Windpocken trotz Impfung
Was sind Windpocken trotz Impfung?
Windpocken (medizinisch: Varizellen) werden durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht. Obwohl die Impfung gegen Windpocken sehr wirksam ist, kann es in seltenen Fällen vorkommen, dass geimpfte Personen dennoch an Windpocken erkranken. Dieses Phänomen wird als Impfdurchbruch (englisch: Breakthrough Varicella) bezeichnet. Die Erkrankung verläuft bei geimpften Personen in der Regel deutlich milder, mit weniger Bläschen und einem kürzeren Krankheitsverlauf als bei nicht geimpften Personen.
Wie häufig kommt ein Impfdurchbruch vor?
Die Varizellen-Impfung bietet nach zwei Dosen einen Schutz von etwa 98 % gegen schwere Windpocken und etwa 85–90 % gegen jede Form der Erkrankung. Das bedeutet, dass ein kleiner Anteil der Geimpften dennoch erkranken kann. Bei Personen, die nur eine Impfdosis erhalten haben, ist das Risiko eines Impfdurchbruchs höher als nach vollständiger zweimaliger Impfung.
Ursachen eines Impfdurchbruchs
- Unvollständiger Impfschutz: Nur eine statt zwei empfohlene Impfdosen wurden verabreicht.
- Individuell unterschiedliche Immunantwort: Das Immunsystem mancher Menschen reagiert schwächer auf den Impfstoff.
- Immunschwäche: Personen mit einem gesächwachten Immunsystem (z. B. durch Erkrankungen oder Medikamente) sind anfälliger für Impfdurchbrüche.
- Abnehmende Immunantwort im Laufe der Zeit: In seltenen Fällen kann der Impfschutz über viele Jahre nachlassen.
- Hohe Viruslast bei der Exposition: Ein intensiver Kontakt mit dem Virus kann die Schutzwirkung überwinden.
Symptome bei Windpocken trotz Impfung
Bei geimpften Personen, die dennoch erkranken, sind die Symptome häufig abgeschwächt:
- Weniger als 50 Hautläsionen (Bläschen) statt der typischen 200–500 bei Ungeimpften
- Bläschen, die oft flacher und kleiner sind und seltener nässen
- Geringeres oder kein Fieber
- Kürzere Krankheitsdauer (oft nur 3–5 Tage)
- Geringeres Risiko für schwerwiegende Komplikationen
Trotz des milderen Verlaufs sind erkrankte geimpfte Personen für andere ansteckend und sollten soziale Kontakte meiden, bis alle Bläschen verkrustet sind.
Diagnose
Die Diagnose eines Windpocken-Impfdurchbruchs kann manchmal schwierig sein, da die Symptome mild und untypisch sind. Ärztinnen und Ärzte berücksichtigen dabei:
- Den Impfstatus der betroffenen Person
- Den klinischen Befund (Hautbild, Verlauf)
- Bei Bedarf: labordiagnostische Tests wie PCR-Nachweis des Varizella-Zoster-Virus aus Bläschenflüssigkeit oder Blut
Behandlung
Die Behandlung von Windpocken nach einem Impfdurchbruch richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung:
Milde Verläufe
- Symptomatische Therapie: kühlende Lotionen, juckreizstillende Mittel (z. B. Antihistaminika)
- Ausreichend Flüssigkeit trinken und körperliche Schonung
- Kratzen vermeiden, um Infektionen und Narbenbildung zu verhindern
Schwere Verläufe oder Risikogruppen
- Antivirale Medikamente wie Aciclovir oder Valaciclovir können bei immungeschwächten Personen, Schwangeren oder schwerem Verlauf eingesetzt werden
- Ärztliche Betreuung und ggf. stationäre Behandlung bei Komplikationen
Komplikationen
Auch bei geimpften Personen können in seltenen Fällen Komplikationen auftreten, wie z. B.:
- Bakterielle Superinfektionen der Haut
- Lungenentzündung (Pneumonie)
- Enzephalitis (Gehirnentzündung)
Das Risiko für Komplikationen ist bei Geimpften jedoch deutlich geringer als bei Ungeimpften.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Ein Arztbesuch ist empfohlen, wenn:
- Hohe Fiebertemperaturen (über 39 °C) auftreten
- Die Bläschen sich stark röten, eitern oder schmerzen (mögliche bakterielle Infektion)
- Neurologische Symptome wie starke Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder Nackensteifigkeit auftreten
- Die betroffene Person schwanger ist oder ein gesächwachtes Immunsystem hat
- Säuglinge unter einem Jahr betroffen sind
Prävention
Die wichtigste Schutzmaßnahme bleibt die vollständige zweimalige Impfung gegen Windpocken gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Die erste Dosis wird im Alter von 11–14 Monaten, die zweite Dosis im Alter von 15–23 Monaten empfohlen. Auch ungeimpfte Erwachsene ohne frühere Erkrankung sollten sich impfen lassen.
Quellen
- Robert Koch-Institut (RKI): Varizellen (Windpocken) – RKI-Ratgeber. Verfügbar unter: https://www.rki.de (Stand 2023)
- Ständige Impfkommission (STIKO) am RKI: Empfehlungen der STIKO zur Varizellenimpfung. Epidemiologisches Bulletin, 2023.
- Marin M et al.: Varicella Prevention in the United States: A Review of Successes and Challenges. Pediatrics, 2008; 122(3): e744–e751. doi:10.1542/peds.2008-0567