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Blutschwamm beim Baby

Was ist ein Blutschwamm beim Baby?

Ein Blutschwamm (medizinisch: infantiles Hämangiom) ist eine gutartige Wucherung von Blutgefäßen in der Haut oder im Unterhautgewebe. Er gehört zu den häufigsten Gutartigentumoren im Säuglingsalter und tritt bei etwa 4 bis 10 von 100 Neugeborenen auf. Der Blutschwamm erscheint meist als rötliche, weiche Erhöhung auf der Haut und ist in der Regel vollkommen harmlos. Er wird nicht als erbliche Erkrankung übertragen und ist kein Zeichen einer schwerwiegenden Grunderkrankung.

Ursachen

Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Blutschwamms beim Baby sind noch nicht vollständig geklärt. Folgende Faktoren werden als begünstigend diskutiert:

  • Frühgeburtlichkeit: Frühgeborene Babys sind häufiger betroffen als reif geborene Kinder.
  • Geringes Geburtsgewicht: Ein niedriges Geburtsgewicht erhöht das Risiko.
  • Mädchen: Mädchen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Jungen.
  • Helle Hautfarbe: Kinder mit heller Hautfarbe erkranken öfter.
  • Mehrlingsschwangerschaft: Zwillinge oder Drillinge haben ein erhöhtes Risiko.
  • Höheres Mütteralter: Ein fortgeschrittenes Alter der Mutter bei der Geburt gilt als Risikofaktor.

Es wird angenommen, dass eine gestörte Entwicklung von Blutgefäßzellen während der Schwangerschaft eine zentrale Rolle spielt.

Symptome und Erscheinungsbild

Ein Blutschwamm beim Baby zeigt ein typisches Erscheinungsbild, das sich im Verlauf verändert:

  • Kurz nach der Geburt: Zunächst erscheint oft nur eine blasse oder leicht rötliche Stelle auf der Haut, die leicht übersehen werden kann.
  • Wachstumsphase (1. bis 12. Lebensmonat): Der Blutschwamm wächst rasch, wird deutlich röter, erhöht sich und bekommt eine weiche, schwammartige Konsistenz.
  • Ruhephase: Nach dem ersten Lebensjahr verlangsamt sich das Wachstum und der Blutschwamm bleibt stabil.
  • Rückbildungsphase: Ab dem zweiten Lebensjahr bildet sich der Blutschwamm langsam zurück. Bei den meisten Kindern ist er bis zum Schulalter vollständig oder nahezu vollständig verschwunden.

Blutschwamm beim Baby kann überall am Körper auftreten, häufig im Gesicht, am Hals oder am Rumpf. Je nach Lage spricht man von einem oberflächlichen Hämangiom (an der Hautoberffläche), einem tiefen Hämangiom (unter der Haut) oder einem gemischten Hämangiom.

Wann ist ein Blutschwamm gefährlich?

Die meisten Blutschwamme beim Baby sind harmlos. In bestimmten Fällen kann jedoch eine ärztliche Behandlung notwendig sein:

  • Einschränkung von Körperfunktionen: Zum Beispiel wenn der Blutschwamm in der Nähe von Auge, Nase, Mund oder Kehlkopf liegt und das Sehen, Atmen oder die Nahrungsaufnahme beeinträchtigt.
  • Ulzeration (Geschwurbildung): Wenn der Blutschwamm aufbricht und eine offene Wunde entsteht, besteht ein Infektions- und Blutungsrisiko.
  • Starkes Wachstum: Sehr große oder schnell wachsende Hämangiome sollten ärztlich beobachtet werden.
  • Innere Organe: Selten können Hämangiome auch innere Organe betreffen, was medizinische Aufmerksamkeit erfordert.

Diagnose

Die Diagnose eines Blutschwamms beim Baby erfolgt in den meisten Fällen durch eine klinische Untersuchung durch den Kinderarzt oder einen Hautarzt. Das typische Erscheinungsbild und der charakteristische Verlauf sind meist ausreichend für eine sichere Diagnose. In unklaren Fällen oder bei Verdacht auf tiefe oder innere Hämangiome kommen zusätzliche Untersuchungen zum Einsatz:

  • Ultraschall (Sonografie): Zur Beurteilung der Tiefenausdehnung und Durchblutung.
  • MRT (Magnetresonanztomografie): Bei komplexen oder intern gelegenen Hämangiomen.
  • Gewebeprobe (Biopsie): In seltenen Fällen bei unklaren Befunden.

Behandlung

Viele Blutschwamme beim Baby bedürfen keiner spezifischen Behandlung, da sie sich von selbst zurückbilden. Wenn eine Therapie notwendig ist, stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

Medikamentöse Behandlung

Propranolol ist derzeit das Mittel der ersten Wahl zur Behandlung von behandlungsbedürftigen infantilen Hämangiomen. Es handelt sich um einen Betablocker, der das Wachstum des Blutschwamms hemmt und seine Rückbildung fördert. Die Behandlung erfolgt in der Regel über mehrere Monate unter ärztlicher Aufsicht. Alternativ kann bei kleinen, oberflächlichen Hämangiomen Timolol-Gel (ein topischer Betablocker) angewendet werden.

Laserbehandlung

Der Pulsfarbstofflaser kann bei oberflächlichen Blutschwammen eingesetzt werden, insbesondere bei Ulzerationen oder nach der Rückbildungsphase verbleibenden Hautveränderungen.

Operative Entfernung

Eine chirurgische Entfernung ist selten notwendig und wird nur bei bestimmten Komplikationen oder Lagebesonderheiten in Erwägung gezogen.

Cortison-Behandlung

Kortikoide (Kortison) wurden früher häufig eingesetzt, sind heute aber durch Propranolol weitgehend abgelöst worden.

Verlauf und Prognose

Die Prognose eines Blutschwamms beim Baby ist in den meisten Fällen sehr gut. Etwa 50 bis 70 Prozent der Hämangiome bilden sich bis zum 5. Lebensjahr vollständig zurück, bei den meisten Kindern ist bis zum Schulalter keine sichtbare Veränderung mehr zu erkennen. In manchen Fällen können nach der Rückbildung leichte Hautveränderungen wie eine blassere oder leicht veränderte Haut verbleiben.

Wann zum Arzt?

Eltern sollten mit ihrem Baby den Kinderarzt aufsuchen, wenn:

  • der Blutschwamm sich in der Nähe von Augen, Mund, Nase oder Kehlkopf befindet,
  • er sehr schnell wächst oder sehr groß wird,
  • er aufbricht, blutet oder sich entzündet,
  • das Baby Schmerzen zeigt oder durch den Blutschwamm beeinträchtigt wirkt,
  • mehrere Blutschwamme gleichzeitig auftreten.

Quellen

  1. Hoeger PH, Colmenero I. Infantile Hemangiomas. In: Irvine AD, Hoeger PH, Yan AC (Hrsg.). Harper's Textbook of Pediatric Dermatology, 3. Auflage. Wiley-Blackwell, 2011.
  2. Leaute-Labreze C et al. A randomized, controlled trial of oral propranolol in infantile hemangioma. New England Journal of Medicine, 2015; 372(8): 735-746. PubMed PMID: 25671255.
  3. Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH). Leitlinie: Infantile Hämangiome. AWMF-Register Nr. 006-100, 2020. Verfügbar unter: www.awmf.org
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