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Durchfall beim Baby

Was ist Durchfall beim Baby?

Durchfall beim Baby, medizinisch auch als Diarrhoe bezeichnet, liegt vor, wenn ein Säugling oder Kleinkind deutlich häufiger als üblich weiche oder flüssige Stuhlgänge hat. Während gestillte Babys von Natur aus weichen, gelblichen Stuhl haben können, spricht man von Durchfall, wenn die Stuhlhäufigkeit plötzlich stark zunimmt und die Konsistenz deutlich wässeriger wird. Bei älteren Säuglingen und Kleinkindern gilt mehr als drei bis vier wässrige Stuhlgänge pro Tag als Hinweis auf Durchfall. Durchfall ist im Kindesalter sehr häufig und meist harmlos, kann aber aufgrund des erhöhten Austrockungsrisikos (Dehydratation) schnell gefährlich werden.

Ursachen

Durchfall beim Baby kann viele verschiedene Ursachen haben. Die häufigsten sind:

  • Virusinfektionen: Rotaviren, Noroviren und Adenoviren sind die häufigsten Auslöser von Durchfall bei Babys und Kleinkindern.
  • Bakterielle Infektionen: Bakterien wie Salmonellen, Campylobacter oder Escherichia coli können ebenfalls Durchfall verursachen, häufig verbunden mit Fieber.
  • Ernährungsumstellung: Die Einführung von Beikost oder eine Änderung der Ernahrungsweise kann den Darm vorubergehend belasten.
  • Antibiotika: Die Einnahme von Antibiotika kann die natürliche Darmflora des Babys stören und Durchfall ausloösen.
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Eine Laktoseintoleranz oder eine Kuhmilcheiweißallergie können wiederkehrenden Durchfall verursachen.
  • Zahnen: Das Zahnen wird häufig mit weicherem Stuhl in Verbindung gebracht, obwohl dieser Zusammenhang wissenschaftlich nicht eindeutig belegt ist.
  • Parasiten: Infektionen durch Parasiten wie Giardien kommen seltener vor, können aber anhaltenden Durchfall verursachen.

Symptome

Typische Anzeichen für Durchfall beim Baby sind:

  • Häufige, wässrige oder sehr weiche Stuhlgänge
  • Veränderter Geruch oder Farbe des Stuhls (z. B. grünlich, schaumig)
  • Bauchkrämpfe oder Unruhe des Babys
  • Blut oder Schleim im Stuhl (erfordert sofortige ärztliche Abklärung)
  • Fieber als Hinweis auf eine Infektion
  • Erbrechen, das häufig gleichzeitig auftreten kann

Zeichen einer Austrocknung (Dehydratation)

Besonders wichtig ist es, auf Zeichen einer Austrocknung zu achten, da Babys sehr schnell Flüssigkeit verlieren können. Warnsignale sind:

  • Trockener Mund und trockene Lippen
  • Weniger oder keine Tränen beim Weinen
  • Deutlich reduzierte Urinmenge (seltene nasse Windeln)
  • Eingesunkene Fontanelle (die weiche Stelle am Kopf)
  • Allgemeine Schwache, Schlaffheit oder ungewohnliche Reizbarkeit

Bei diesen Zeichen sollte sofort ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden.

Diagnose

Die Diagnose wird in der Regel vom Kinder- und Jugendarzt (Pädiater) anhand der klinischen Untersuchung und der Krankengeschichte gestellt. Folgende Maßnahmen können erforderlich sein:

  • Körperliche Untersuchung: Beurteilung des Hydratationszustands, Bauchuntersuchung und allgemeiner Gesundheitszustand.
  • Stuhluntersuchung: Bei anhaltenden oder schweren Fällen kann eine Stuhlprobe auf Bakterien, Viren oder Parasiten untersucht werden.
  • Blutuntersuchung: Bei Verdacht auf eine schwere Infektion oder Dehydratation kann eine Blutentnahme notwendig sein.

Behandlung

Flüssigkeitszufuhr

Die wichtigste Maßnahme bei Durchfall beim Baby ist der Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes. Gestillte Babys sollten weiterhin regelmäßig gestillt werden. Für ältere Babys und Kleinkinder empfehlen Ärzte spezielle orale Rehydratationslösungen (ORL) aus der Apotheke, die Wasser, Salze und Zucker in einem optimalen Verhältnis enthalten. Haushaltsmittel wie reine Zuckerwasser- oder Salzlösungen sind nicht geeignet.

Ernährung

Babys und Kleinkinder sollten während des Durchfalls weiter normal ernährt werden, sofern sie es vertragen. Eine Nahrungskarenz (Nahrungsentzug) wird nicht mehr empfohlen. Leicht verdauliche Kost wie Banane, gekochter Reis, Karotten oder Zwieback kann verträglich sein.

Medikamente

Medikamente wie Probiotika (z. B. Lactobacillus rhamnosus GG) können die Dauer des Durchfalls verkürzen und werden manchmal von Ärzten empfohlen. Durchfallhemmende Medikamente (z. B. Loperamid) sind für Babys und Kleinkinder nicht geeignet und dürfen nicht eingesetzt werden. Bei bakteriellen Infektionen kann in bestimmten Fällen ein Antibiotikum notwendig sein.

Wann zum Arzt?

Folgende Situationen erfordern eine sofortige ärztliche Vorstellung:

  • Blut oder Schleim im Stuhl
  • Hohes Fieber (ab 38 °C bei Säuglingen unter drei Monaten, ab 39 °C bei älteren Babys)
  • Zeichen einer Austrocknung
  • Durchfall länger als zwei bis drei Tage
  • Schwaches oder teilnahmsloses Verhalten des Babys
  • Starkes oder anhaltendes Erbrechen

Vorbeugung

Einige Maßnahmen können dazu beitragen, Durchfall beim Baby zu vermeiden:

  • Händehygiene: Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Seife, besonders nach dem Wickeln und vor der Zubereitung von Mahlzeiten.
  • Stillen: Muttermilch schützt das Baby durch Antikörper und fördert eine gesunde Darmflora.
  • Rotavirus-Impfung: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Schluckimpfung gegen Rotaviren für Säuglinge ab der sechsten Lebenswoche.
  • Hygienische Zubereitung von Nahrung: Flaschenmilch und Beikost sollten hygienisch zubereitet und aufbewahrt werden.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): The Treatment of Diarrhoea – A Manual for Physicians and Other Senior Health Workers, 4th ed., WHO Press, Genf, 2005.
  2. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): S2k-Leitlinie Gastroenteritis bei Kindern und Jugendlichen, AWMF-Register Nr. 068-003, 2019.
  3. Szajewska H, Guarino A, Hojsak I et al.: Use of Probiotics for the Management of Acute Gastroenteritis in Children – An Update, Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, 2020.
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