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Allergische Proktokolitis

Was ist allergische Proktokolitis?

Die allergische Proktokolitis (auch: nahrungsmittelinduzierte Proktokolitis) ist eine nicht-IgE-vermittelte Immunreaktion des Dickdarms und Enddarms auf bestimmte Nahrungsproteine. Sie gehört zur Gruppe der nahrungsmittelinduzierten gastrointestinalen Allergien und tritt vorwiegend bei Säuglingen im ersten Lebensjahr auf, kann aber selten auch ältere Kinder und Erwachsene betreffen. Die Entzündung beschränkt sich typischerweise auf die Schleimhaut des Rektums und des Sigmas (unterer Dickdarm), weshalb der Verlauf meist mild ist.

Ursachen

Die häufigste Ursache der allergischen Proktokolitis ist eine Überempfindlichkeitsreaktion gegen Kuhmilchproteine, insbesondere gegen Kasein und Molkenproteine. Weitere auslösende Nahrungsmittel können sein:

  • Sojaprotein
  • Eiproteine
  • Weizen- und Glutenproteine
  • Selten: Erdnüsse, Fisch oder andere Lebensmittel

Bei gestillten Säuglingen gelangen die Allergene über die Muttermilch in den Darm des Kindes. Bei formula-gefütterten Säuglingen sind es die Proteine in der Säuglingsnahrung selbst. Die genaue immunologische Ursache ist noch nicht vollständig geklärt, es wird eine überschåießende T-Zell-vermittelte Immunantwort auf die Nahrungsproteine angenommen.

Symptome

Die Symptome der allergischen Proktokolitis sind in der Regel mild bis mäßig und umfassen:

  • Blutspuren im Stuhl (häufig hellrotes Blut oder blutiger Schleim)
  • Schleimbeimengungen im Stuhl
  • Erhöhte Stuhlfrequenz oder weicher Stuhl
  • Leichte Reizbarkeit oder Unruhe beim Säugling
  • In der Regel kein Fieber, kein starker Gewichtsverlust und kein schweres Allgemeinbefinden

Anders als bei anderen nahrungsmittelinduzierten Erkrankungen wie der FPIES (Food Protein-Induced Enterocolitis Syndrome) zeigen betroffene Säuglinge meist ein gutes Gedeihen und einen insgesamt guten Allgemeinzustand.

Diagnose

Die Diagnose der allergischen Proktokolitis wird in erster Linie klinisch gestellt. Es gibt keinen spezifischen Labortest, der die Erkrankung eindeutig bestätigt. Die Diagnose basiert auf:

  • Anamnese (Ernährungsgeschichte von Mutter und Kind, Auftreten der Symptome)
  • Körperlicher Untersuchung
  • Stuhluntersuchung (Nachweis von Blut und erhöhten eosinophilen Granulozyten)
  • Ausschluss anderer Ursachen (z. B. Infektionen, Analfissuren, Morbus Hirschsprung)
  • Diagnostische Eliminationsdiät und anschließender Symptomrückgang als Bестätigung

Eine Rektoskopie (Spiegelung des Enddarms) mit Gewebeprobe kann in un eindeutigen Fällen durchgeführt werden und zeigt typischerweise eine Schleimhautentзündung mit vermehrten eosinophilen Granulozyten.

Behandlung

Diätetische Maßnahmen

Die wichtigste Behandlung ist die Eliminationsdiät, also das konsequente Meiden des auslösenden Nahrungsmittels:

  • Bei gestillten Säuglingen: Elimination des verdächtigen Proteins aus der Ernährung der Mutter (z. B. vollständiger Verzicht auf Milchprodukte)
  • Bei formula-gefütterten Säuglingen: Umstieg auf extensiv hydrolysierte Säuglingsnahrung (eHF) oder aminosaüurebasierte Nahrung
  • Bei nicht gestillten älteren Säuglingen und Kleinkindern: Vermeidung des auslösenden Nahrungsmittels

Weiteres Vorgehen

In den meisten Fällen verbessern sich die Symptome innerhalb von 72 Stunden bis 2 Wochen nach Beginn der Eliminationsdiät deutlich. Eine medikamentöse Therapie ist in der Regel nicht erforderlich. Stillen wird weiterhin empfohlen, sofern die Mutter die notwendige Diät einhält. Eine regelmäßige ärztliche Kontrolle des Gedeihens ist wichtig.

Prognose

Die Prognose der allergischen Proktokolitis ist überwiegend sehr gut. Die meisten Säuglinge entwickeln im Laufe des zweiten oder dritten Lebensjahres eine Toleranz gegenüber dem auslösenden Protein. Eine kontrollierte Wiedereinführung des Nahrungsmittels unter ärztlicher Aufsicht wird empfohlen, um den Zeitpunkt der Toleranzentwicklung zu ermitteln.

Wann zum Arzt?

Eltern sollten umgehend einen Arzt aufsuchen, wenn ihr Kind:

  • Blut im Stuhl zeigt
  • Zeichen einer starken Dehydratation aufweist (trockene Schleimhäute, wenig Urin, eingesunkene Fontanelle)
  • Nicht ausreichend zunimmt oder Gewicht verliert
  • Hohes Fieber oder starke Bauchschmerzen hat

Quellen

  1. Nowak-Wegrzyn A. et al. - Food protein-induced enterocolitis syndrome and allergic proctocolitis. Allergy Asthma Proc. 2015;36(3):172-184.
  2. Koletzko S. et al. - Diagnostic approach and management of cow's milk protein allergy in infants and children. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2012;55(2):221-229.
  3. World Allergy Organization (WAO) - Diagnosis and Rationale for Action against Cow's Milk Allergy (DRACMA) Guidelines. 2010. Verfügbar unter: www.worldallergy.org
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