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Zweieiige Zwillinge

Was sind zweieiige Zwillinge?

Zweieiige Zwillinge, auch als dizygote Zwillinge oder binovuläre Zwillinge bezeichnet, entstehen, wenn während eines Menstruationszyklus zwei Eizellen gleichzeitig von den Eierstöcken freigesetzt und jeweils von einem separaten Spermium befruchtet werden. Da jeder Zwilling aus einer eigenen Eizelle und einem eigenen Spermium hervorgeht, teilen dizygote Zwillinge im Durchschnitt rund 50 Prozent ihrer genetischen Information – genau wie gewöhnliche Geschwister. Zweieiige Zwillinge sind die häufigste Form von Zwillingsgeburten und machen weltweit etwa zwei Drittel aller Zwillingsgeburten aus.

Entstehung und Biologie

Bei zweieiigen Zwillingen bildet jede befruchtete Eizelle (Zygote) eine eigene Plazenta sowie eigene Eihäute (Amnion und Chorion). Man spricht daher von einer dichorialen, diamniotischen Schwangerschaft. Dies unterscheidet sie grundlegend von eineiigen Zwillingen (monozygote Zwillinge), bei denen eine einzige Eizelle befruchtet wird und sich anschließend teilt. Zweieiige Zwillinge können dasselbe oder unterschiedliche Geschlechter haben und sehen einander nicht zwingend ähnlicher als andere Geschwister.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Entstehung zweieiiger Zwillinge wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst:

  • Genetische Veranlagung: Eine familiäre Vorgeschichte mit Zwillingsgeburten mütterlicherseits erhöht die Wahrscheinlichkeit einer mehrfachen Eisprungsreaktion (Hyperovulation).
  • Alter der Mutter: Frauen über 30 Jahre haben ein erhöhtes Risiko für Mehrlingsschwangerschaften, da der Hormonspiegel (insbesondere FSH – Follikelstimulierendes Hormon) mit dem Alter ansteigt und mehrere Eizellen gleichzeitig reifen können.
  • Reproduktionsmedizin: Künstliche Befruchtung (IVF) und hormonelle Stimulationsbehandlungen erhöhen die Rate von Mehrlingsschwangerschaften erheblich.
  • Ethnische Zugehörigkeit: Zweieiige Zwillinge kommen bei Frauen aus Westafrika deutlich häufiger vor als in anderen Bevölkerungsgruppen.
  • Parität: Frauen, die bereits Kinder geboren haben, haben eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit für Zwillingsgeburten.

Schwangerschaftsverlauf und medizinische Besonderheiten

Zwillingschwangerschaften gelten generell als Risikoschwangerschaften und werden engmaschiger überwacht als Einlingsschwangerschaften. Bei zweieiigen Zwillingen bestehen folgende besondere medizinische Aspekte:

  • Frühgeburtlichkeit: Zwillinge werden häufig vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren. Der Durchschnitt liegt bei etwa 36 Wochen.
  • Geringeres Geburtsgewicht: Zwillinge haben im Vergleich zu Einzelkindern oft ein niedrigeres Geburtsgewicht.
  • Präeklampsie: Das Risiko für Bluthochdruck in der Schwangerschaft ist bei Mehrlingsschwangerschaften erhöht.
  • Kaiserschnitt: Viele Zwillingsgeburten werden per Kaiserschnitt durchgeführt, insbesondere wenn die Kinder ungunstig liegen.

Da zweieiige Zwillinge jeweils eine eigene Plazenta besitzen, ist das Risiko eines fetofetalen Transfusionssyndroms (FFTS) – einer gefährlichen Komplikation bei gemeinsamer Plazenta – nicht vorhanden. Dies macht dizygote Zwillingsschwangerschaften in dieser Hinsicht weniger risikoreich als manche eineiige Zwillingsschwangerschaften.

Diagnose

Zweieiige Zwillinge werden in der Regel durch einen Ultraschall (Sonographie) in der Frühschwangerschaft diagnostiziert. Dabei lässt sich bereits im ersten Trimester feststellen, ob zwei getrennte Plazenten und Fruchthöhlen vorliegen, was auf dizygote Zwillinge hindeutet. Eine Chorionzottenbiopsie oder Amniozentese kann bei Bedarf zur genetischen Diagnostik eingesetzt werden.

Unterschied zu eineiigen Zwillingen

Der wesentliche Unterschied zwischen zweieiigen und eineiigen Zwillingen liegt in ihrer genetischen Ähnlichkeit und der Entwicklung in der Gebärmutter:

  • Eineiige Zwillinge (monozygot): Entstehen aus einer einzigen befruchteten Eizelle, die sich teilt. Sie sind genetisch (nahezu) identisch und immer gleichen Geschlechts.
  • Zweieiige Zwillinge (dizygot): Entstehen aus zwei verschiedenen befruchteten Eizellen. Sie teilen im Schnitt 50 % ihrer Gene und können verschiedener Geschlechter sein.

Psychologische und soziale Aspekte

Das Aufwachsen als zweieiige Zwillinge kann soziale und psychologische Besonderheiten mit sich bringen. Viele dizygote Zwillinge entwickeln eine enge emotionale Bindung, obwohl sie genetisch nicht identisch sind. Studien zeigen, dass Zwillinge häufig ähnliche Interessen und Verhaltensweisen teilen, was sowohl auf genetische als auch auf gemeinsame Umwelteinflüsse zurückgeführt werden kann. Die individuelle Förderung jedes Kindes ist für eine gesunde Entwicklung wichtig.

Quellen

  1. Blickstein, I. & Keith, L. G. (Hrsg.) - Multiple Pregnancy: Epidemiology, Gestation and Perinatal Outcome, 2. Auflage, Taylor & Francis, 2005.
  2. World Health Organization (WHO) - WHO Recommendations on Antenatal Care for a Positive Pregnancy Experience, WHO Press, Genf, 2016. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241549912
  3. Beemsterboer, S. N. et al. - The paradox of declining fertility but increasing twinning rates with advancing maternal age, Human Reproduction, 2006; 21(6):1531–1532. DOI: 10.1093/humrep/del009
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