersuchung oder eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) zur Beurteilung möglicher kindlicher Schäden durchgeführt werden

Behandlung und Maßnahmen in der Schwangerschaft

Sofortmaßnahmen nach Kontakt

Wenn eine nicht immune Schwangere Kontakt zu einer an Windpocken erkrankten Person hatte, muss sie umgehend ärztlichen Rat suchen. In diesem Fall kann innerhalb von 96 Stunden nach dem Kontakt eine passive Immunisierung mit Varizella-Zoster-Immunglobulin (VZIG) verabreicht werden. Diese Behandlung kann die Erkrankung abmildern oder verhindern und ist besonders in der Schwangerschaft empfohlen.

Medikamentöse Behandlung

Bei einer manifesten Windpockeninfektion während der Schwangerschaft wird in der Regel das antivirale Medikament Aciclovir eingesetzt. Es hemmt die Vermehrung des Virus und kann den Krankheitsverlauf verkürzen sowie Komplikationen reduzieren. Die Behandlung sollte so früh wie möglich begonnen werden, idealerweise innerhalb der ersten 24 Stunden nach Auftreten des Ausschlags. Die Anwendung erfolgt nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken durch den behandelnden Arzt.

Unterstützende Maßnahmen

  • Juckreizlindernde Mittel (z. B. kühlende Lotionen, Antihistaminika nach Rücksprache mit dem Arzt)
  • Ausreichend Flüssigkeitszufuhr und Bettruhe
  • Fiebersenkende Mittel bei hohem Fieber (kein Aspirin in der Schwangerschaft)
  • Engmaschige medizinische Überwachung

Vorbeugung: Impfung und Immunität

Der beste Schutz vor Windpocken in der Schwangerschaft ist eine bestehende Immunität, die entweder durch eine durchgemachte Erkrankung oder durch Impfung erworben wurde. Folgende Punkte sind wichtig:

  • Vor der Schwangerschaft: Frauen, die keine Windpocken hatten und nicht geimpft sind, sollten sich vor einer geplanten Schwangerschaft impfen lassen. Die Varizellen-Impfung ist ein Lebendimpfstoff und darf während der Schwangerschaft nicht verabreicht werden. Nach der Impfung sollte eine Schwangerschaft für mindestens vier Wochen vermieden werden.
  • Während der Schwangerschaft: Die Impfung ist kontraindiziert. Nicht immune Schwangere sollten engen Kontakt zu erkrankten Personen meiden.
  • Nach der Geburt: Nicht immune Mütter können nach der Entbindung geimpft werden. Auch ein Stillkind schutzimpfen

Wann zum Arzt?

Schwangere sollten unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, wenn:

  • sie Kontakt zu einer an Windpocken erkrankten Person hatten und nicht immun sind
  • ein windpockenartiger Ausschlag auftritt
  • Fieber, Husten oder Atemnot auftreten
  • sie sich generell krank und schwächer als üblich fühlen

Quellen

  1. Robert Koch-Institut (RKI): Varizellen (Windpocken) – RKI-Ratgeber. Verfügbar unter: https://www.rki.de (Stand: 2023)
  2. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Leitlinien zu Infektionen in der Schwangerschaft. Verfügbar unter: https://www.dggg.de
  3. Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (RCOG): Chickenpox in Pregnancy – Green-top Guideline No. 13 (2015). Verfügbar unter: https://www.rcog.org.uk
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