Geburtsplan
Was ist ein Geburtsplan?
Ein Geburtsplan ist ein schriftliches Dokument, das werdende Eltern – meist in der Schwängerschaft – erstellen, um ihre Vorstellungen, Wünsche und Präferenzen für den Geburtsvorgang festzuhalten. Er richtet sich an das betreuende Geburtsteam bestehend aus Hebammen, Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegepersonal und soll eine offene Kommunikation fördern. Ein Geburtsplan ersetzt kein medizinisches Fachgespräch, sondern ergänzt es.
Zweck und Bedeutung
Der Geburtsplan hat mehrere wichtige Funktionen:
- Er hilft werdenden Eltern, sich intensiv mit dem Thema Geburt auseinanderzusetzen und eigene Wünsche zu reflektieren.
- Er erleichtert die Kommunikation mit dem Geburtsteam, insbesondere wenn bei der Geburt unbekannte Fachkräfte anwesend sind.
- Er gibt den Eltern ein Gefühl von Kontrolle und Selbstbestimmung in einem emotional bedeutsamen Moment.
- Er kann dazu beitragen, Stress und Ängste rund um die Geburt zu reduzieren.
Typische Inhalte eines Geburtsplans
Ein Geburtsplan kann individuell gestaltet werden. Häufig enthaltene Themenbereiche sind:
Geburtsumgebung und Atmosphäre
- Gewünschte Beleuchtung (gedimmt, natürliches Licht)
- Musik oder Stille während der Geburt
- Anwesenheit von Begleitpersonen (Partner, Doula, Familienmitglieder)
- Gewünschter Geburtsort (Kreissaal, Geburtswanne, Geburtshaus, Hausgeburt)
Schmerzmanagement
- Präferenz für natürliche Methoden (Atemtechniken, Massage, Wassergeburt)
- Offenheit für oder Ablehnung von medikamentöser Schmerzlinderung (z. B. Periduralanasthesie, kurz PDA)
- Einsatz von Lachgas oder anderen Analgetika
Geburtspositionen und -verlauf
- Gewünschte Geburtspositionen (stehend, kniend, auf der Seite, im Wasser)
- Freiheit der Bewegung während der Wehen
- Wünsche zum Einsatz von Wehenmitteln (Oxytocin) oder anderen Eingriffen
Eingriffe und Interventionen
- Haltung zu einem möglichen Dämmschnitt (Episiotomie)
- Einsatz von Saugglocke oder Geburtszange
- Wünsche bei einem möglichen Kaiserschnitt (Sectio caesarea)
Nach der Geburt
- Gewünschter Zeitpunkt der Abnabelung (sofort oder verzögert)
- Haut-zu-Haut-Kontakt direkt nach der Geburt (Bonding)
- Stillen oder Flaschenfütterung
- Verbleib des Neugeborenen (Rooming-in)
Erstellung eines Geburtsplans
Idealerweise wird der Geburtsplan im dritten Trimester der Schwangerschaft erstellt, etwa ab der 32.–36. Schwangerschaftswoche. Folgende Schritte sind empfehlenswert:
- Informationen über den Ablauf einer Geburt sammeln (z. B. durch Geburtsvorbereitungskurse oder Gespräche mit der Hebamme)
- Eigene Präferenzen und Grenzen reflektieren
- Den Plan mit der betreuenden Hebamme oder dem Geburtsmediziner besprechen
- Den Geburtsplan kurz und übersichtlich halten (idealerweise eine Seite)
- Mehrere Kopien anfertigen und im Krankenhaus oder Geburtshaus abgeben
Wichtige Hinweise
Ein Geburtsplan ist kein verbindlicher Vertrag. Geburten können unvorhersehbar verlaufen, und medizinische Notfallsituationen können eine Abweichung vom Plan erfordern. Das Geburtsteam ist verpflichtet, stets im besten Interesse von Mutter und Kind zu handeln. Ein flexibler Umgang mit dem Geburtsplan wird daher empfohlen. Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen zwischen Eltern und Geburtsteam sind entscheidend für ein positives Geburtserlebnis.
Vorteile eines Geburtsplans
- Fördert die Selbstbestimmung und das Empowerment der Gebärenden
- Verbessert die Kommunikation mit dem Geburtsteam
- Reduziert Unsicherheiten und Ängste vor der Geburt
- Unterstützt ein positives Geburtserlebnis
- Kann das Risiko einer postpartalen Depression durch erhöhtes Kontrollgefühl verringern
Quellen
- World Health Organization (WHO): Intrapartum care for a positive childbirth experience. WHO Guidelines (2018). Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241550215
- Divison of Consumer Health Information, National Network of Libraries of Medicine: Birth Plans. MedlinePlus, U.S. National Library of Medicine (2023). Verfügbar unter: https://medlineplus.gov/ency/patientinstructions/000601.htm
- Simkin P.: Birth plans: after 25 years, women still want to be heard. Birth. 2007;34(1):49–51. DOI: 10.1111/j.1523-536X.2006.00138.x