Was ist Anti-Reflux-Nahrung?
Anti-Reflux-Nahrung (kurz: AR-Nahrung) ist eine spezielle Säuglingsmilch, die für Säuglinge entwickelt wurde, die häufig spucken oder unter gastroösophagealem Reflux leiden. Dabei fließt Mageninhalt zurück in die Speiseröhre, was zu Unwohlsein, Schreien und Gedeihstörungen führen kann. AR-Nahrungen sind im Handel frei erhältlich und können auf ärztliche Empfehlung eingesetzt werden.
Wie funktioniert Anti-Reflux-Nahrung?
Anti-Reflux-Nahrungen enthalten spezielle Verdickungsmittel, die dafür sorgen, dass die Nahrung im Magen eindickt und somit schwerer zurückfließen kann. Typische Verdickungsmittel sind:
- Johannisbrotkernmehl (Carubin): Ein natürlicher Ballaststoff, der die Nahrung im Magen verdickt.
- Reisverdickungsmittel: Wird ebenfalls zur Konsistenzveränderung eingesetzt.
- Kartoffelstärke oder Maisstärke: Kommen in manchen Produkten als Verdickungskomponente vor.
Durch die erhöhte Viskosität (Dickflüssigkeit) der Nahrung wird das Rückfließen in die Speiseröhre mechanisch reduziert, ohne dass die Nährstoffzusammensetzung für den Säugling verändert wird.
Wann wird Anti-Reflux-Nahrung eingesetzt?
AR-Nahrung wird empfohlen, wenn Säuglinge regelmäßig und in größeren Mengen spucken und dabei Zeichen von Unwohlsein zeigen. Typische Anzeichen, bei denen AR-Nahrung in Betracht gezogen werden kann, sind:
- Häufiges Spucken nach dem Füttern
- Unruhe, Weinen oder Schmerzsymptome beim oder nach dem Trinken
- Ungenügende Gewichtszunahme infolge des Spuckens
- Diagnostizierter gastroösophagealer Reflux durch den Kinderarzt oder die Kinderärztin
Wichtig: Nicht jedes Spucken ist behandlungsbedürftig. Viele Säuglinge spucken regelmäßig, ohne dass dies ihr Gedeihen oder ihr Wohlbefinden beeinträchtigt. In solchen Fällen spricht man von physiologischem Reflux, der keiner speziellen Nahrung bedarf.
Nährstoffzusammensetzung und Sicherheit
Anti-Reflux-Nahrungen müssen in der Europäischen Union strenge gesetzliche Anforderungen erfüllen. Sie gehören zur Kategorie der diätetischen Lebensmittel für besondere medizinische Zecke und müssen alle nötigen Nährstoffe wie Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe in den für Säuglinge empfohlenen Mengen enthalten. Die Sicherheit und Nährstoffvollständigkeit dieser Produkte ist durch europäische Richtlinien geregelt.
Anwendungshinweise
Bei der Zubereitung von AR-Nahrung sind einige Besonderheiten zu beachten:
- AR-Nahrungen können aufgrund der Verdickungsmittel dickflüssiger sein und benötigen manchmal einen Sauger mit größerem Loch.
- Die Zubereitung sollte stets gemäß den Herstellerangaben erfolgen, um eine korrekte Nährstoffdichte zu gewährleisten.
- Ein Wechsel zu AR-Nahrung sollte idealerweise in Absprache mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin erfolgen.
- AR-Nahrung ersetzt keine medizinische Behandlung bei schwerem Reflux oder Refluxösophagitis (Entzündung der Speiseröhre durch Reflux).
Unterschied zu Heilnahrung und Hydrolysat-Nahrung
AR-Nahrung ist von anderen Spezialnahrungen abzugrenzen:
- Heilnahrung (HA-Nahrung): Hypoallergene Nahrung für Säuglinge mit Kuhmilchproteinallergie-Risiko.
- Hydrolysat-Nahrung: Nahrung mit aufgespaltenem Protein für Säuglinge mit nachgewiesener Kuhmilchproteinallergie.
- Anti-Reflux-Nahrung: Ausschließlich zur Reduktion von Reflux und Spucken konzipiert, normale Proteinstruktur.
Wann sollte ärztlicher Rat gesucht werden?
Eltern sollten ärztlichen Rat einholen, wenn ihr Kind:
- trotz AR-Nahrung weiterhin stark spuckt oder nicht ausreichend zunimmt,
- Blut im Erbrochenen zeigt,
- starke Schmerzsymptome aufweist oder dauerhaft unruhig ist,
- Schluckbeschwerden oder Atemprobleme hat.
In diesen Fällen kann eine weiterführende Diagnostik und gegebenenfalls eine medikamentöse Therapie notwendig sein.
Quellen
- Vandenplas, Y. et al. - Pediatric gastroesophageal reflux clinical practice guidelines: Joint recommendations of the North American Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition (NASPGHAN) and the European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition (ESPGHAN). Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, 2009.
- Europaeische Kommission - Verordnung (EU) Nr. 609/2013 über Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder, Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke und Tagesrationen für gewichtskontrollierende Ernährung.
- AWMF-Leitlinie - Gastroösophagealer Reflux bei Kindern und Jugendlichen, Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), 2014.