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Frühgeborenennahrung

Was ist Frühgeborenennahrung?

Frühgeborenennahrung bezeichnet speziell zusammengesetzte Milchnahrungen für Frühgeborene, also Säuglinge, die vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden. Da diese Kinder noch nicht vollständig entwickelt sind, haben sie einen deutlich erhöhten Bedarf an Energie, Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen. Herkömmliche Säuglingsnahrung oder reguläre Muttermilch allein können diesen Bedarf häufig nicht vollständig decken.

Je nach Reife und Gewicht des Kindes wird Frühgeborenennahrung im Krankenhaus unter medizinischer Überwachung verabreicht oder nach der Entlassung als sogenannte Post-Discharge-Nahrung weitergenutzt.

Warum brauchen Frühgeborene spezielle Nahrung?

Frühgeborene haben im Vergleich zu reif geborenen Säuglingen besondere physiologische Eigenschaften, die eine angepasste Ernährung erfordern:

  • Geringere Körperspeicher für Fett, Proteine und Mineralstoffe
  • Unreifes Verdauungssystem mit eingeschränkter Aufnahmekapazität
  • Höherer Energiebedarf pro Kilogramm Körpergewicht
  • Erhöhter Bedarf an Kalzium, Phosphor und Vitamin D für die Knochenentwicklung
  • Noch nicht abgeschlossene Gehirn- und Organentwicklung

Ziel der spezialisierten Ernährung ist es, ein Wachstum zu ermöglichen, das dem intrauterinen Wachstum (also dem normalen Wachstum im Mutterleib) möglichst nahekommt.

Zusammensetzung von Frühgeborenennahrung

Frühgeborenennahrung unterscheidet sich in mehreren wesentlichen Punkten von Standardanfangsmilch:

  • Höherer Proteingehalt: Zur Unterstützung des schnellen Muskel- und Organwachstums
  • Erhöhter Energiegehalt: Meist zwischen 80 und 100 kcal pro 100 ml
  • Angepasste Fettkomposition: Oft mit mittelkettigen Fettsäuren (MCT) für bessere Verträglichkeit sowie mit langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (LC-PUFA) wie DHA und ARA für die Gehirnentwicklung
  • Höherer Kalzium- und Phosphorgehalt: Für die Mineralisierung des Knochensystems
  • Erhöhter Gehalt an Vitaminen: Insbesondere Vitamin D, K, E und B-Vitamine
  • Eisen und Spurenelemente: Da Frühgeborene geringere Eisenspeicher haben, wird Eisen oft zusätzlich supplementiert

Muttermilch bei Frühgeborenen

Die eigene Muttermilch gilt auch bei Frühgeborenen als die beste Ernährungsgrundlage. Sie enthält Antikörper, bioaktive Substanzen und wachstumsfördernde Faktoren, die kein künstliches Produkt vollständig ersetzen kann. Da Frühgeborene jedoch häufig einen höheren Nährstoffbedarf haben, als Muttermilch allein decken kann, wird diese oft mit speziellen Muttermilchverstärkern (Human Milk Fortifiers) ergänzt. Ist keine eigene Muttermilch verfügbar, kann pasteurisierte Spendermilch oder spezielle Frühgeborenenformula eingesetzt werden.

Arten von Frühgeborenennahrung

Frühgeborenenformula (In-Hospital)

Diese hochkalorischen Spezialformulas werden ausschließlich im Krankenhaus und unter ärztlicher Aufsicht verwendet. Sie sind auf die Bedürfnisse sehr kleiner oder sehr früh geborener Säuglinge abgestimmt.

Post-Discharge-Nahrung

Nach der Entlassung aus der Klinik erhalten viele Frühgeborene eine sogenannte Post-Discharge-Nahrung. Diese hat einen höheren Nährstoffgehalt als Standardanfangsmilch, ist aber weniger konzentriert als die klinische Frühgeborenenformel. Sie wird in der Regel empfohlen, bis das Korrekturalter von drei bis zwölf Monaten erreicht ist.

Ernährungsformen im Überblick

  • Parenterale Ernährung: Über die Vene, bei sehr unreifen Frühchen in den ersten Lebenstagen
  • Enterale Ernährung: Über eine Magensonde, wenn das Kind noch nicht selbst trinken kann
  • Orale Ernährung: Trinken aus der Flasche oder Stillen, sobald der Säugling koordiniert saugen und schlucken kann

Wann wird Frühgeborenennahrung eingesetzt?

Frühgeborenennahrung kommt in folgenden Situationen zum Einsatz:

  • Bei Säuglingen, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden
  • Bei Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 2.500 g (niedrigem Geburtsgewicht)
  • Wenn Muttermilch nicht verfügbar oder nicht ausreichend ist
  • Als Ergänzung zu Muttermilch bei unzureichender Gewichtszunahme

Begleitung und Überwachung

Die Ernährung von Frühgeborenen erfordert eine engmaschige medizinische Begleitung. In der Neonatologie werden regelmäßig Gewicht, Körpergröße, Kopfumfang sowie Laborwerte überwacht, um die Ernährung individuell anzupassen. Eltern werden von spezialisiertem Pflegepersonal, Kinderarztpraxen und Laktationsberaterinnen unterstützt.

Quellen

  1. Agostoni C. et al. - Enteral Nutrient Supply for Preterm Infants: Commentary From the European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition Committee on Nutrition (ESPGHAN). Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, 2010.
  2. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) - Empfehlungen zur Ernährung von Frühgeborenen, 2021. Verfügbar unter: www.dgkj.de
  3. World Health Organization (WHO) - Optimal feeding of low-birth-weight infants in low- and middle-income countries. WHO Press, Genf, 2011.
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