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FPIAP

Was ist FPIAP?

FPIAP steht für Food Protein-Induced Allergic Proctocolitis – auf Deutsch: Nahrungsprotein-induzierte allergische Proktocolitis. Es handelt sich um eine nicht-IgE-vermittelte Nahrungsmittelunverträglichkeit, die vor allem Säuglinge in den ersten Lebensmonaten betrifft. Bei dieser Erkrankung reagiert das Immunsystem des Säuglings auf bestimmte Nahrungsproteine, die über die Muttermilch oder Säuglingsnahrung aufgenommen werden, und verursacht eine Entzündungsreaktion im Enddarm (Rektum) und im Dickdarm (Kolon).

FPIAP gilt als die häufigste Ursache für rektale Blutungen bei ansonsten gesunden, gut gedeihenden Säuglingen und hat in der Regel eine gute Prognose.

Ursachen

Die häufigste auslösende Ursache von FPIAP ist das Kuhmilchprotein, insbesondere Kasein und Molkenproteine. Weitere mögliche Auslöser sind:

  • Sojaprotein
  • Weizenprotein (Gluten)
  • Ei-Protein
  • Maisprotein
  • Seltener: Fisch, Nüsse oder andere Nahrungsproteine

Bei gestillten Säuglingen gelangen die Proteine über die Muttermilch in den Verdauungstrakt des Kindes. Bei nicht gestillten Säuglingen ist meist die Säuglingsnahrung auf Kuhmilch- oder Sojaproteinbasis der Auslöser. Der genaue Mechanismus ist nicht vollständig geklärt, jedoch spielen T-Zell-vermittelte Immunreaktionen eine zentrale Rolle.

Symptome

FPIAP tritt typischerweise in den ersten Lebenswochen bis -monaten auf. Die Symptome sind oft mild bis moderat und umfassen:

  • Blut im Stuhl (häufig als rote Schlieren oder Blutbeimengungen sichtbar)
  • Schleimiger Stuhl
  • Erhöhte Reizbarkeit und Unruhe des Säuglings
  • Häufige Stuhlgänge oder Durchfall
  • Leichte Bauchkrämpfe

Im Gegensatz zu anderen Darmerkrankungen zeigen betroffene Säuglinge in der Regel ein normales Gedeihverhalten und keine schweren Allgemeinsymptome wie hohes Fieber oder starken Gewichtsverlust. Dies ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber schwereren Erkrankungen.

Diagnose

Die Diagnose von FPIAP erfolgt hauptsächlich klinisch, da es keinen spezifischen Labortest gibt. Der diagnostische Prozess umfasst typischerweise:

  • Ausführliche Anamnese: Erhebung der Ernährungsgewohnheiten von Mutter und Kind sowie der Symptome
  • Körperliche Untersuchung: Beurteilung des Allgemeinzustands und des Gedeihens des Säuglings
  • Stuhluntersuchung: Nachweis von Blut und erhöhter Eosinophilenzahl im Stuhl
  • Eliminationsdiät: Weglassen des verdächtigten Nahrungsproteins aus dem Diätplan der stillenden Mutter oder Wechsel der Säuglingsnahrung
  • Symptomkontrolle: Verbesserung der Beschwerden nach Elimination bestätigt die Diagnose
  • Darmspiegelung (Proktoskopie/Koloskopie): Nur in Ausnahmefällen notwendig; zeigt typischerweise eine eosinophile Infiltration der Darmschleimhaut

Bluttests auf spezifische IgE-Antikörper (RAST, Prick-Test) fallen bei FPIAP typischerweise negativ aus, da es sich um eine nicht-IgE-vermittelte Reaktion handelt.

Behandlung

Eliminationsdiät bei stillenden Müttern

Bei gestillten Säuglingen wird zunächst empfohlen, dass die stillende Mutter das auslösende Protein – in den meisten Fällen Kuhmilch und Milchprodukte – vollständig aus ihrer Ernährung streicht. Eine Besserung der Symptome tritt häufig innerhalb von 2 bis 4 Wochen ein. Da dies zu einer reduzierten Kalziumzufuhr führen kann, sollte die Mutter ärztlich begleitet und gegebenenfalls mit Kalzium und Vitamin D ergänzt werden.

Wechsel der Säuglingsnahrung

Bei nicht gestillten Säuglingen wird die herkömmliche Kuhmilch- oder Sojaformula durch eine extensiv hydrolysierte Säuglingsnahrung (eHF) ersetzt, bei der die Proteine in kleinste Bestandteile aufgespalten sind. In schweren oder therapieresistenten Fällen kann eine aminoSäurebasierte Formula (AAF) eingesetzt werden.

Prognose und Toleranzentwicklung

Die Prognose von FPIAP ist insgesamt sehr gut. Die meisten Säuglinge entwickeln bis zum Alter von 12 bis 24 Monaten eine Toleranz gegenüber dem auslösenden Protein. Eine kontrollierte Wiedereinführung des Proteins sollte immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, um einen Rückfall zu vermeiden.

Wann zum Arzt?

Eltern sollten bei folgenden Anzeichen umgehend ärztlichen Rat suchen:

  • Sichtbares Blut im Stuhl des Säuglings
  • Starke Reizbarkeit oder anhaltende Unruhe
  • Unzureichende Gewichtszunahme oder schlechtes Gedeihen
  • Erbrechen oder deutliche Bauchschmerzen
  • Anzeichen einer ernsteren Erkrankung wie Fieber oder Lethargie

Quellen

  1. Mennini M, Fiocchi AG, Cafarotti A, et al. - Food protein-induced allergic proctocolitis in infants: Literature review and proposal of a management protocol. World Allergy Organization Journal, 2020; 13(10): 100471.
  2. Nowak-Wegrzyn A, Chehade M, Groetch ME, et al. - International consensus guidelines for the diagnosis and management of food protein-induced enterocolitis syndrome. Journal of Allergy and Clinical Immunology, 2017; 139(4): 1111-1126.
  3. European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition (ESPGHAN) - Diagnostic approach and management of cow's milk protein allergy in infants and children. ESPGHAN Guidelines, 2012.
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