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Als Polyhydramnion (auch Hydramnion genannt) bezeichnet man eine krankhafte Vermehrung der Fruchtwassermenge während der Schwangerschaft. Normalerweise beträgt die Fruchtwassermenge gegen Ende der Schwangerschaft etwa 800 bis 1.000 Milliliter. Liegt sie über 2.000 Milliliter, spricht man medizinisch von einem Polyhydramnion. Das Fruchtwasser erfüllt wichtige Schutzfunktionen für das ungeborene Kind: Es polstert es gegen äußere Einwirkungen, reguliert die Temperatur und ermöglicht Bewegung sowie die Entwicklung der Lungen und des Verdauungstrakts.
Ein Polyhydramnion tritt bei etwa 1 bis 2 Prozent aller Schwangerschaften auf. Es kann zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Schwangerschaft entstehen und wird in leichte, mäßige und schwere Formen eingeteilt.
In vielen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen (idiopathisches Polyhydramnion). Bekannte Ursachen umfassen:
Leichte Formen verlaufen oft ohne Beschwerden und werden zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt. Bei ausgeprägten Fällen kann die Mutter folgende Symptome wahrnehmen:
Die Diagnose erfolgt in erster Linie durch eine Ultraschalluntersuchung. Der Arzt oder die Ärztin bestimmt dabei den sogenannten Fruchtwasserindex (AFI) oder misst die größte senkrechte Fruchtwassertasche (Single Deepest Pocket). Ein AFI über 24 Zentimeter oder eine Fruchtwassertasche über 8 Zentimeter gelten als Hinweis auf ein Polyhydramnion.
Zur Abklärung der Ursache werden zusätzlich folgende Untersuchungen durchgeführt:
Ein Polyhydramnion kann mit erhöhten Risiken für Mutter und Kind verbunden sein:
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad des Polyhydramnions:
Bei leichten Formen ohne erkennbare Ursache und ohne Beschwerden genügen engmaschige Ultraschallkontrollen. Viele leichte Fälle bilden sich von selbst zurück.
Liegt ein mütterlicher Diabetes vor, ist eine optimale Blutzuckereinstellung entscheidend. Infektionen werden entsprechend behandelt.
Bei starkem Polyhydramnion und erheblichen Beschwerden kann durch eine Amniodrainage (Amnioreduktion) überschüssiges Fruchtwasser abgezogen werden. Der Eingriff wird unter Ultraschallkontrolle durchgeführt und kann die Beschwerden der Mutter lindern sowie das Risiko einer Frühgeburt reduzieren.
In ausgewählten Fällen wird das Medikament Indometacin eingesetzt, das die Urinproduktion des Kindes reduzieren und damit die Fruchtwassermenge verringern kann. Dies geschieht jedoch nur unter strenger ärztlicher Kontrolle und meist vor der 32. Schwangerschaftswoche.
Schwangere sollten umgehend ärztlichen Rat suchen, wenn sie starkes Spannungsgefühl im Bauch, Atemnot, plötzlichen Blasensprung oder regelmäßige Wehen vor dem errechneten Geburtstermin bemerken. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind essenziell, um ein Polyhydramnion frühzeitig zu erkennen.