Exklusivpumpen
Was ist Exklusivpumpen?
Exklusivpumpen (auch: Exklusiv-Pumpen) bezeichnet eine Stillmethode, bei der die stillende Person ausschließlich mit einer Milchpumpe Muttermilch abpumpt und diese dem Baby über eine Flasche, einen Becher oder eine andere Methode gibt. Das Baby wird dabei nicht direkt an der Brust angelegt. Die abgepumpte Muttermilch enthält alle wichtigen Nährstoffe, Antikörper und Bioaktivstoffe, die auch beim direkten Stillen übertragen werden.
Gründe für Exklusivpumpen
Es gibt viele verschiedene Gründe, warum sich Eltern für das Exklusivpumpen entscheiden. Dazu gehören medizinische, praktische und persönliche Faktoren:
- Frühgeburt oder medizinische Probleme beim Baby: Frühgeborene oder kranke Neugeborene können oft nicht direkt gestillt werden und benötigen abgepumpte Muttermilch.
- Stillprobleme: Probleme wie flache oder eingezogene Brustwarzen, Saugschwäche des Babys oder anhaltende Schmerzen beim Stillen können das direkte Anlegen erschweren.
- Trennungszeiten: Rückkehr zur Arbeit, Hospitalisierung oder andere Trennungssituationen machen das Abpumpen notwendig.
- Persönliche Entscheidung: Manche stillenden Personen bevorzugen das Pumpen aus persönlichen oder emotionalen Gründen.
- Adoptivstillen: Personen, die keine biologischen Eltern sind, können durch Pumpen eine Laktation induzieren.
Wie funktioniert Exklusivpumpen?
Beim Exklusivpumpen wird in der Regel eine elektrische Doppelmilchpumpe empfohlen, da diese beide Brüste gleichzeitig entleert und Zeit spart. Die Pumphäufigkeit und -dauer orientieren sich am natürlichen Stillrhythmus des Babys:
- Neugeborenenphase (0–6 Wochen): 8–12 Pumpeinheiten pro 24 Stunden, ähnlich wie beim häufigen Anlegen eines Neugeborenen.
- Aufgebaute Milchproduktion: Die meisten Eltern pumpen 6–8 Mal pro Tag, um die Milchmenge aufrechtzuerhalten.
- Pumpabstände: Regelmäßige Abstände von 2–3 Stunden tagsüber und ein längerer Abstand nachts sind typisch.
- Pumpzeit: Eine einzelne Pumpeinheit dauert meist 15–20 Minuten.
Lagerung und Verwendung von abgepumpter Muttermilch
Abgepumpte Muttermilch kann sicher gelagert und später verwendet werden. Folgende Richtlinien gelten als allgemeiner Standard:
- Bei Zimmertemperatur: bis zu 4 Stunden haltbar (ca. 25 °C).
- Im Kühlschrank: bis zu 4 Tage bei 4 °C oder kälter.
- Im Gefrierfach: bis zu 6 Monate, im Tiefkühlgerät bis zu 12 Monate.
- Muttermilch sollte in sterilen Behältern oder speziellen Muttermilchbeuteln aufbewahrt werden.
- Zum Auftauen die Milch im Kühlschrank oder unter warmem Wasser erwärmen – niemals in der Mikrowelle.
Vorteile des Exklusivpumpens
Exklusivpumpen bietet zahlreiche Vorteile gegenüber der Verwendung von Säuglingsnahrung:
- Das Baby erhält alle Antikörper, Hormone und Nährstoffe der Muttermilch.
- Immunschutz durch Immunglobuline (insbesondere sIgA) und Wachstumsfaktoren.
- Reduziertes Risiko für Infektionen, Allergien und chronische Erkrankungen.
- Flexibilität, da andere Personen das Baby füttern können.
- Möglichkeit, die Milchmenge durch regelmäßiges Pumpen aufrechtzuerhalten.
Herausforderungen und Tipps
Exklusivpumpen kann zeitintensiv und emotional belastend sein. Folgende Tipps helfen, die Routine nachhaltig zu gestalten:
- Regelmäßigkeit: Regelmäßiges Pumpen nach einem festen Plan hilft, die Milchmenge stabil zu halten.
- Hakt-BH verwenden: Ein Freisprechaccessoire oder Pumpen-BH ermöglicht freie Hände während des Pumpens.
- Entspannung fördern: Das Betrachten von Fotos oder Videos des Babys kann den Milchspendereflex auslösen.
- Beratung suchen: Eine Stillberaterin (IBCLC) kann individuelle Unterstützung bieten.
- Gemeinschaft suchen: Onlineforen und Selbsthilfegruppen für Exklusivpumpende bieten emotionale Unterstützung.
- Gesunde Ernährung und Flüssigkeitszufuhr: Ausreichend Trinken und eine ausgewogene Ernährung unterstützen die Milchproduktion.
Wann ärztlichen Rat einholen?
Bei folgenden Situationen sollte medizinischer oder laktationsberatender Rat eingeholt werden:
- Deutlicher Rückgang der Milchmenge trotz regelmäßigem Pumpen.
- Schmerzen, Entzündungen oder Anzeichen einer Mastitis (Brustdrüsentzündung).
- Das Baby nimmt nicht ausreichend an Gewicht zu.
- Wunsch, von Exklusivpumpen zum direkten Stillen zu wechseln.
Quellen
- World Health Organization (WHO) – Infant and young child feeding: Model Chapter for textbooks for medical students and allied health professionals. WHO Press, Genf, 2009.
- Meier P, Patel AL, Wright K, Engstrom JL – Management of breastfeeding during and after the maternity hospitalization for late preterm infants. Clinics in Perinatology, 2013; 40(4): 689–705.
- La Leche League International – The Womanly Art of Breastfeeding. 8th Edition. Ballantine Books, New York, 2010.