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Zu wenig Fruchtwasser

Was bedeutet zu wenig Fruchtwasser?

Als Fruchtwasser (Amnionflüssigkeit) bezeichnet man die Flüssigkeit, die das ungeborene Kind im Mutterleib umgibt und schützt. Sie ist für die Entwicklung der Lungen, der Nieren und des Bewegungsapparates des Kindes essenziell. Medizinisch wird ein zu geringer Fruchtwasserspiegel als Oligohydramnion bezeichnet. Von einem Oligohydramnion spricht man, wenn der sogenannte Fruchtwasserindex (AFI) unter 5 cm liegt oder die größte senkrechte Fruchtwasserbucht (SDP) weniger als 2 cm beträgt.

Ursachen

Ein Fruchtwassermangel kann verschiedene Ursachen haben, die sowohl die Mutter als auch das ungeborene Kind betreffen können:

  • Nierenfehlbildungen oder Nierenfunktionsstörungen des Kindes: Da der größte Teil des Fruchtwassers im zweiten und dritten Trimester aus dem Urin des Kindes besteht, kann eine eingeschränkte Nierentfunktion zu wenig Fruchtwasser führen.
  • Vorzeitiger Blasensprung: Ein Riss in den Fruchtblasenmembranen kann dazu führen, dass Fruchtwasser ausfliesst und der Spiegel sinkt.
  • Plazentainsuffizienz: Eine ungenügende Versorgung des Kindes über die Plazenta kann den Fruchtwasserspiegel senken.
  • Schwangerschaftsdiabetes und Bluthochdruck (Präeklampsie): Diese mütterlichen Erkrankungen können die Fruchtwasserproduktion beeinflussen.
  • Übertragung: Nach dem errechneten Geburtstermin (ab der 42. Schwangerschaftswoche) nimmt die Fruchtwassermenge natürlicherweise ab.
  • Bestimmte Medikamente: Einige Medikamente, wie etwa ACE-Hemmer, können die Fruchtwasserbildung beeinträchtigen.
  • Idiopathisch: In manchen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen.

Symptome und Anzeichen

Ein Fruchtwassermangel bleibt häufig von der Schwangeren selbst unbemerkt und wird meist im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung festgestellt. Mögliche Hinweise können sein:

  • Ein kleiner oder wenig gewachsener Bauchumfang im Vergleich zur Schwangerschaftswoche
  • Verminderte Kindesbewegungen
  • Ausfliessen von Flüssigkeit aus der Scheide (bei vorzeitigem Blasensprung)

Diagnose

Die Diagnose eines Oligohydramnions wird in der Regel durch eine Ultraschalluntersuchung gestellt. Dabei misst der Arzt oder die Ärztin den Fruchtwasserindex (AFI) oder die größte Fruchtwasserbucht (SDP). Zusätzlich können weitere Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Doppler-Ultraschall: Zur Beurteilung der Durchblutung von Plazenta und Kind
  • Fetales Monitoring (CTG): Zur Überwachung der kindlichen Herzfrequenz
  • Laboruntersuchungen: Blut- und Urintests der Mutter zur Abklärung von Grunderkrankungen
  • Amnioskopie: In bestimmten Fällen kann eine direkte Untersuchung des Fruchtwassers erfolgen

Risiken und mögliche Komplikationen

Ein Fruchtwassermangel kann je nach Schwere und Zeitpunkt in der Schwangerschaft unterschiedliche Risiken mit sich bringen:

  • Frühes Oligohydramnion (erstes Trimester): Fehlbildungen der Gliedmaßen, Lungenhypoplasie (unterentwickelte Lungen), erhöhtes Fehlgeburtsrisiko
  • Mittleres und spätes Oligohydramnion: Wachstumsverzögerung des Kindes, Kompression der Nabelschnur, erhöhtes Risiko für eine Notsektio
  • Am Termin oder bei Übertragung: Erhöhtes Risiko für kindliche Stresszeichen unter der Geburt

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, dem Schweregrad und dem Zeitpunkt in der Schwangerschaft:

  • Engmaschige Überwachung: Bei leichtem Fruchtwassermangel werden regelmäßige Ultraschallkontrollen und CTG-Aufzeichnungen durchgeführt.
  • Erhöhte Flüssigkeitszufuhr: Ausreichendes Trinken der Mutter kann in bestimmten Fällen helfen, den Fruchtwasserspiegel zu stabilisieren.
  • Amnioinjektion (Amnioinfusion): In manchen Fällen wird unter der Geburt Kochsalzlösung in die Fruchtblase eingefüllt, um den Druck auf die Nabelschnur zu verringern.
  • Behandlung der Grunderkrankung: Liegt eine mütterliche Erkrankung vor (z. B. Bluthochdruck, Diabetes), wird diese entsprechend therapiert.
  • Einleitung der Geburt oder Kaiserschnitt: Bei schwerem Fruchtwassermangel nahe dem Geburtstermin kann eine frühzeitige Entbindung notwendig sein.

Wann zum Arzt?

Schwangere sollten unverzüglich ärztliche Hilfe aufsuchen, wenn sie eine der folgenden Situationen bemerken:

  • Deutliche Abnahme der Kindsbewegungen
  • Ausfliessen von Flüssigkeit aus der Scheide
  • Starke Bauchschmerzen oder Druckgefühl

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft sind entscheidend, um ein Oligohydramnion frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Quellen

  1. Pildner von Steinburg S, Hasbargen U. Oligohydramnion und Polyhydramnion. In: Schneider H, Husslein P, Schneider KTM (Hrsg.). Die Geburtshilfe. 5. Auflage. Springer, Berlin Heidelberg, 2016.
  2. American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG). Practice Bulletin No. 175: Ultrasound in Pregnancy. Obstetrics & Gynecology, 2016. Verfügbar unter: https://www.acog.org
  3. World Health Organization (WHO). WHO Recommendations on Antenatal Care for a Positive Pregnancy Experience. WHO, Genf, 2016. Verfügbar unter: https://www.who.int
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