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Einschlafstillen

Was ist Einschlafstillen?

Einschlafstillen beschreibt die Praxis, ein Baby oder Kleinkind während des Stillens einschlafen zu lassen. Dabei dient die Brust nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern gleichzeitig als Beruhigungs- und Einschlafhilfe. Diese Methode ist weltweit weit verbreitet und gilt als natürliche Reaktion auf die Bedürfnisse eines Säuglings nach Nähe, Wärme und Geborgenheit.

Das Saugen an der Brust löst im Gehirn des Babys die Ausschüttung von Hormonen wie Oxytocin und Cholecystokinin aus, die eine beruhigende und schlaffFördernde Wirkung haben. Auch die Muttermilch selbst enthält schlafFördernde Substanzen wie Tryptophan, eine Aminosäure, die als Vorstufe des Schlafhormons Melatonin gilt.

Vorteile des Einschlafstillens

Das Einschlafstillen bietet sowohl für das Baby als auch für die Mutter verschiedene Vorteile:

  • Natürliche Beruhigung: Das Saugen an der Brust ist für Säuglinge eine der wirksamsten Beruhigungsmethoden und hilft, Stress abzubauen.
  • Förderung der Bindung: Enger Körperkontakt und das Stillen stärken die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind.
  • Einfache Handhabung: Für viele Mütter ist das Einschlafstillen eine unkomplizierte und schnelle Möglichkeit, das Baby zur Ruhe zu bringen.
  • Unterstützung der Milchproduktion: Häufiges Anlegen, auch nachts, kann die Milchmenge langfristig aufrechterhalten.
  • Schmerzlinderung: Stillen hat eine nachgewiesene schmerzlindernde Wirkung und kann das Baby bei Unwohlsein beruhigen.

Mögliche Herausforderungen

Obwohl Einschlafstillen viele Vorteile hat, können sich im Laufe der Zeit auch Herausforderungen ergeben:

Schlafassoziationen und Schlafverhalten

Wenn ein Baby es gewohnt ist, nur an der Brust einzuschlafen, kann es schwierig werden, es auf andere Weise zu beruhigen. Wacht das Kind nachts auf, benötigt es möglicherweise erneut die Brust, um wieder einzuschlafen. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einer Schlafassoziation. Ob und wie stark dies als Problem empfunden wird, ist individuell unterschiedlich.

Zahngesundheit

Ab dem Zeitpunkt, ab dem die ersten Zähne durchbrechen (meist ab dem 6. Lebensmonat), sollte auf die Zahngesundheit geachtet werden. Muttermilch enthält natürlichen Zucker (Laktose), der bei häufigem und langem Kontakt mit den Zähnen, insbesondere nachts, zur Entstehung von Karies beitragen kann. Kinderzähne sollten daher regelmäßig gereinigt werden, sobald sie sichtbar sind.

Belastung für die stillende Person

Häufiges nächtliches Stillen kann auf Dauer zu Schlafmangel und Erschöpfung bei der stillenden Person führen. Es ist wichtig, die eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen und bei Bedarf Unterstützung zu suchen.

Empfehlungen von Fachorganisationen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF empfehlen, Babys in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich zu stillen und das Stillen bis zum zweiten Lebensjahr oder darüber hinaus fortzuführen, sofern Mutter und Kind es wünschen. Zum Einschlafstillen selbst gibt es keine generelle Empfehlung dagegen, jedoch weisen Fachleute darauf hin, dass ab dem 6. Lebensmonat die Zahnpflege berücksichtigt werden sollte.

Viele Stillberaterinnen (IBCLC – International Board Certified Lactation Consultants) betonen, dass Einschlafstillen eine normale und biologisch sinnvolle Praxis ist, die dem natürlichen Verhalten von Säuglingen entspricht.

Alternativen und Begleitung beim Abstillen

Wenn Eltern das Einschlafstillen verändern oder beenden möchten, gibt es verschiedene sanfte Alternativen:

  • Stillen vor dem Einschlafen: Das Baby wird gestillt, aber noch wach in das Bett gelegt, damit es lernt, selbst einzuschlafen.
  • Andere Einschlafhilfen: Tragen, Wiegen, Singen oder ein Schnuller können als alternative Beruhigungsmethoden eingesetzt werden.
  • Schrittweise Veränderung: Ein langsamer Übergang, bei dem die Stilldauer beim Einschlafen schrittweise verkürzt wird, kann helfen, neue Schlafgewohnheiten zu etablieren.
  • Unterstützung suchen: Eine zertifizierte Stillberaterin oder ein Kinderarzt bzw. eine Kinderarztin kann individuelle Empfehlungen geben.

Wann sollte ärztlicher Rat eingeholt werden?

In den meisten Fällen ist Einschlafstillen unbedenklich. Ärztlicher Rat ist jedoch empfehlenswert, wenn:

  • das Baby trotz Stillen kaum zur Ruhe kommt oder übermäßig häufig aufwacht,
  • Anzeichen von Zahnschäden sichtbar werden,
  • die stillende Person durch Schlafmangel stark belastet ist,
  • Fragen zum Abstillen oder zu alternativen Einschlafritualen bestehen.

Quellen

  1. World Health Organization (WHO): Breastfeeding. Verfügbar unter: https://www.who.int/health-topics/breastfeeding (abgerufen 2024).
  2. Victora CG et al.: Breastfeeding in the 21st century: epidemiology, mechanisms, and lifelong effect. The Lancet, 2016; 387(10017): 475-490.
  3. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Stillen – Das Beste für Mutter und Kind. Verfügbar unter: https://www.bzga.de (abgerufen 2024).
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