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Fremdeln beschreibt die Reaktion von Säuglingen und Kleinkindern, bei der sie gegenüber fremden Personen Ängstlichkeit, Zurückhaltung oder Weinen zeigen. Dieses Verhalten gilt als normaler und wichtiger Schritt in der frühkindlichen Entwicklung. Es signalisiert, dass das Kind begonnen hat, vertraute Bezugspersonen von unbekannten Personen zu unterscheiden – eine kognitive und emotionale Leistung, die eng mit der Bindungsentwicklung zusammenhängt.
Die Fremdelphase setzt in den meisten Fällen zwischen dem 6. und 9. Lebensmonat ein und kann bis zum Ende des zweiten Lebensjahres andauern. Der genaue Zeitpunkt und die Intensität variieren von Kind zu Kind. Manche Kinder zeigen nur milde Reaktionen, während andere sehr ausgeprägt auf Fremde reagieren. Ein Beginn etwas früher oder später ist ebenfalls normal.
Fremdeln entsteht, weil das Gehirn des Säuglings in dieser Phase in der Lage ist, Gesichter und Personen zu unterscheiden und zu kategorisieren. Das Kind entwickelt eine selektive Bindung an primäre Bezugspersonen wie Eltern oder Geschwister. Fremde Personen lösen eine Art Schutzreaktion aus, da sie nicht in das bekannte soziale Umfeld des Kindes eingeordnet werden können.
Das Fremdeln äußert sich auf verschiedene Weisen:
Fremdeln ist kein Zeichen einer Störung, sondern im Gegenteil ein positives Entwicklungszeichen. Es zeigt, dass das Kind eine sichere Bindung zu seinen Bezugspersonen aufgebaut hat und in der Lage ist, soziale Unterschiede wahrzunehmen. Kinder, die fremdeln, haben in der Regel eine gesunde emotionale Entwicklung durchlaufen. Fachleute aus der Entwicklungspsychologie, darunter John Bowlby und Mary Ainsworth, sehen das Fremdeln als Ausdruck einer funktionierenden Bindungstheorie.
Eltern können ihr Kind in dieser Phase aktiv unterstützen:
In der Regel ist Fremdeln ein völlig normales Phänomen und bedarf keiner medizinischen Abklärung. Ein Arzt oder Pädiater sollte jedoch konsultiert werden, wenn:
In seltenen Fällen kann ausgeprägtes Fremdeln ein früher Hinweis auf eine Bindungsstörung oder andere Entwicklungsauffälligkeiten sein, die eine fachliche Einschätzung erfordern.