Dammassage
Was ist die Dammassage?
Die Dammassage (auch perineale Massage genannt) ist eine manuelle Technik, bei der das Gewebe des Damms – dem Bereich zwischen Scheide und After – sanft gedehnt und massiert wird. Ziel ist es, das Gewebe geschmeidiger und dehnbarer zu machen, um es auf die starken Dehnungsbelastungen während der Geburt vorzubereiten. Die Dammassage gehört zu den präventiven Maßnahmen in der Geburtsvorbereitung und wird von Hebammen sowie Gynäkologen empfohlen.
Wann wird die Dammassage empfohlen?
Die Dammassage wird in der Regel ab der 34. bis 36. Schwangerschaftswoche empfohlen und sollte regelmäßig – idealerweise mehrmals pro Woche – bis zur Geburt durchgeführt werden. Sie eignet sich besonders für:
- Erstgebärende, da das Dammgewebe noch weniger gedehnt wurde
- Frauen mit erhöhtem Risiko für Dammrisse oder einen Dammschnitt (Episiotomie)
- Frauen, die eine natürliche Geburt ohne chirurgische Eingriffe anstreben
Bei bestimmten Zuständen wie vaginalen Infektionen, Herpes-Ausbrüchen oder Plazenta prävia sollte die Dammassage nicht durchgeführt werden. In diesen Fällen ist eine Rücksprache mit der Hebamme oder dem Arzt notwendig.
Wie wird die Dammassage durchgeführt?
Die Dammassage kann von der Schwangeren selbst oder von einer Vertrauensperson durchgeführt werden. Eine typische Anleitung umfasst folgende Schritte:
- Hände waschen und Nägel kurz schneiden, um Verletzungen zu vermeiden.
- Eine bequeme Position einnehmen, z. B. sitzend mit leicht gespreizten Beinen oder liegend.
- Ein geeignetes Massagegel oder -öl (z. B. Mandelöl, Jojobaöl oder ein spezielles Dammöl) auf die Finger und den Dammbereich auftragen.
- Daumen oder Zeigefinger ca. 3–4 cm tief in die Scheide einführen und sanft nach unten und seitlich drücken, bis ein leichtes Dehnungs- oder Brenngefühl spürbar ist.
- Den Druck für ca. 1–2 Minuten halten und anschließend langsam kreisende Bewegungen ausführen.
- Die Massage sollte 5 bis 10 Minuten dauern und mehrmals pro Woche wiederholt werden.
Welche Vorteile hat die Dammassage?
Mehrere wissenschaftliche Studien und systematische Reviews konnten positive Effekte der regelmäßigen Dammassage belegen:
- Reduziertes Risiko für Dammrisse (insbesondere Risse dritten und vierten Grades)
- Geringere Wahrscheinlichkeit eines Dammschnitts (Episiotomie), insbesondere bei Erstgebärenden
- Mögliche Reduktion von Schmerzen im Dammbereich nach der Geburt
- Verbesserung der Gewebeelastizität und Durchblutung des Damms
- Psychologischer Effekt: Die Frau lernt ihren Körper besser kennen und kann Dehnungsempfindungen einordnen
Welche Öle und Mittel sind geeignet?
Für die Dammassage eignen sich natürliche, unparfumümierte Öle. Empfohlen werden unter anderem:
- Mandelöl (sanft und hautverträglich)
- Jojobaöl
- Weizenkeimöl
- Kokosnussöl (nur bei fehlender Sensibilität)
- Speziell entwickelte Damm-Massagegele aus der Apotheke oder dem Hebammenfachhandel
Auf ätherische Öle, parfumierte Produkte oder synthetische Gleitmittel sollte verzichtet werden, da sie die vaginale Schleimhaut reizen können.
Gibt es Risiken oder Nebenwirkungen?
Die Dammassage gilt als sichere und schonende Methode, wenn sie korrekt durchgeführt wird. Mögliche Risiken umfassen:
- Leichte Reizungen oder Unwohlsein, insbesondere bei zu starkem Druck
- Übertragung von Keimen bei mangelnder Handhygiene
- Kontraindikation bei bestehenden vaginalen Infektionen oder Entzündungen
Bei Unsicherheiten oder Beschwerden sollte stets eine Hebamme oder ein Arzt konsultiert werden.
Dammassage nach der Geburt
Auch nach der Geburt kann eine sanfte Massagebehandlung des Dammbereichs zur Heilung von Nähten, zur Narbenbehandlung und zur Linderung von Beschwerden beitragen. Diese postpartale Dammmassage sollte jedoch erst nach ausreichender Heilung und in Absprache mit der betreuenden Hebamme oder dem Arzt begonnen werden.
Quellen
- Beckmann MM, Stock OM. Antenatal perineal massage for reducing perineal trauma. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2013. DOI: 10.1002/14651858.CD005123.pub3
- Geranmayeh M et al. Reducing perineal trauma through perineal massage with vaseline in second stage of labor. Archives of Gynecology and Obstetrics, 2012; 285(1): 77–81.
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Schwangerschaft und Geburt – Informationen für werdende Eltern. www.bzga.de