Zimt in Schwangerschaft
Zimt in der Schwangerschaft – Überblick
Zimt ist eines der beliebtesten Gewürze weltweit und wird in vielen Küchen sowie als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt. In der Schwangerschaft stellt sich jedoch die Frage, ob und in welchen Mengen Zimt sicher konsumiert werden kann. Grundsätzlich gilt: In den üblichen, gewürztypischen Mengen, wie sie beim Kochen oder Backen verwendet werden, ist Zimt für Schwangere im Allgemeinen unbedenklich. Problematisch werden jedoch große Mengen oder hoch dosierte Zimt-Präparate.
Zimtarten – Ceylon-Zimt und Cassia-Zimt
Es ist wichtig, zwischen den zwei Hauptsorten von Zimt zu unterscheiden, da sie sich in ihrem Cumarin-Gehalt erheblich unterscheiden:
- Ceylon-Zimt (echter Zimt, Cinnamomum verum): Enthält nur sehr geringe Mengen Cumarin und gilt als die sicherere Zimtsorte.
- Cassia-Zimt (Cinnamomum cassia, auch chinesischer Zimt): Enthält deutlich höhere Mengen des potenziell lebertoxischen Stoffs Cumarin und ist in Deutschland und Europa im Handel am häufigsten verbreitet.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass ein regelmäßiger, hoher Konsum von Cassia-Zimt aufgrund des Cumarin-Gehalts gesundheitliche Risiken mit sich bringen kann – insbesondere in der Schwangerschaft.
Cumarin – Warum ist es in der Schwangerschaft relevant?
Cumarin ist eine natürlich vorkommende aromatische Verbindung, die in hohen Dosen als lebertoxisch (leberschaedigend) gilt und das zentrale Nervensystem beeinflussen kann. In der Schwangerschaft ist besondere Vorsicht geboten, da:
- Die Leber der Mutter empfindlicher auf Belastungen reagieren kann.
- Cumarin möglicherweise die Plazenta passieren und das ungeborene Kind beeinflussen kann.
- Hochdosierte Cumarin-Aufnahme im Tierversuch mit uterusstimulierenden Effekten in Verbindung gebracht wurde, was theoretisch das Risiko frühzeitiger Wehen erhöhen könnte.
Die Europaeische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat einen tolerierbaren täglichen Aufnahmewert (TDI) von 0,1 mg Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt.
Empfohlene Mengen in der Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft gelten folgende Empfehlungen zum Zimtkonsum:
- Gewürzmengen beim Kochen und Backen (z. B. eine Prise oder ein halber Teelöffel gelegentlich) sind in der Regel unbedenklich.
- Ceylon-Zimt ist aufgrund des geringen Cumarin-Gehalts die bevorzugte Wahl für Schwangere.
- Hochdosierte Zimtkapseln, Zimtextrakte oder Nahrungsergänzungsmittel mit Zimt sollten in der Schwangerschaft ohne ärztliche Rücksprache nicht eingenommen werden.
- Regelmäßiger, großer Konsum von Cassia-Zimt (z. B. mehrere Teelöffel täglich) sollte vermieden werden.
Mögliche Risiken bei übermäßigem Zimtkonsum in der Schwangerschaft
Ein übermäßiger Konsum von Zimt – vor allem in Form von Cassia-Zimt oder konzentrierten Präparaten – kann in der Schwangerschaft folgende Risiken mit sich bringen:
- Uterusstimulation: In sehr hohen Dosen wurde Zimt traditional als wehenförderndes Mittel verwendet. Wissenschaftliche Belege beim Menschen sind begrenzt, jedoch raten Fachleute zur Vorsicht.
- Leberschaeden: Hohe Cumarin-Mengen können die Leber belasten.
- Blutzuckersenkung: Zimt kann den Blutzucker beeinflussen, was bei Schwangeren mit Schwangerschaftsdiabetes zu unerwarteten Schwankungen führen kann.
- Allergische Reaktionen: Bei Überempfindlichkeit gegenüber Zimt können Hautreaktionen oder Verdauungsbeschwerden auftreten.
Zimt und Schwangerschaftsdiabetes
Zimt wird häufig im Zusammenhang mit der Regulierung des Blutzuckerspiegels diskutiert. Einige Studien deuten darauf hin, dass Zimtextrakte die Insulinsensitivität verbessern können. Dennoch sollten Schwangere mit Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) keine eigenmaechtigen Dosierungsversuche mit Zimt unternehmen und stattdessen stets Rücksprache mit ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen sowie der betreuenden Diabetologin oder dem Diabetologen halten.
Praktische Tipps für Schwangere
- Verwenden Sie bevorzugt Ceylon-Zimt statt Cassia-Zimt, wenn möglich (erkennbar am Aufdruck auf der Verpackung).
- Genießen Sie Zimt als Gewürz in Maßen – ein gelegentlicher Zimttee, Zimt im Porridge oder im Gebäck ist unbedenklich.
- Verzichten Sie auf hochdosierte Zimtpräparate und Nahrungsergänzungsmittel ohne ärztliche Beratung.
- Bei Unsicherheiten sprechen Sie stets mit Ihrer Hebamme oder Ihrer Gynäkologin bzw. Ihrem Gynäkologen.
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Cumarin in Zimt und zimthaltigen Lebensmitteln – Stellungnahme Nr. 043/2012. Berlin, 2012. Verfügbar unter: www.bfr.bund.de
- Europaeische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Coumarin in flavourings and other food ingredients with flavouring properties. EFSA Journal, 2008;793:1–15.
- Rademaker M. et al.: Cinnamon and health – a review of the evidence. Journal of Nutrition and Food Sciences, 2019. Verfügbar über PubMed/NCBI.