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Zahnen Bernsteinkette

Was ist eine Zahnen Bernsteinkette?

Eine Zahnen Bernsteinkette ist ein Halsband für Säuglinge und Kleinkinder, das aus echten Bernsteinperlen gefertigt wird. Bernstein ist ein fossiles Baumharz, das seit Jahrhunderten in der Volksmedizin verwendet wird. Die Kette wird traditionell direkt auf der Haut des Babys getragen, meist am Hals, seltener als Armband oder Fußband.

Der Einsatz von Bernsteinketten beim Zahnen ist in vielen europäischen Ländern, insbesondere im deutschsprachigen Raum, weit verbreitet. Eltern erhoffen sich, dass die Kette die häufig auftretenden Beschwerden während der Zahnung – wie Unruhe, Quengeln, geschwollenes Zahnfleisch und Schmerzen – lindern kann.

Wie funktioniert das Zahnen bei Babys?

Das Zahnen bezeichnet den Vorgang, bei dem die Milchzähne eines Babys durch das Zahnfleisch brechen. Dieser Prozess beginnt in der Regel zwischen dem 4. und 7. Lebensmonat und kann bis zum 3. Lebensjahr andauern, bis alle 20 Milchzähne durchgebrochen sind.

Typische Symptome beim Zahnen sind:

  • Vermehrter Speichelfluss
  • Gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch
  • Unruhe und Reizbarkeit
  • Kaubewegungen und Beissen auf Gegenstände
  • Leichtes Fieber (unter 38 °C)
  • Veränderter Schlafrhythmus

Behaupteter Wirkungsmechanismus

Befürworter der Zahnen Bernsteinkette behaupten, dass Bernstein eine Substanz namens Bernsteinsäure (Succinat) freisetzt, wenn er durch die Körperwarm des Babys erwärmt wird. Diese Bernsteinsäure soll über die Haut aufgenommen werden und entzündungshemmende sowie schmerzlindernde Wirkungen entfalten.

Bernsteinsäure ist eine natürlich im Körper vorkommende organische Säure, die am Energiestoffwechsel beteiligt ist. Allerdings gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die belegen, dass Bernstein bei Körpertemperatur in messbaren Mengen Bernsteinsäure freisetzt oder dass diese durch die Haut absorbiert werden könnte. Die postulierten Wirkungen sind daher wissenschaftlich nicht anerkannt.

Wissenschaftliche Evidenz

Bisher existieren keine klinischen Studien, die eine Wirksamkeit der Bernsteinkette beim Zahnen belegen. Medizinische Fachorganisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ) sowie die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) empfehlen ausdrücklich, Bernsteinketten bei Säuglingen und Kleinkindern zu meiden. Auch die Stiftung Warentest stuft den Nutzen als nicht belegt ein.

Jede Linderung der Zahnsymptome, die Eltern beobachten, wird von Experten eher auf den Placeboeffekt oder den natürlichen Verlauf des Zahnens zurückgeführt.

Sicherheitsrisiken

Neben der fehlenden Wirksamkeit werden von medizinischen Fachstellen erhebliche Sicherheitsrisiken bei der Verwendung von Bernsteinketten für Babys genannt:

  • Strangulierungsgefahr: Ein Halsband kann sich um den Hals des Babys wickeln und zu Erstickung führen, besonders im Schlaf oder beim Spielen.
  • Erstickungsgefahr durch Perlen: Wenn die Kette reißt, können einzelne Bernsteinperlen verschluckt oder eingeatmet werden und eine Erstickung verursachen.
  • Würgegefahr: Schon ein lockeres Band am Hals kann ein Baby gefährden, das noch keine vollständige Kontrolle über seinen Körper hat.

Aus diesen Gründen rät die überwiegende Mehrheit der Kinderarzte und Gesundheitsbehörden weltweit von der Verwendung von Bernsteinketten bei Babys und Kleinkindern ab.

Sichere Alternativen zur Zahnungslinderung

Es gibt wissenschaftlich anerkannte und sichere Methoden, um Babys beim Zahnen zu helfen:

  • Gelühlte Beis- und Kauring: Spezielle Zahnungsringe aus Silikon oder Naturkautschuk, die im Kühlschrank gekühlt wurden (nicht im Gefrierfach), lindern durch Druck und Kälte den Schmerz.
  • Zahnungsgels: Apothekenpflichtige Gels mit betaubenden Wirkstoffen wie Lidocain können kurzfristig eingesetzt werden – nur nach Rücksprache mit einem Kinderarzt.
  • Massage des Zahnfleisches: Das sanfte Massieren des Zahnfleisches mit einem sauberen Finger kann Erleichterung verschaffen.
  • Ibuprofen oder Paracetamol: Bei starken Schmerzen können altersgerechte Dosierungen von Schmerzmitteln – nur nach ärztlicher Rücksprache – gegeben werden.

Wann zum Arzt?

Obwohl Zahnen ein natürlicher Prozess ist, gibt es Symptome, bei denen ein Kinderarzt aufgesucht werden sollte:

  • Fieber über 38,5 °C
  • Anhaltende starke Unruhe oder Schreien
  • Starker Rückgang der Nahrungsaufnahme
  • Anzeichen einer Infektion im Mundbereich
  • Wenn mit 12 bis 14 Monaten noch kein Zahn sichtbar ist

Quellen

  1. Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ): Empfehlungen zur Zahnungshilfe und Sicherheit bei Säuglingen. DGKJ, 2022.
  2. U.S. Food and Drug Administration (FDA): Do not use teething necklaces, bracelets or anklets on infants. FDA Safety Communication, 2018. Verfügbar unter: https://www.fda.gov
  3. Stiftung Warentest: Zahnen – Was wirklich hilft. Stiftung Warentest, 2021. Verfügbar unter: https://www.test.de
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