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Allergen-Einführung bei Beikost

Was ist die Allergen-Einführung bei Beikost?

Die Allergen-Einführung bei Beikost bezeichnet die bewusste und frühzeitige Gabe von Lebensmitteln, die häufig Allergien auslösen können, während der Beikostphase eines Säuglings. Unter Beikost versteht man alle Nahrungsmittel, die ergänzend zur Muttermilch oder Säuglingsnahrung ab dem vollendeten 4. bis 6. Lebensmonat eingeführt werden. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass das frühzeitige Einführen typischer Allergene – anstatt deren Vermeidung – das Immunsystem des Säuglings auf eine tolerante Reaktion trainieren kann.

Warum ist die frühzeitige Allergen-Einführung wichtig?

Frühere Empfehlungen rieten dazu, allergene Lebensmittel im ersten Lebensjahr möglichst zu meiden. Diese Strategie hat sich jedoch als nicht wirksam erwiesen. Aktuelle Leitlinien – darunter die der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und der Europäischen Akademie für Allergologie und klinische Immunologie (EAACI) – empfehlen stattdessen die frühe und regelmäßige Einführung allergener Lebensmittel, um eine orale Toleranz zu fördern.

Unter oraler Toleranz versteht man die Fähigkeit des Immunsystems, auf harmlose Nahrungsbestandteile nicht überschießend zu reagieren. Wird das Immunsystem frühzeitig und regelmäßig mit bestimmten Proteinen konfrontiert, lernt es, diese als ungefährlich einzustufen.

Die häufigsten Nahrungsmittelallergene im Überblick

Zu den Lebensmitteln, die bei Kindern am häufigsten Allergien auslösen, zählen:

  • Kuhmilch und Kuhmilchprodukte
  • Hühnerei
  • Erdnüsse
  • Baumnüsse (z. B. Haselnüsse, Walnüsse, Cashews)
  • Weizen und glutenhaltige Getreide
  • Soja
  • Fisch und Meeresfrüchte
  • Sesam

Empfehlungen zur Durchführung

Zeitpunkt der Einführung

Die Beikost sollte nicht vor dem vollendeten 4. Lebensmonat und möglichst bis zum vollendeten 6. Lebensmonat begonnen werden. Allergene Lebensmittel können schrittweise ab dem Beginn der Beikostphase eingeführt werden. Es besteht kein Grund, sie zu verzögern.

Vorgehen bei der Einführung

  • Neue Lebensmittel immer einzeln und in kleinen Mengen einführen
  • Nach der Einführung eines neuen Lebensmittels 2 bis 3 Tage warten, bevor das nächste eingeführt wird
  • Auf mögliche Reaktionen achten: Hautveränderungen, Mägen-Darm-Beschwerden oder Atemsymptome
  • Allergene regelmäßig im Speiseplan belassen, um die Toleranz zu erhalten

Besondere Risikogruppen

Säuglinge mit schwerem atopischem Ekzem (Neurodermitis) oder einer bereits bekannten Nahrungsmittelallergie gelten als Hochrisikopatienten. Für diese Kinder empfiehlt sich vor der Einführung bestimmter Allergene – insbesondere von Erdnuss und Hühnerei – eine Rücksprache mit dem Kinderarzt oder einem Allergologen. In manchen Fällen kann ein vorheriger Allergietest (Pricktest oder spezifisches IgE) sinnvoll sein.

Evidenz aus der Forschung

Die wissenschaftliche Grundlage für die frühe Allergeneinführung wurde durch mehrere bedeutende Studien gestärkt:

  • Die LEAP-Studie (Learning Early About Peanut Allergy) zeigte, dass Hochrisikokinder, die früh regelmäßig Erdnuss konsumierten, mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit eine Erdnussallergie entwickelten.
  • Die EAT-Studie (Enquiring About Tolerance) untersuchte die frühe Einführung von sechs Allergenen und zeigte positive Effekte bei konsequenter Anwendung.
  • Metaanalysen bestätigen: Die frühe Einführung von Eiern und Erdnüssen reduziert das Allergierisiko signifikant.

Stillen und Allergen-Einführung

Das ausschließliche Stillen für mindestens vier Monate wird weiterhin empfohlen, da es das Immunsystem des Säuglings stärkt und das allgemeine Allergierisiko senkt. Die frühe Allergeneinführung kann jedoch parallel zum Stillen erfolgen. Stillende Mütter müssen keine Allergene aus ihrer persönlichen Ernährung streichen, da es keine Belege gibt, dass eine Eliminationsdiät während der Stillzeit Allergien beim Kind verhindert.

Quellen

  1. Ierodiakonou D et al. - Timing of Allergenic Food Introduction to the Infant Diet and Risk of Allergic or Autoimmune Disease: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA. 2016;316(11):1181-1192.
  2. Du Toit G et al. - Randomized Trial of Peanut Consumption in Infants at Risk for Peanut Allergy (LEAP-Studie). New England Journal of Medicine. 2015;372:803-813.
  3. Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) - Leitlinie zur Prävention von Nahrungsmittelallergien im Säuglings- und Kleinkindalter. 2022. Verfügbar unter: www.gpau.de
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