-
DE
D-MER steht für Dysphoric Milk Ejection Reflex (auf Deutsch: dysphorischer Milchejektionsreflex). Es handelt sich um einen physiologischen Zustand, der ausschließlich bei stillenden Frauen auftritt und durch kurze, aber intensive negative Gefühle unmittelbar vor oder während des Milcheinschusses gekennzeichnet ist. Diese Gefühle verschwinden in der Regel innerhalb weniger Minuten von selbst und sind nicht dauerhafter Natur. D-MER ist keine psychiatrische Erkrankung, sondern ein hormonell bedingter Reflex, der von vielen stillenden Frauen erlebt wird, jedoch häufig nicht erkannt oder falsch eingeordnet wird.
Die genaue Ursache von D-MER ist noch nicht vollständig erforscht, jedoch wird ein plötzlicher Abfall des Dopaminspiegels als Hauptauslöser angesehen. Wenn der Milcheinschuss eingeleitet wird, wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, das die Milchdrüsenzellen zur Kontraktion anregt. Gleichzeitig kommt es zu einem kurzen, abrupten Abfall des Dopaminspiegels, der für die Regulation von Stimmung und Wohlbefinden zuständig ist. Dieser vorubergehende Dopaminabfall löst die charakteristischen dysphorischen Gefühle aus. Der Mechanismus ist vergleichbar mit dem Prinzip, dass Dopamin normalerweise hemmend auf die Prolaktinausschüttung wirkt, und ein Abfall dieser Hemmung den Milchfluss initiiert.
Die Symptome von D-MER treten typischerweise 30 bis 90 Sekunden vor dem eigentlichen Milcheinschuss auf und halten meist zwischen 30 Sekunden und zwei Minuten an. Betroffene Frauen berichten häufig von folgenden Empfindungen:
Wichtig ist, dass diese Gefühle ausschließlich mit dem Milcheinschuss verknüpft sind und danach vollständig verschwinden. Sie sind kein Zeichen für eine postpartale Depression oder eine mangelnde Bindung zum Kind.
D-MER kann in unterschiedlichen Schweregraden auftreten:
Die Diagnose von D-MER basiert in erster Linie auf der klinischen Anamnese und der Beschreibung der Symptome durch die betroffene Frau. Folgende Kriterien helfen bei der Einordnung:
Es gibt bislang keinen spezifischen Labortest für D-MER. Eine Abgrenzung zur postpartalen Depression oder anderen peripartalen Stimmungsstörungen ist jedoch essenziell, da diese eine andere Behandlung erfordern.
In vielen Fällen kann D-MER allein durch Aufklärung und Information deutlich entlastet werden, da das Bewusstsein über die physiologische Ursache das Erleben der Symptome oft mildert. Folgende Maßnahmen können unterstützend wirken:
In schweren Fällen kann eine medikamentöse Behandlung in Betracht gezogen werden. Da Dopaminmangel als Ursache gilt, werden in Ausnahmefällen dopaminerg wirkende Substanzen eingesetzt. Diese Therapie muss stets ärztlich begleitet werden und ist während der Stillzeit sorgfältig abzuwägen. Bitte konsultieren Sie in jedem Fall eine Ärztin oder einen Arzt, bevor Sie Medikamente einnehmen.
Bei vielen Frauen verbessert sich D-MER im Laufe der Zeit von selbst. Oft nehmen die Symptome nach den ersten Wochen oder Monaten ab und verschwinden vollständig, wenn die Stillfrequenz sinkt oder das Abstillen beginnt. Mit der richtigen Unterstützung können viele betroffene Frauen erfolgreich weiterstillen, wenn sie dies möchten.
Folgende Situationen erfordern umgehend ärztliche Beratung: