-
DE
Die Allergen-Einführung bei Beikost bezeichnet die bewusste und frühzeitige Gabe von Lebensmitteln, die häufig Allergien auslösen können, während der Beikostphase eines Säuglings. Unter Beikost versteht man alle Nahrungsmittel, die ergänzend zur Muttermilch oder Säuglingsnahrung ab dem vollendeten 4. bis 6. Lebensmonat eingeführt werden. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass das frühzeitige Einführen typischer Allergene – anstatt deren Vermeidung – das Immunsystem des Säuglings auf eine tolerante Reaktion trainieren kann.
Frühere Empfehlungen rieten dazu, allergene Lebensmittel im ersten Lebensjahr möglichst zu meiden. Diese Strategie hat sich jedoch als nicht wirksam erwiesen. Aktuelle Leitlinien – darunter die der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und der Europäischen Akademie für Allergologie und klinische Immunologie (EAACI) – empfehlen stattdessen die frühe und regelmäßige Einführung allergener Lebensmittel, um eine orale Toleranz zu fördern.
Unter oraler Toleranz versteht man die Fähigkeit des Immunsystems, auf harmlose Nahrungsbestandteile nicht überschießend zu reagieren. Wird das Immunsystem frühzeitig und regelmäßig mit bestimmten Proteinen konfrontiert, lernt es, diese als ungefährlich einzustufen.
Zu den Lebensmitteln, die bei Kindern am häufigsten Allergien auslösen, zählen:
Die Beikost sollte nicht vor dem vollendeten 4. Lebensmonat und möglichst bis zum vollendeten 6. Lebensmonat begonnen werden. Allergene Lebensmittel können schrittweise ab dem Beginn der Beikostphase eingeführt werden. Es besteht kein Grund, sie zu verzögern.
Säuglinge mit schwerem atopischem Ekzem (Neurodermitis) oder einer bereits bekannten Nahrungsmittelallergie gelten als Hochrisikopatienten. Für diese Kinder empfiehlt sich vor der Einführung bestimmter Allergene – insbesondere von Erdnuss und Hühnerei – eine Rücksprache mit dem Kinderarzt oder einem Allergologen. In manchen Fällen kann ein vorheriger Allergietest (Pricktest oder spezifisches IgE) sinnvoll sein.
Die wissenschaftliche Grundlage für die frühe Allergeneinführung wurde durch mehrere bedeutende Studien gestärkt:
Das ausschließliche Stillen für mindestens vier Monate wird weiterhin empfohlen, da es das Immunsystem des Säuglings stärkt und das allgemeine Allergierisiko senkt. Die frühe Allergeneinführung kann jedoch parallel zum Stillen erfolgen. Stillende Mütter müssen keine Allergene aus ihrer persönlichen Ernährung streichen, da es keine Belege gibt, dass eine Eliminationsdiät während der Stillzeit Allergien beim Kind verhindert.