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Zu viel Fruchtwasser

Was bedeutet zu viel Fruchtwasser?

Als Polyhydramnion (auch Hydramnion genannt) bezeichnet man eine krankhafte Vermehrung der Fruchtwassermenge während der Schwangerschaft. Normalerweise beträgt die Fruchtwassermenge gegen Ende der Schwangerschaft etwa 800 bis 1.000 Milliliter. Liegt sie über 2.000 Milliliter, spricht man medizinisch von einem Polyhydramnion. Das Fruchtwasser erfüllt wichtige Schutzfunktionen für das ungeborene Kind: Es polstert es gegen äußere Einwirkungen, reguliert die Temperatur und ermöglicht Bewegung sowie die Entwicklung der Lungen und des Verdauungstrakts.

Häufigkeit

Ein Polyhydramnion tritt bei etwa 1 bis 2 Prozent aller Schwangerschaften auf. Es kann zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Schwangerschaft entstehen und wird in leichte, mäßige und schwere Formen eingeteilt.

Ursachen

In vielen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen (idiopathisches Polyhydramnion). Bekannte Ursachen umfassen:

  • Mütterlicher Diabetes mellitus: Ein schlecht eingestellter Blutzucker führt zu vermehrter Harnproduktion beim Ungeborenen und damit zu mehr Fruchtwasser.
  • Fehlbildungen des Kindes: Insbesondere Fehlbildungen des Magen-Darm-Trakts (z. B. Ösophagusatresie, Duodenalatresie) oder des Zentralnervensystems können dazu führen, dass das Kind zu wenig Fruchtwasser schluckt.
  • Chromosomenveränderungen: Zum Beispiel Trisomie 21 (Down-Syndrom) oder andere chromosomale Anomalien.
  • Fetale Anämie: Eine Blutarmut des ungeborenen Kindes, z. B. durch Rhesus-Inkompatibilität oder Infektionen wie Ringelröteln.
  • Mehrlingsschwangerschaft: Insbesondere beim fetofetalen Transfusionssyndrom bei eineiigen Zwillingen.
  • Infektionen: Bestimmte Infektionskrankheiten der Mutter, z. B. Toxoplasmose oder Zytomegalie, können die Fruchtwassermenge beeinflussen.

Symptome

Leichte Formen verlaufen oft ohne Beschwerden und werden zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Bei ausgeprägten Fällen kann die Mutter folgende Symptome wahrnehmen:

  • Starkes Spannungsgefühl oder Druck im Bauch
  • Atemnot durch den Druck auf das Zwerchfell
  • Rückenschmerzen und Schweregefühl
  • Ödeme (Wasseransammlungen) an Beinen und Bauch
  • Vorzeitige Wehen durch die Überdehnung der Gebärmutter

Diagnose

Die Diagnose erfolgt in erster Linie durch eine Ultraschalluntersuchung. Der Arzt oder die Ärztin bestimmt dabei den sogenannten Fruchtwasserindex (AFI) oder misst die größte senkrechte Fruchtwassertasche (Single Deepest Pocket). Ein AFI über 24 Zentimeter oder eine Fruchtwassertasche über 8 Zentimeter gelten als Hinweis auf ein Polyhydramnion.

Zur Abklärung der Ursache werden zusätzlich folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Blutzuckerkontrolle der Mutter (Glukosetoleranztest)
  • Detaillierte Fehlbildungssonografie des Kindes
  • Prüfung auf Infektionen (TORCH-Serologie)
  • Bei Verdacht: Amniozentese (Fruchtwasserpunktion) zur chromosomalen Analyse

Risiken und Komplikationen

Ein Polyhydramnion kann mit erhöhten Risiken für Mutter und Kind verbunden sein:

  • Frühgeburt durch Überdehnung der Gebärmutter
  • Vorzeitiger Blasensprung
  • Nabelschnurvorfall (Prolaps) bei Blasensprung
  • Erhöhtes Risiko für einen Kaiserschnitt
  • Nachblutungen nach der Geburt (atönie der Gebärmutter)

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad des Polyhydramnions:

Abwarten und überwachen

Bei leichten Formen ohne erkennbare Ursache und ohne Beschwerden genügen engmaschige Ultraschallkontrollen. Viele leichte Fälle bilden sich von selbst zurück.

Behandlung der Grunderkrankung

Liegt ein mütterlicher Diabetes vor, ist eine optimale Blutzuckereinstellung entscheidend. Infektionen werden entsprechend behandelt.

Amniodrainage

Bei starkem Polyhydramnion und erheblichen Beschwerden kann durch eine Amniodrainage (Amnioreduktion) überschüssiges Fruchtwasser abgezogen werden. Der Eingriff wird unter Ultraschallkontrolle durchgeführt und kann die Beschwerden der Mutter lindern sowie das Risiko einer Frühgeburt reduzieren.

Medikamentöse Therapie

In ausgewählten Fällen wird das Medikament Indometacin eingesetzt, das die Urinproduktion des Kindes reduzieren und damit die Fruchtwassermenge verringern kann. Dies geschieht jedoch nur unter strenger ärztlicher Kontrolle und meist vor der 32. Schwangerschaftswoche.

Wann zum Arzt?

Schwangere sollten umgehend ärztlichen Rat suchen, wenn sie starkes Spannungsgefühl im Bauch, Atemnot, plötzlichen Blasensprung oder regelmäßige Wehen vor dem errechneten Geburtstermin bemerken. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind essenziell, um ein Polyhydramnion frühzeitig zu erkennen.

Quellen

  1. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 268. Auflage. De Gruyter, Berlin 2020.
  2. Society for Maternal-Fetal Medicine (SMFM): Consult Series - Polyhydramnios. American Journal of Obstetrics and Gynecology, 2021. Verfügbar unter: https://www.ajog.org
  3. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / AWMF-Leitlinien: Ultraschalldiagnostik in der Schwangerschaft. Verfügbar unter: https://www.awmf.org
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