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Bifidobacterium infantis

Was ist Bifidobacterium infantis?

Bifidobacterium infantis (kurz: B. infantis) ist ein gram-positives, anaerobes Milchsäurebakterium, das zur Gattung Bifidobacterium gehört. Es zählt zu den bedeutendsten probiotischen Mikroorganismen und besiedelt natürlicherweise den Darm von Neugeborenen und Säuglingen. Dort gehört es zu den dominierenden Bakterienarten und trägt maßgeblich zur Entwicklung einer gesunden Darmflora (Mikrobiom) bei.

Als Probiotikum wird B. infantis in Nahrungsergänzungsmitteln, Spezialmilchprodukten und medizinischen Präparaten eingesetzt, um die Darmgesundheit zu fördern, das Immunsystem zu unterstützen und bestimmte Beschwerden zu lindern.

Biologische Funktionen und Wirkmechanismus

B. infantis entfaltet seine positiven Wirkungen über verschiedene Mechanismen:

  • Fermentation von Humanmilcholigosacchariden (HMO): B. infantis besitzt einzigartige genetische Fähigkeiten, um die in der Muttermilch enthaltenen komplexen Zuckermolekuele (HMO) zu verstoffwechseln, die für andere Bakterien unverdaulich sind. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren wie Acetat, die das Darmmilieu schützen.
  • Barrierefunktion des Darms: Das Bakterium stärkt die Darmschleimhaut, indem es die Produktion von Schleim (Muzin) und Tight-Junction-Proteinen fördert, die die Darmbarriere intakt halten und das Eindringen von Krankheitserregern verhindern.
  • Immunmodulation: B. infantis beeinflusst das Immunsystem positiv, indem es entzündungsfördernde Signalstoffe (Zytokine) hemmt und regulatorische Immunzellen (z. B. T-Regulatorzellen) aktiviert.
  • Hemmung pathogener Keime: Durch die Produktion von Milchsäure und anderen antimikrobiellen Substanzen verdrängt B. infantis schädliche Bakterien und unterstützt ein gesundes Gleichgewicht der Darmflora.

Medizinische Anwendungsgebiete

Neugeborene und Säuglinge

B. infantis ist besonders für Neugeborene und Frühgeborene relevant. Studien zeigen, dass die Besiedelung des Säuglingsdarms mit B. infantis das Risiko für schwerwiegende Erkrankungen wie die nekrotisierende Enterokolitis (NEC) deutlich senken kann – eine lebensgefährliche Darmentzündung bei Frühgeborenen. Zudem wird es zur Unterstützung der Darmflora bei Neugeborenen eingesetzt, die nicht oder nur eingeschränkt gestillt werden können.

Reizdarmsyndrom (RDS)

Der Stamm B. infantis 35624 ist einer der am besten untersuchten Probiotika-Stämme beim Reizdarmsyndrom (IBS, Irritable Bowel Syndrome). Klinische Studien belegen, dass er Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen, Stuhlunregelmäßigkeiten und das Gefühl unvollständiger Entleerung signifikant lindern kann.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Bei Erkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn wird der Einsatz von B. infantis erforscht. Es gibt Hinweise darauf, dass der Stamm entzündliche Prozesse im Darm dämpfen kann, indem er das Verhältnis von pro- und anti-entzündlichen Zytokinen positiv beeinflusst.

Allergien und atopische Erkrankungen

Frühe Besiedelung des Darms mit B. infantis wird mit einem reduzierten Risiko für die Entwicklung von Allergien, Neurodermitis (atopisches Ekzem) und Asthma im Kindesalter in Verbindung gebracht. Dies wird mit der immunregulatorischen Wirkung des Bakteriums erklärt.

Dosierung und Anwendung

B. infantis ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter Kapseln, Pulver und angereicherte Lebensmittel. Die empfohlene Dosierung variiert je nach Präparat und Anwendungsbereich:

  • Säuglinge: Spezielle Säuglingsformulierungen mit B. infantis werden in Absprache mit dem Kinderarzt eingesetzt, häufig in Dosierungen von 108 bis 1010 koloniebildenden Einheiten (KBE) pro Tag.
  • Erwachsene (z. B. bei Reizdarmsyndrom): Der Stamm B. infantis 35624 wird üblicherweise in einer Tagesdosis von 108 KBE eingenommen, wie in klinischen Studien untersucht.

Die Einnahme sollte idealerweise über mehrere Wochen erfolgen, um eine stabile Besiedelung des Darms zu fördern. Eine ärztliche Rücksprache ist vor der Anwendung bei Säuglingen, Frühgeborenen oder immungeschwächten Personen dringend empfohlen.

Sicherheit und Nebenwirkungen

B. infantis gilt allgemein als sehr gut verträglich und sicher. Mögliche, meist vorübergehende Nebenwirkungen können sein:

  • Leichte Blähungen oder Bauchbeschwerden zu Beginn der Einnahme
  • Veränderungen der Stuhlkonsistenz

Bei stark immungeschwächten Personen (z. B. nach Organtransplantationen oder bei schwerem Immundefekt) sollte die Einnahme probiotischer Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen, da in sehr seltenen Fällen Infektionen durch probiotische Keime beschrieben wurden.

Vorkommen und Quellen

B. infantis kommt natürlicherweise in folgenden Quellen vor:

  • Muttermilch: Muttermilch enthält B. infantis sowie die HMO-Nährstoffe, die das Wachstum dieses Bakteriums im Säuglingsdarm fördern.
  • Fermentierte Milchprodukte: Bestimmte Joghurts und probiotische Produkte sind mit B. infantis angereichert.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Probiotische Kapseln, Pulver und Tropfen mit definierten B. infantis-Stämmen sind rezeptfrei erhältlich.

Quellen

  1. Underwood, M. A. et al. (2015): Bifidobacterium longum subspecies infantis: Champion colonizer of the infant gut. In: Pediatric Research, 77(1-2), 229-235. Verfügbar auf PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25303277/
  2. Whorwell, P. J. et al. (2006): Efficacy of an encapsulated probiotic Bifidobacterium infantis 35624 in women with irritable bowel syndrome. In: American Journal of Gastroenterology, 101(7), 1581-1590. Verfügbar auf PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16863564/
  3. World Health Organization (WHO) & Food and Agriculture Organization (FAO) (2002): Guidelines for the Evaluation of Probiotics in Food. Verfügbar unter: https://www.who.int/foodsafety/fs_management/en/probiotic_guidelines.pdf
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